Meine größte Angst ist, dass jemand aus meinem Team sein Leben verliert

Text: Eirik Christophersen, Foto: Ingrid Prestetun|Veröffentlicht 09. Jan 2020|Bearbeitet 16. Dez 2019
Somalia ist eins der Länder der Welt, die für humanitäre Hilfsorganisationen am schwierigsten zu erreichen sind. Explosionen und Angriffe sind an der Tagesordnung und mehrere Hilfskräfte wurden in den letzten Jahren bereits entführt oder als Geiseln genommen. Wer am meisten darunter leidet, wenn wir keine Hilfe leisten können, sind die Opfer von Dürren, Überschwemmungen und Konflikten, besonders Frauen und Kinder.

Um in Regionen, in denen ein hohes Risiko von Angriffen, Explosionen, Entführungen und Konflikt besteht, ist NRC Flüchtlingshilfe auf belastbare und gute Sicherheitsmanagementsysteme angewiesen. Diese Arbeit wird von Stephen Akwabi geleitet, der für die Sicherheit von NRC Flüchtlingshilfe in Somalia verantwortlich ist.

„Es ist eine große Verantwortung, dafür zu sorgen, dass alle unsere Mitarbeitenden wissen, wie sie mit Sicherheitsproblemen umzugehen haben, und humanitäre Hilfe zu ermöglichen – in einem Land, in dem Angriffe und Explosionen an der Tagesordnung sind und in dem humanitäre Hilfskräfte jederzeit dem Risiko ausgesetzt sind, entführt zu werden“, sagt Akwabi.

NRC Flüchtlingshilfe nimmt Probleme bezüglich der Sicherheit sehr ernst, damit wir humanitäre Hilfe leisten, aber gleichzeitig unsere Mitarbeitenden schützen können. NRC Flüchtlingshilfe war eine der ersten Organisationen, die in der Hauptstadt Mogadischu eine Präsenz zur Fortsetzung der humanitären Hilfe aufgebaut haben. Wir tun alles, was wir können, um dort zu helfen, wo der Bedarf am größten ist. Aus diesem Grund sind wir in großen Teilen Somalias vor Ort.

Akwabi ist dafür verantwortlich, die Mitarbeitenden zu schulen, damit jeder weiß, wie mit Sicherheitsproblemen umzugehen ist. Darüber hinaus kümmert er sich vor Ort um die Sicherheitsbeauftragten und sorgt dafür, dass die Routinen an den verschiedenen Standorten in Somalia, an denen wir arbeiten, an die Bedrohungslage vor Ort angepasst werden.

„NRC Flüchtlingshilfe ist in Regionen tätig, in der sowohl al-Shabaab als auch die IS-Gruppe eine Bedrohung darstellen. Meine größte Angst ist, dass jemand aus meinem Team sein Leben verliert.“
Stephen Akwabi trägt eine große Verantwortung, indem er für die Sicherheit der NRC Flüchtlingshilfe-Mitarbeitenden in Somalia zuständig ist.

Zwei Millionen Menschen in unzugänglichen Gebieten

Zwei Millionen Menschen in Somalia leben in Gebieten, in denen es aufgrund der Gefahr durch bewaffnete Gruppen extrem schwierig ist, humanitäre Hilfe zu leisten. Somalia ist daher laut ACAPS eins der Länder, die mit Nothilfe am schwierigsten zu erreichen sind.

Rund drei Millionen Somalierinnen und Somalier sind auf der Flucht im eigenen Land. Allein im Jahr 2019 waren 575.000 Menschen aufgrund des Konflikts, Dürren oder Überschwemmungen zur Flucht gezwungen. Die meisten sind in die Gebiete um die größeren Städte herum geflohen. Dennoch sind die mit dem dringendsten humanitären Bedarf – wie etwa ältere und schwache Menschen und alleinerziehende Mütter – nicht in der Lage, dorthin zu gelangen, wo sie Hilfe bekommen könnten.

Diejenigen, die nicht in der Lage waren zu fliehen, sind Druck und Missbrauch durch bewaffnete Gruppen ausgeliefert, die Geld von ihnen verlangen. Kinder laufen Gefahr, als Kindersoldaten rekrutiert zu werden.

Lesen Beschriftung Binnenvertriebene. Zusätzlich hat das Land eine große Anzahl Flüchtlinge aus Eritrea und dem Jemen aufgenommen. Die meisten leben in überfüllten Lagern und inoffiziellen Siedlungen mit schlechten sanitären Bedingungen und großen Sicherheitsproblemen. In diesem Lager für Geflüchtete und Binnenvertriebene außerhalb von Bosaso brannten mehrere Häuser nieder, als Kinder auf offenem Feuer gekocht hatten.
Im Jahr 2018 wurden über 3000 Kinder in Somalia als Kindersoldaten rekrutiert.
So die UN

Sich selbst überlassen

Die Region, in der Faduma Abdinor Mohamed lebte, wurde von bewaffneten Gruppen kontrolliert. Die Sicherheitslage machte es humanitären Hilfsorganisationen unmöglich, hier zu arbeiten. Als sowohl ihr Vater als auch ihr Ehemann bei einem Schusswechsel getötet wurden, war sie sich selbst überlassen und musste darum kämpfen, ihre sechs Kinder am Leben zu halten.

Fadumas Familie besaß kein Land und musste für andere Bauern arbeiten, um Geld zu verdienen. Zusätzlich hatten sie eine Ziegenherde, die Milch und Fleisch lieferte. Seit Faduma vor drei Jahren ihren Mann verloren hat, muss sie die Familie allein ernähren.

Während der vergangenen drei Jahre hatte Somalia mit extremen Dürren zu kämpfen. Dies führte zu Ernteausfällen und es wurde für Faduma zunehmend schwierig, eine Arbeit zu finden, da viele Bauern ihre Felder nicht mehr bewirtschaften konnten. Auch das Vieh litt unter der Dürre und die meisten ihrer Ziegen starben. Als einer ihrer Söhne krank wurde, musste sie die verbleibenden vier Ziegen verkaufen, um seine Medikamente bezahlen zu können.

Faduma schaffte es schließlich, nach Baidoa zu fliehen und lebt nun in einem Flüchtlingslager außerhalb der Stadt, wo NRC Flüchtlingshilfe allen Menschen im Lager Zugang zu Wasser ermöglicht hat.

Lesen Beschriftung Während unseres Besuchs in Somalia im September wurden wir täglich vor neuen Angriffen und Bombenexplosionen gewarnt. Leider sind dies hier alltägliche Ereignisse, die in der entwickelten Welt wenig Beachtung finden.

Häufige Angriffe

Obwohl es in den Gebieten rund um die Großstädte sicherer ist als in den Gebieten, die von al-Shabaab kontrolliert werden, ist es in ganz Somalia weit davon entfernt, sicher zu sein. Die Binnenvertriebenen, die lokale Bevölkerung und die humanitären Hilfskräfte sind alle gleichermaßen in Gefahr. Am höchsten ist das Risiko in Süd- und Zentralsomalia, da hier besonders viele Bombenexplosionen, Selbstmordattentate, bewaffnete Angriffe und Entführungen stattfinden.

Ich sollte Somalia im Juli 2019 besuchen, musste die Reise aber verschieben, da das größte Hotel in Kismayo, eine der Städte, die wir besuchen wollten, am Tag vor unserer Abreise angegriffen wurde. 26 Menschen starben. Unter den Opfern waren ein lokaler Politiker und eine bekannte Journalistin.

Zwei Monate später konnten wir nach Somalia reisen, es war jedoch immer noch zu gefährlich, um nach Kismayo zu fahren. An dem Tag, als wir in der Hauptstadt Mogadischu ankamen, wurde uns gesagt, dass das Büro des Präsidenten beschossen worden sei. Ein paar Tage später detonierte eine Autobombe vor einem neu eröffneten Hotel in der Stadt und mindestens vier Menschen starben. Leider sind solche Ereignisse in Somalia so alltäglich, dass darüber in den internationalen Medien kaum berichtet wird.

Lesen Beschriftung Mercy Gitau aus Kenia ist in Somalia für unsere Wasser-, Sanitär- und Hygieneprojekte zuständig. Sie reist durch das ganze Land, um unsere Projekte zu betreuen.

Humanitäre Hilfskräfte entführt

Die Angriffe in Somalia richten sich besonders gegen die Behörden, aber leider sind auch humanitäre Hilfsorganisationen direkte Ziele und humanitäre Helferinnen und Helfer schweben in großer Gefahr, entführt zu werden. Im Jahr 2018 wurde eine humanitäre Helferin des Deutschen Roten Kreuzes entführt – aus dem Gebäude direkt neben dem, in dem unsere Mitarbeitenden wohnen. Sie ist bis heute noch nicht freigelassen worden.

Um das Risiko von Entführungen und Angriffen möglichst gering zu halten, müssen humanitäre Hilfskräfte eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen treffen. Ausländische Helferinnen und Helfer sind besonders gefährdet und können sich überhaupt nicht frei bewegen.

Mercy Gitau aus Kenia ist in Somalia für unsere Wasser-, Sanitär- und Hygieneprojekte zuständig. Sie ist in Garowe stationiert, besucht aber regelmäßig die anderen Büros im ganzen Land, um die Projekte an unseren verschiedenen Standorten zu betreuen. Sie ist seit 2005 für verschiedene Organisationen in Somalia tätig und hat viel Erfahrung damit, unter solch schwierigen Bedingungen zu arbeiten. Sie ist sich der Gefahren, die ihr Job mit sich bringt, schmerzlich bewusst.

„Ich bekomme täglich Sicherheitsupdates über neue Angriffe und Explosionen. Mir ist bewusst, dass ich immer zur falschen Zeit am falschen Ort sein kann. Aber ich tue, was ich kann, indem ich mich an die Sicherheitsregeln halte. Eine Freundin und Kollegin wurde vor ein paar Jahren hier in Somalia entführt. Sie wurde zwei Jahre lang gefangen gehalten, bevor man sie wieder freiließ. So etwas lässt einen natürlich nicht so schnell wieder los“, sagt sie.

Fakt: „Schwer zugängliche Gebiete“

„Schwer zugängliche Gebiete“ ist ein humanitärer Begriff, der für schwer erreichbare, unsichere und konfliktreiche Gebiete verwendet wird, was bedeutet, dass die dort lebenden Menschen nicht den Schutz und die Unterstützung erhalten, die sie brauchen.

Aufgrund der Risiken und der Instabilität werden diese Gebiete im Hinblick auf das humanitäre Völkerrecht und die humanitären Grundsätze oft vernachlässigt. Absichtliche und willkürliche Angriffe auf die Zivilbevölkerung sind häufig an der Tagesordnung und auch humanitäre Hilfskräfte, die die Menschen in Not zu erreichen versuchen, können zum Ziel solcher Angriffe werden. Dadurch ist es schwierig, die notwendige Unterstützung zu leisten, wenn Menschen sie am meisten brauchen.

Mercy Gitau is a Kenyan hydrogeologist who has worked with humanitarian organisations in Somalia since 2005. The security situation in the country requires that she plans her work and travel with extreme care, following strict security guidelines. Ongoing conflict in the country restricts her ability to move freely, making her work challenging and placing major limitations on her personal freedom. One experience made a particularly strong impression on her:

“A friend and colleague of mine was kidnapped here in Somalia a few years ago. She was held captive for two years before being released. Of course, this is something that really affects you”, she says.

Photo: Ingrid Prestetun/NRC
„Eine Freundin und Kollegin wurde vor ein paar Jahren hier in Somalia entführt. Sie wurde zwei Jahre lang gefangen gehalten, bevor man sie wieder freiließ.“
Mercy Gitau – verantwortlich für die Wasser-, Sanitär- und Hygieneprojekte von NRC Flüchtlingshilfe

Vorreiter in Sachen Sicherheit

NRC Flüchtlingshilfe ist in 15 der 24 am schwersten zugänglichen Länder der Welt tätig. Aus diesem Grund nehmen wir die Sicherheit und Schutz sehr ernst und stellen sicher, dass unsere Mitarbeitenden bestmöglich geschult und vorbereitet sind, um diese Schwierigkeiten zu bewältigen. Ein wichtiger Teil dieser Vorbereitung ist ein dreitägiger Sicherheitskurs, den wir sowohl für unsere als auch für die humanitären Hilfskräfte anderer Organisationen veranstalten.

Lesen Beschriftung In den von NRC Flüchtlingshilfe angebotenen sogenannten HEAT-Kursen (HEAT = Hostile Environment Awareness Training) lernen die Teilnehmenden, wie sie sich im Falle einer Entführung verhalten sollten.

Der Kurs lehrt, wie man das Risiko von gefährlichen Situationen minimiert und wie man sich verhalten sollte, wenn der schlimmste Fall eintritt. Wir bieten ein praktisches und realistisches Training, wie man reagiert, wenn auf einen geschossen wird und wie man sich im Falle einer Entführung verhält. Die Teilnehmenden lernen außerdem, wie sie Kolleginnen und Kollegen helfen können, die angegriffen werden, einschließlich Erster Hilfe.

Die Unterrichtenden haben direkte Erfahrung mit Entführungen und teilen wertvolle Erkenntnisse darüber, wie man in einer solchen Extremsituation überleben kann.

Mercy hat zuvor für mehrere andere Organisationen in Somalia gearbeitet, hat aber nie einen solchen Kurs angeboten bekommen, bis sie vor einem Jahr bei NRC Flüchtlingshilfe anfing.

Lesen Beschriftung Wir versuchen die Übungen im HEAT-Kurs so realistisch wie möglich zu gestalten, damit die Teilnehmenden erfahren, wie auf eine solche Stresssituation reagieren würden.

„Seit ich den Sicherheitskurs von NRC Flüchtlingshilfe absolviert habe, weiß ich sehr viel besser darüber Bescheid, wie ich mit einer potenziell gefährlichen Situation umgehen muss. Das gibt mir zusätzliche Sicherheit, was sehr wichtig ist, wenn man unter schwierigen Bedingungen arbeitet“, sagt sie.

Kein Job für jedermann

Die Sicherheitslage erfordert viele Einschränkungen, was die Bewegungsfreiheit betrifft, sowohl während als auch außerhalb der Arbeitszeit. Alltägliche Tätigkeiten, die für die meisten Menschen selbstverständlich sind, sind in der Regel unmöglich durchführbar, oder zumindest muss man ununterbrochen auf der Hut sein, für den Fall, dass etwas passiert. Das Leben als humanitäre Hilfskraft in einem Land wie Somalia ist kein Job für jedermann.

Lesen Beschriftung Kassim Mohamed Adam leitet die Hilfsmaßnahmen von NRC Flüchtlingshilfe in Baidoa. Er ist hier aufgewachsen. Er wurde selbst vertrieben und sein Vater lebt derzeit als Flüchtling in Äthiopien. Im Jahr 2019 machte er viele Überstunden, um sicherzustellen, dass die Hunderttausenden, die in der Stadt Zuflucht gesucht hatten, so viel Unterstützung wie möglich bekamen.

Mercy lebt in einer kleinen Wohnung über dem Büro von NRC Flüchtlingshilfe. Wenn sie nicht arbeitet, hält sie sich überwiegend hier auf. Alle Räumlichkeiten von NRC Flüchtlingshilfe haben einen Bombenschutzraum, in dem die Mitarbeitenden im Falle eines Bombenangriffs in Sicherheit sind. Der Raum ist mit ausreichend Lebensmitteln und Wasser ausgestattet, um überleben zu können, bis Hilfe eintrifft.

„Es ist ein sehr ungewöhnliches Leben, wenn man den größten Teil des Tages im Haus bleiben muss und nicht einfach spazieren gehen, Freunde besuchen oder in ein Restaurant gehen kann. Gleichzeitig ist mein Zimmer aber der Ort, wo ich mich entspannen und sicher fühlen kann. Ich habe hier auch Kontakt zu meiner Familie in Nairobi. Ich rufe fast jeden Nachmittag meinen Sohn über Skype oder übers Telefon an, wenn er aus der Schule kommt, um zu hören, wie es ihm geht“, sagt sie lächelnd.

Lesen Beschriftung Kinder, die in von bewaffneten Gruppen kontrollierten Gebieten aufgewachsen sind, haben häufig nicht die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. Viele Eltern fliehen in städtische Gebiete in der Hoffnung, dass ihre Kinder dort eine bessere Zukunft haben.

Sicherstellen, dass Hilfe kommt

Die meisten, die für NRC Flüchtlingshilfe in Somalia arbeiten, sind selbst Somalierinnen und Somalier. Auch wenn sie von direkten Angriffen weniger häufig betroffen sind als ausländische humanitäre Hilfskräfte, sind auch sie nicht sicher. Es besteht immer das Risiko von Straßenbomben, Explosionen oder die Gefahr, in einen Schusswechsel zu geraten. Dennoch gelingt es ihnen, ihre Arbeit zu verrichten, indem sie sich auf Sicherheit und gute Routinen konzentrieren.

Kassim Mohamed Adam leitet die Hilfsmaßnahmen von NRC Flüchtlingshilfe in Baidoa und stellt sicher, dass Tausende von Binnenvertriebenen Zugang zu sauberem Wasser, Geld für Lebensmittel, Unterkünfte und Bildung für ihre Kinder haben, sowie Unterstützung dabei, eine nachhaltige Einkommensquelle zu finden. Er ist in Baidoa aufgewachsen und sagt, dass in den letzten Jahren über 400.000 Vertriebene in die Stadt geflohen sind, was auf die Sicherheitslage ebenfalls Auswirkungen hatte.

„Als humanitärer Helfer bin ich besonders vorsichtig bei dem, was ich tue, sowohl bei der Arbeit als auch in meiner Freizeit. Ich versuche, so wenig Risiken wie möglich einzugehen und gehe selten nach Einbruch der Dunkelheit nach draußen“, sagt Kassim.

Allein im Jahr 2019 wurden 575.000 durch Konflikte, Dürren oder Überschwemmungen zur Flucht gezwungen.

Er erklärt, dass jede Somalierin und jeder Somalier im Land in irgendeiner Weise vom Konflikt betroffen ist. Er selbst musste als Kind während des Bürgerkriegs nach Mogadischu fliehen. Kassims Vater war Polizeibeamter in seiner Heimatstadt und wurden von den Kriegsparteien bedroht. Als einer seiner Kollegen getötet wurde, nahm er die Drohungen ernst und floh nach Äthiopien, wo er bis heute lebt.

NRC Flüchtlingshilfe bleibt so lange wie möglich

Mehrere Organisationen haben sich bereits aus Somalia zurückgezogen, entweder vorübergehend oder dauerhaft, weil sie die Entscheidung getroffen haben, dass es zu gefährlich ist, ihre Arbeit fortzusetzen. Wer darunter leidet, wenn keine humanitäre Hilfe mehr ankommt, ist die unschuldige Zivilbevölkerung, besonders die am meisten gefährdeten Gruppen. Aus diesem Grund tun wir bei NRC Flüchtlingshilfe alles, um hier bleiben zu können. Wir konzentrieren uns darauf, alles Nötige zu tun, damit wir unsere Arbeit fortsetzen können, ohne dabei unsere Mitarbeitenden einem unzumutbaren Risiko auszusetzen.

Oft müssen unsere Maßnahmen vor Ort in Zeiten hoher Gefahr eingeschränkt und es muss Personal evakuiert werden, aber wir tun alles Menschenmögliche, um die wichtigsten Tätigkeiten aufrechtzuerhalten. Wir versuchen alles, um den Einsatz bewaffneter Wachen zu umgehen, aber wenn es die einzige Möglichkeit ist, Hilfe zu leisten, müssen wir auch das in bestimmten Fällen in Kauf nehmen.

Sehr risikobehaftet ist auch der Transport von Personal und Hilfsgütern. Über die Straße ist dies oft nicht möglich. Wir sind daher stark auf den Einsatz von Flugzeugen angewiesen, was sowohl teuer ist als auch viel Planung erfordert.

Um in Ländern wie Somalia humanitäre Hilfe leisten zu können, sind wir von denen abhängig, die unsere Arbeit finanzieren, die unsere Schwierigkeiten begreifen und bereit sind, für die notwendige Sicherheit zu bezahlen, damit wir denen helfen können, die unsere Hilfe am dringendsten brauchen. Es ist eine große Herausforderung, für die humanitäre Arbeit in schwer zugänglichen Gebieten ausreichend Mittel zu bekommen.

Lesen Beschriftung In Baidoa besteht ein wachsender Bedarf an sauberem Wasser, da die Bevölkerung sich durch die vielen Vertriebenen, die hier Zuflucht suchen, mehr als verdoppelt hat. Viele der alten Wasserquellen sind nach der jahrelangen Dürre jedoch ausgetrocknet. NRC Flüchtlingshilfe hat Brunnen gebohrt, die sowohl die Bevölkerung vor Ort als auch die Neuankommenden mit Wasser versorgen.

Menschen in Not erreichen

Früher war über die Hälfte der somalischen Bevölkerung in der Lage, sich durch Landwirtschaft oder Ziegenhaltung selbst zu ernähren. Infolge der Dürre mussten sie in die Städte fliehen, wo sie leichter Zugang zu humanitärer Unterstützung haben. Nur wenigen gelingt es, Arbeit zu finden, und viele müssen schließlich in überfüllten Siedlungen für Binnenvertriebene leben oder sich in inoffiziellen Siedlungen einfache Behausungen bauen, wo sie der ständigen Gefahr ausgesetzt sind, herausgeworfen zu werden.

Die meisten würden gern in ihrem Heimatort bleiben, aber dies ist oft nicht möglich, da die humanitären Organisationen dort keinen Zugang haben. NRC Flüchtlingshilfe tut alles, um zu verhindern, dass die Menschen in die Städte gehen müssen, indem wir sie dort unterstützen, wo sie leben, wann immer es möglich ist.

In der Stadt Qardo in Puntland im Norden Somalias hat NRC Flüchtlingshilfe mehrere Brunnen gebohrt, die sowohl die Ortsansässigen als auch die Vertriebenen in den umliegenden Gebieten mit Wasser versorgen. Die Brunnen liefern Wasser für Mensch und Tier und erlauben es den Menschen, trotz der anhaltenden Dürre ihr Leben in der traditionellen Tierhaltung fortzusetzen.

Hali Said Jamal, eine 55-jährige Frau, hat ihre Ziegen zu einem der Brunnen gebracht, die NRC Flüchtlingshilfe gebohrt hat. Wie viele Menschen in Somalia treibt sie ihre Tiere über große Flächen, um Futter und Wasser zu finden.

„Bevor wir diesen Brunnen bekommen haben, mussten wir bis zu 15 Kilometer laufen, um Wasser für unsere Tiere zu finden. Die meisten unserer Tiere sind wegen der Dürre gestorben. Auch die Menschen hatten nicht genug zu trinken und mussten oft 24 Stunden ohne Wasser auskommen. Wir hatten es in den letzten Jahren sehr schwer, aber unser Leben ist sehr viel besser geworden, seit wir diesen Brunnen haben“, sagt Jamal.