Lesen Beschriftung Foto: Ahmed Aref/NRC

PRESSEINFORMATION: Stellungnahme zur steigenden Anzahl an Covid-19-Fällen im Jemen

Veröffentlicht 25. Mai 2020|Bearbeitet 20. Mai 2020
Kommentar von Mohammed Abdi, Landesdirektor für NRC Flüchtlingshilfe im Jemen, zur steigenden Anzahl an Covid-19-Fällen im Jemen.

„Der Moment, den wir gefürchtet haben, ist gekommen. Covid-19 ist nicht nur im Jemen angekommen, es verbreitet sich auch. Wir sind zutiefst besorgt, dass die Auswirkungen von Covid-19 im Jemen dramatischer sein könnten als überall sonst, da das Land auch ohne das Virus schon in der schlimmsten humanitären Krise der Welt steckte.

Am meisten sorgen wir uns um die 3,6 Millionen Jemenitinnen und Jemeniten, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, sowie um die vielen Migrierten und Flüchtlinge, die im Jemen leben. Diese Menschen leben in übervölkerten Siedlungen oder mit vielen anderen Familien zusammengepfercht in einem Raum in einer Schule oder anderen öffentlichen Gebäuden. Sie haben nur eingeschränkt Zugang zu Seife oder sauberem Wasser und haben einfach keine Möglichkeit, sich zu isolieren. Obwohl das Virus nicht diskriminiert, sind es diese ohnehin schon am meisten gefährdeten Menschen, die es am härtesten treffen wird.

Es muss umgehend gehandelt werden. Die Hilfsorganisationen müssen im ganzen Land sicheren und ungehinderten Zugang erhalten, um die Maßnahmen gegen Covid-19 verstärken und weiterhin lebensnotwendige Unterstützung leisten zu können. Auch wenn Beschränkungen im Kampf gegen das Virus notwendig sind, dürfen sie nicht den Zugang zu lebensrettender Hilfe blockieren, da 80 Prozent der Bevölkerung darauf angewiesen sind. Trotz des Waffenstillstands werden die Kämpfe fortgesetzt und es sind weiterhin jede Woche Tausende von Menschen zur Flucht gezwungen. Alle Parteien müssen augenblicklich ihre Waffen niederlegen. Der Jemen kann nicht den Kampf gegen Covid-19 und einen Krieg gleichzeitig austragen.“

Hinweise an die Redaktion:
  • Das Gesundheitsministerium in Sana’a bestätigte heute den ersten Todesfall durch Covid-19 in der Stadt. Im Laufe der letzten Woche wurden bereits 21 Infektionen und 3 Todesfälle durch das tödliche Virus in den Gouvernements Aden, Hadramaut und Taizz gemeldet.
  • Basierend auf Modellen des britischen Imperial College geht die Weltgesundheitsorganisation davon aus, dass sich wahrscheinlich auch mit Eindämmungsmaßnahmen immer noch 55 Prozent der Bevölkerung infizieren werden.
  • Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation stehen im Jemen derzeit 4 Testlabors für Covid-19 sowie 38 Isolationseinheiten, 520 Intensivbetten und 194 Beatmungsgeräte zur Verfügung.
  • Nach fünf Jahren des Krieges ist nur die Hälfte aller medizinischer Einrichtungen im Jemen voll einsatzfähig, die Wirtschaft wurde lahmgelegt, es grassieren bereits Krankheiten wir Cholera und Denguefieber und 10 Millionen Menschen stehen kurz vor einer Hungersnot.
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