Five year old Farshad from Afghanistan is kept detained at Chios in Greece together with his family while they are waiting for a chance to seek asylum. Photo: Tiril Skarstein/NRC

Interview with his sister Yasmin (16) - from Afghanistan:
The situation here is very bad. When we ask the police when we can get out, they say they do not know. 
Some people say maybe one month, maybe two months, maybe more. 
Why are we kept imprisoned, when we have done nothing wrong? It is very bad. We have been here for many weeks now. Since 20 March. 

We want to apply for asylum. We do not want to be deported back to Turkey. Many people have been deported. 
We do not know when we can get out of this prison. It is like a prison. We cannot get out of here. 
I wish we could at least be able to go around freely.
We just want to have security and peace, and be able to study in a safe place. To become a person. 
We want freedom. 
I like to say to European politicians that this agreement is a bad agreement. It does not treat us like humans. 
We need protection. Why are people deporting us back to Turkey? There´s no life for us, no security for us there.

Über 900.000 Vertriebene

Roald Hovring|Veröffentlicht 25. Mrz 2020|Bearbeitet 17. Mrz 2020
Die Menschen im Nordwesten Syriens durchleben eine der schwersten Krisen seit Beginn des Syrienkriegs. Aufgrund des heftigen Konflikts wurden nach Angaben der Vereinten Nationen seit dem 1. Dezember rund 900.000 Menschen vertrieben und sind nun dem klirrend kalten Winter ausgesetzt.

Die humanitäre Krise im Nordwesten Syriens hat ein erschreckendes Ausmaß erreicht. Zwischen dem 1. Dezember und dem 20. Februar wurden 900.000 Menschen vertrieben, so das Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA).

„Die Kämpfe in Nordwest-Syrien haben die bisher größte Vertreibungswelle im neun Jahre andauernden Syrienkonflikt ausgelöst. Über 900.000 Vertriebene sind gefährlichen Bedingungen ausgesetzt, da sie in Gebiete fliehen, die durch aufeinanderfolgende Vertreibungswellen bereits überlastet sind“, sagt Angelita Caredda, Direktorin des NRC Flüchtlingshilfe-Büros in Syrien.

Dramatische Eskalation in Idlib

Die meisten Frauen, Männer und Kinder, die ihre Heimat verlassen haben, um den Angriffen zu entkommen, sind ins nordwestlich gelegene Gouvernement Idlib geflohen, ein kleines Gebiet, das bereits Hunderttausende Vertriebene aufgenommen hat. Die Gesamtbevölkerung Idlibs, die vor der letzten Gewaltwelle auf rund drei Millionen geschätzt wurde, konzentriert sich zunehmend auf ein kleines Gebiet entlang der türkisch-syrischen Grenze, wo es keinen anderen sicheren Ort gibt.

„Die einzige Möglichkeit, diese drei Millionen Frauen, Kinder und Männer zu schützen, ist zu verhindern, dass die Gewalt weiter eskaliert. Die jüngsten Massenvertreibungen bringen die humanitäre Hilfe an ihre Grenzen, insbesondere, da Hunderte humanitäre Hilfskräfte nun selbst Vertriebene sind“, sagt Caredda.

Lesen Beschriftung Eine Syrerin, die aus der Stadt Sarmin geflohen ist, rund acht Kilometer südöstlich der Stadt Idlib in Nordwest-Syrien, kehrt in die Stadt zurück, um ein paar ihrer Habseligkeiten zu holen. Foto: Omar HAJ KADOUR / AFP / NTB Scanpix

 

Alarmierende Situation

Die humanitäre Gemeinschaft gibt ihr Bestes, ist vom Ausmaß des Bedarfs jedoch überfordert. Ein sofortiges Ende der Gewalt ist entscheidend. Es werden umgehend weitere Ressourcen, einschließlich finanzieller Mittel, benötigt, um Leben zu retten und das Leid der Menschen zu lindern.

Rund 60 Prozent der 900.000 Vertriebenen in Nordwest-Syrien sind Kinder und es wird berichtet, dass viele Kinder bereits aufgrund der Minustemperaturen gestorben sind.

Die Hilfsorganisationen passen sich erneut den sich wandelnden Gegebenheiten an, um den am stärksten gefährdeten Menschen zu helfen, und suchen nach Ansätzen, die es ihnen erlauben, die Syrerinnen und Syrer auf direktestem Wege zu erreichen. Humanitäre Organisationen sind in der Pflicht, so lange zu bleiben und Hilfe zu leisten, wie die Umstände es erlauben, es wird jedoch immer gefährlicher, da kein Ort in Idlib derzeit wirklich sicher ist.

Lesen Beschriftung Ein Syrer vor seinem Zelt in einem Lager für Vertriebene in der Nähe der türkischen Grenze in der Provinz Idlib, Syrien. Foto: AFP / NTB Scanpix

 

Dringender Bedarf

Aufgrund der hohen Anzahl an Menschen, die in den vergangenen zwei Monaten aus ihrer Heimat fliehen mussten, und der raschen Bevölkerungsbewegung steigt der humanitäre Bedarf im Nordwesten Syriens exponentiell an. Am dringendsten werden nach wie vor Unterkünfte, Non-Food-Artikel, Lebensmittel und Schutz gebraucht.

 

Mindestens 93 Prozent der Neuvertriebenen nennen eine Unterkunft als dringendsten Bedarf.

„Die Vertriebenen in Nordwest-Syrien haben Probleme, eine Unterkunft zu finden. Die Familien in Idlib werden an den überfüllten Lagern abgewiesen und haben dringenden Bedarf an Unterkünften, Matratzen, Decken und Lebensmitteln. Zehntausende Menschen haben keine andere Wahl, als trotz der Minustemperaturen im Freien und in unfertigen Gebäuden zu übernachten“, sagt Caredda.

Finanzmittel aufstocken

Die humanitäre Hilfe hat bisher weniger als ein Drittel der Mittel erhalten, die nötig wären, um den Bedarf der 900.000 Menschen bis Juli 2020 zu decken.

Es werden auch weiterhin Mittel benötigt, um die humanitäre Hilfe in ganz Syrien zu unterstützen: Rund zwei Drittel der Menschen, die in Syrien humanitäre Hilfe benötigen, befinden sich in Gebieten, die unter staatlicher Kontrolle stehen. NRC Flüchtlingshilfe ruft die Geberländer auf, diesen Menschen nicht den Rücken zuzukehren und stattdessen ihre Mittel für die Programme zur Unterstützung der Zivilbevölkerung weiter aufzustocken.

Menschen, die von Krieg und Vertreibung betroffen sind, haben alle dasselbe Recht auf Unterstützung, unabhängig davon, wer die Kontrolle über das Gebiet hat. Es spielt keine Rolle, ob die Regierung oder eine bewaffnete Gruppe das Gebiet kontrolliert, und es sollte auch für die Geber keine Rolle spielen. Gleichzeitig appellieren wir an die syrische Regierung, die Beschränkungen bezüglich humanitärer Hilfe aufzuheben, insbesondere die bürokratischen Hindernisse und unangemessenen Verzögerungen bei der Genehmigung der Hilfsmaßnahmen.

Gastgeberländer und Rückkehrer

NRC Flüchtlingshilfe fordert die Geber außerdem auf, die 5,7 Millionen Syrerinnen und Syrer zu unterstützen, die nach wie vor in den Nachbarländern Syriens leben. Auch wenn die meisten dieser Flüchtlinge uns berichten, dass sie in Zukunft nach Syrien zurückkehren wollen, haben sie immer noch Angst vor den Kämpfen, dem Mangel an Grundversorgung und vor Vergeltung. Jordanien, der Libanon und die Türkei müssen sicherstellen, dass diese Menschen weiterhin in Sicherheit und Würde leben können, und die internationale Gemeinschaft muss sie dabei unterstützen.

NRC Flüchtlingshilfe in Syrien

NRC Flüchtlingshilfe ist eine der wenigen Organisationen, die in ganz Syrien tätig sind. Vor dem Hintergrund heftiger Konflikte leisten wir Menschen in Not Soforthilfe, Übergangshilfe und langfristige Unterstützung. NRC Flüchtlingshilfe hat im Jahr 2019 in Syrien über 400.000 Menschen in Not erreicht.

NRC Flüchtlingshilfe unterstützt außerdem syrische Geflüchtete in Nachbarländern, einschließlich Irak, Libanon und Jordanien.

Lesen Sie mehr über unsere Arbeit in Syrien.