Lesen Beschriftung Vor zwei Jahren floh Bembeleza nach Kitchanga, als in ihrem Heimatdorf Kämpfe ausbrachen. „Die Unterstützung von NRC Flüchtlingshilfe hat mein Leben verändert“, sagt sie. Foto: Ephrem Chiruza/NRC

Ein neuer Anfang

Ephrem Chiruza|Veröffentlicht 06. Jan 2020|Bearbeitet 16. Dez 2019
„Jetzt kann ich Lebensmittel, medizinische Versorgung und die Schulgebühren meiner Kinder bezahlen“, sagt Bembeleza. Sie gehört zu den 5.082 Menschen, die wir in Kitchanga, Demokratische Republik Kongo, durch unsere Bargeldhilfe unterstützen konnten.

Die 36-jährige Bembeleza ist siebenfache Mutter und verkauft Holzkohle in Kitchanga, einer kleinen Stadt in der kongolesischen Provinz Nord-Kivu. Seit über 20 Jahren leiden die Familien in der Provinz unter dem gewalttätigen interkommunalen Konflikt und den Kämpfen zwischen bewaffneten Gruppen. Vor zwei Jahren brachen in ihrem Heimatdorf Lufunda in der Region Masisi in Nord-Kivu Kämpfe aus und Bembeleza floh nach Kitchanga.

Im Jahr 2017 flohen über 181.000 Menschen aus ihrer Heimat rund um den Distrikt Kitchanga, so die Vereinten Nationen. Viele haben immer noch zu viel Angst, um auf ihre Felder und zu ihrem Besitz zurückzukehren. Infolgedessen haben sich die Lebensbedingungen rapide verschlechtert und Tausende Familien wurden in die Armut getrieben.

Vor dem Krieg

Die kleinen Dörfer rund um Kitchanga sind von wunderschönen Hügeln umgeben, wo die Menschen früher Landwirtschaft betrieben und Vieh züchteten. Jahrelang war die Region in Nord-Kivu als stabil und friedlich bekannt.

Vor dem Krieg hatte Bembeleza zwei Felder, die sie bewirtschaftete. Sie besaß acht Schweine und erntete pro Saison durchschnittlich 100 Kilo Bohnen. Als sie fliehen musste, war sie gezwungen, all ihren Besitz zurückzulassen, den sie sich so hart erarbeitet hatte. Bei den Kämpfen wurde ihr Haus von bewaffneten Gruppen geplündert und niedergebrannt.

“Es war nicht leicht“

„Als ich in Kitchanga ankam, war es sehr schwierig, etwas zu essen zu finden“, erzählt Bembeleza.

In vielen größeren und kleineren Städten in der Demokratischen Republik Kongo gibt es die wichtigsten Güter wie Lebensmittel und Haushaltsgegenstände zwar zu kaufen, jedoch nur zu hohen Preisen. Um sich das leisten zu können, musste Bembeleza schwere körperliche Arbeit annehmen: Sie bewirtschaftete das Land von Mitgliedern der Gastgebergemeinde für 1.500 Kongo-Francs, etwa 0,80 Euro, pro Tag.

Bembeleza hatte keine andere Wahl, wenn sie überleben wollte. Sie musste sich trotz aller Schwierigkeiten an diese Situation anpassen. Ihre Geschichte ist kein Einzelfall. Es gibt in Kitchanga Tausende, die Ähnliches zu berichten haben.

Lesen Beschriftung Mit den 90 Euro, die sie bekommen hat, konnte Bembeleza ein kleines Unternehmen gründen. Sie verkauft Holzkohle, die hauptsächlich zum Kochen verwendet wird, und verdient damit etwa 15.000 Kongo-Franc (8 Euro) in der Woche. Dadurch kann sie ihre monatliche Miete von 4,50 Euro sowie die Schulgebühren für ihre Kinder bezahlen. Foto: Ephrem Chiruza/NRC

Leben verändern

Seit Februar 2016 hat NRC Flüchtlingshilfe mithilfe der Finanzierung durch das Norwegische Außenministerium (NMFA) und die Schwedische Behörde für internationale Entwicklungszusammenarbeit (Sida) in Kitchanga ein urbanes Projekt entwickelt, um vertriebenen Menschen in Not zu helfen. Dank dieses Projekts konnten wir im Jahr 2017 insgesamt 5.082 Menschen durch zweckgebundene Bargeldhilfe unterstützen.

„Die Unterstützung von NRC Flüchtlingshilfe hat mein Leben verändert“, sagt Bembeleza.

Mit den 90 Euro, die sie bekommen hat, konnte Bembeleza ein kleines Unternehmen gründen. Sie verkauft Holzkohle, die hauptsächlich zum Kochen verwendet wird, und verdient damit etwa 15.000 Kongo-Franc (8 Euro) in der Woche. Dadurch kann sie ihre monatliche Miete von 4,50 Euro sowie die Schulgebühren für ihre Kinder bezahlen.

Keine Hoffnung auf Rückkehr

„Solange die Gefahr besteht, getötet zu werden, kann ich nicht nach Hause zurückkehren“, sagt sie.

Die Sicherheitslage in den Dörfern rund um Kitchanga ist nach wie vor schlecht und Bembeleza zögert zurückzukehren. Stattdessen plant sie nun, ein kleines Stück Land in Kitchanga zu kaufen, um darauf eine vorübergehende Unterkunft zu bauen.

Eine langfristige Lösung

Unser urbanes Projekt in Kitchanga wurde ins Leben gerufen, um praktische Ansätze für langfristige Probleme von Vertriebenen in den Städten zu bieten. Das Projekt in Kitchanga verbindet Ernährungssicherheit, Bildung und Information und Rechtsberatung auf Grundlage des Bedarfs der dort lebenden Vertriebenen. Diejenigen am stärksten gefährdeten und von der Krise betroffenen Menschen erhalten zusätzlich an bestimmte Bedingungen geknüpfte Bargeldhilfe.