Ricardo Lobo, CashCap expert in Beira, Mozambique, talking to Elisa Pedro Manuel Malaua, who have just received her vouchers at a WFP distribution, as a response to the Cyclone Idai crisis in March 2019. (Photo: NORCAP/Ida Sem Fossvik)
Lesen Beschriftung Vom Zyklon Idai in Mosambik betroffene Menschen erhielten im Mai 2019 im Rahmen der humanitäre Hilfe Gutscheine, um damit Lebensmittel und andere wichtige Dinge zu kaufen. Foto: NORCAP/Isa Sem Fossvik

CashCap: Globale Diskussionen mit bedürftigen Gemeinden verbinden

Anna Cahill|Veröffentlicht 16. Jan 2020|Bearbeitet 13. Jan 2020
Der Einsatz vom Bargeld und Gutscheinen in humanitären und entwicklungspolitischen Kontexten hat in den letzten fünf Jahren stetig zugenommen. CashCap unterstützt diesen Trend durch die Förderung von Bargeldhilfe, sowohl in globalen und regionalen Diskussionen als auch vor Ort. Drei CashCap-Expertinnen erklären, warum die Arbeit auf allen drei Ebenen so wichtig ist.

Bargeldhilfe wird heutzutage in humanitären Kontexten weltweit als effizientere, würdevollere Form der Hilfe angesehen. Wenn die Menschen Bargeld anstelle von abgepackten Lebensmitteln und Non-Food-Artikeln erhalten, können sie selbst entscheiden, wo für ihre Familie der dringendste Bedarf besteht.

Auf dem ersten Weltgipfel für humanitäre Hilfe, der 2016 stattfand, unterzeichnete die humanitäre Gemeinschaft den „Grand Bargain“, zu dem die Aufstockung der Mittel und deren weltweite Koordinierung gehören.

Diese globale Aufforderung führte im humanitären und entwicklungspolitischen Bereich zu einer erhöhten Konzentration auf Bargeldhilfe. Da Bargeld in vielen verschiedenen Kontexten zu unterschiedlichen Zwecken und in Kombination mit anderen Arten von Unterstützung eingesetzt werden kann, müssen die ausführenden Akteure nach dem „State of the World’s Cash Report“ einen harmonisierten und ganzheitlichen Ansatz verfolgen, der ihre Bargeldaktivitäten kommuniziert und koordiniert.

Da der Einsatz von Bargeld zunimmt, arbeitet das CashCap-Team an einem kohärenteren Ansatz, um den globalen Dialog und die globalen Verpflichtungen mit regionalen und länderbezogenen Initiativen und Diskussionen zu verbinden.

Einfluss auf globale Diskussionen

Im UNICEF-Hauptsitz in Genf berät die CashCap-Expertin Dana Cristescu bei der Implementierung von Bargeldhilfe, schult Cluster-Partner und erstellt die Evidenzbasis für Bargeldprogramme durch das Sammeln von Daten aus nationalen Projekten. Ihre Arbeit konzentriert sich auf drei humanitäre Cluster: Bildung, Ernährung und Wasser, Sanitäranlagen und Gesundheit.

UNICEF ist zwar führende Organisation in allen drei Bereichen, Cristescu arbeitet jedoch unabhängig von der UNICEF-Agenda.

Der Grund dafür ist, dass CashCap nur auf Anfragen mehrerer Organisationen reagiert, was es dem Team ermöglicht, sich gegenüber den Agenden einzelner Organisationen neutral zu verhalten und so eine breit angelegte humanitäre Hilfe zu unterstützen. Diese Unabhängigkeit bedeutet, dass eine Kombination aus hochrangigen Entscheidungsträgern, Koordinierungsstrukturen, Bargeld- und Marktarbeitsgruppen und technischen Projekten bedient wird.

Für Cristescu haben die Entwicklung von Schulungsmodulen, die Beratung humanitärer Akteure (UN, INGO und Geber) und die Unterstützung von Teams vor Ort zu branchenweiten Verbesserungen bei den Bargeldprogrammen geführt. Besonders bemerkenswert sind die Fortschritte bei der Reaktion auf das Bildungswesen, bei der Cristescu unter anderem die Berücksichtigung von Bargeldhilfe bei globalen und vor Ort tätigen Entscheidungsträgern gefördert hat.

„Zu Beginn meines Einsatzes im Januar 2018 war der Bildungssektor hinsichtlich des Bewusstseins und der Verwendung von Bargeld im Rückstand. Auf globaler Ebene besteht derzeit ein großes Interesse, und dank der laufenden und anstehenden Arbeiten findet langsam eine Angleichung statt“, sagt Cristescu.

Lesen Beschriftung CashCap-Expertin Dana Cristescu macht sich für die Erwägung von Bargeldhilfe bei Entscheidungsträgern auf der ganzen Welt und vor Ort stark. Foto: NORCAP/Oda Lykke Mortensen
Vouchers are distributed to people who have been previously identified as in need of assistance. The vouchers are valid for a month and the agencies distributing them have an agreement with local merchants where people can go to collect the household items they need, within the limited amount on the voucher. (Photo: NORCAP/Ida Sem Fossvik)
Lesen Beschriftung Während der Reaktion auf den Zyklon Idai in Mosambik im Mai 2019, erhielten die Betroffenen Gutscheine, um ihren Grundbedarf zu decken. Foto: NORCAP/Isa Sem Fossvik
Portrait of CashCap expert Fe Kagahastian (Photo: NORCAP/Oda Lykke Mortensen)
Lesen Beschriftung Durch ihren Einsatz hat CashCap-Expertin Fe Kagahastian ein breites Spektrum an humanitären Akteuren unterstützt, die an der Umsetzung der Bargeld- und Gutscheinhilfe in den drei regionalen Reaktionszentren der komplexen Syrienkrise beteiligt sind. Foto: NORCAP/Oda Lykke Mortensen

Unterstützung einer ganzheitlichen Reaktion

Organisationsübergreifend zu sein bedeutet, dass Fachleute, die strategisch über verschiedene Settings, Phasen und Stufen einer Krise verteilt sind, zusammenarbeiten können, um eine effizientere und ganzheitlichere Reaktion durchzuführen.

Auf die Frage nach einer Empfehlung für einen Workshop über die Berichterstattung über Bargeldhilfe vor Ort bot Cristescu Syrien als Fallstudie an. Zur Unterstützung wandte sie sich an ihre CashCap-Kollegin Fe Kagahastian, die als regionale Bargeld- und Marktexpertin für die gesamte syrische Region zuständig ist.

„Es war sehr nützlich, dass ich Fe so gut kannte, da sie so schnell antworten konnte. Außerdem besteht da ein gewisses Maß an Vertrauen zwischen uns, das es uns erleichtert, Feinheiten zu erklären und zu verstehen, was wir sagen können und was nicht. Manchmal sind die Themen, an denen wir arbeiten, sehr heikel – je besser wir also die Menschen, die daran arbeiten, kennen und ihnen vertrauen, desto besser“, sagt Cristescu.

Kagahastians Rolle unterstützt eine breite Palette von humanitären Akteuren, die an der Umsetzung von Hilfe in Form von Bargeld und Gutscheinen in den drei regionalen Reaktionszentren der komplexen Syrienkrise beteiligt sind: Nordost-, Nordwest- und Südzentral-Syrien. Dazu gehören Nichtregierungsorganisationen, Bargeld-Arbeitsgruppen, UN-Organisationen, humanitäre Geber, lokale Behörden und die betroffenen Gemeinden.

Als CashCap-Expertin hat sie die nötigen Freiheiten, um zu priorisieren, was die betroffenen Bevölkerungsgruppen gerade am dringendsten brauchen, wie etwa Ernährungssicherheit, Unterkünfte und Schutz, und andere Sektoren weiter voranzutreiben, sobald sich Möglichkeiten ergeben. Eine solche Gelegenheit tat sich auf, als Cristescu Anfang des Jahres Kagahastian als Co-Moderatorin in die jährliche Klausurtagung der Koordinatoren der Bildungscluster in Amman einbrachte, was Interaktionen zur Folge hatte, die zu Synergien innerhalb der Bildungsprogramme in der Region führten.

„Die Veranstaltung in Amman gab mir die Chance, die Cluster-Koordinatoren und Partner der verschiedenen Drehkreuze in Syrien persönlich in die Pflicht zu nehmen. Aufbauend auf meinem Treffen mit dem Koordinator des Bildungsclusters für das Drehkreuz Gaziantep, ist es mir auch gelungen“, sagt Kagahastian.

Das ist deshalb wichtig, weil Bargeldfachleute nicht zwangsläufig auch die Bildungsfachleute kennen und umgekehrt, und es kann zeitraubend sein, Verbindungen und Vertrauen aufzubauen. Weil Bargeld branchenübergreifend funktioniert, ist es entscheidend, dass Cristescu und Kagahastian auf die Verbindungen des jeweils anderen zurückgreifen können.

Vertrauen gewinnen durch Unabhängigkeit

Diese produktiven gemeinsamen Anstrengungen, die sich über Cluster und Reaktionsebenen erstrecken, sind Errungenschaften, die Kagahastian der einzigartigen Position von CashCap in der gesamten humanitären Landschaft zuschreibt.

„Die Unabhängigkeit, Unparteilichkeit und Neutralität, die mit CashCap verbunden wird, ist enorm“, sagt sie.

„Es ist einer dieser immateriellen Werte, die schwer zu messen sind, aber bekräftigt werden, wenn eine Expertin oder ein Experte in der Lage ist, ohne Politik mit den Sektorkoordinatoren zusammenzuarbeiten und Instrumente zu entwickeln, die der breiteren Praxisgemeinschaft zugutekommen. Ich wurde zur Brücke zwischen Gebern, UN-Organisationen und NGOs, als ehrliche Maklerin, die qualitativ hochwertige Bargeldprogramme ermöglicht, die letztendlich den Menschen in der Krise nützen, denen wir zu helfen versuchen“, sagt sie.

Der Erfolg der CashCap-Expertinnen und -Experten beim Aufbau von Beziehungen unter verschiedenen Partnern ist ebenfalls das Ergebnis ihrer hohen Kompetenz. Fachleute auf allen Ebenen der humanitären Hilfe, von globalen wie Cristescu über überregionale wie Kagahastian bis hin zu Mitarbeitenden vor Ort haben CashCap zu einem guten Ruf verholfen.

Koordinierung der Akteure vor Ort

Im Südsudan koordinierte und beriet die CashCap-Expertin Rabeea Ahmed die Durchführung der Bargeldhilfe, indem sie die Zusammenarbeit zwischen den durchführenden Organisationen und den Bargeld-Arbeitsgruppen auf nationaler Ebene verstärkte.

„Es dauerte eine Weile, bis die verschiedenen beteiligten Organisationen sich mit ihren Problemen und Unterstützungsanfragen an mich wandten. Keiner der Cluster-Leitenden hatte zuvor an den Meetings der Bargeld-Arbeitsgruppe teilgenommen, weil ein allgemeiner Pessimismus und ein Mangel an Eigenverantwortung gegenüber Bargeld herrschte. Manche Cluster waren ziemlich sarkastisch in Bezug auf den Einsatz von Bargeld in ihren jeweiligen Programmen“, sagt Ahmed.

Aus diesem Grund kamen weder die Bevölkerung noch die durchführenden Organisationen im Südsudan in den Genuss der im Great Bargain genannten Vorteile von Bargeldhilfe. Doch Ahmed gelang es, eine Veränderung zu erreichen.

„Während meines Einsatzes konnte ich Vertrauen und gute Beziehungen [mit einer Reihe von wichtigen Stakeholdern] aufbauen. Nun hat jeder Cluster einen cash focal point, der regelmäßig an den Meetings teilnimmt. Mit deren Teilnahme habe ich Sitzungen zum Kapazitätsaufbau abgehalten und Anleitungen für die Integration von Bargeld und Gutscheinen in die humanitären Reaktionspläne und -projekte gegeben. Ich habe mich auch für die Entwicklung einer Strategie für Bargeld-Arbeitsgruppen für den Südsudan eingesetzt, die jetzt von allen Clustern, Bargeld-Arbeitsgruppen-Mitgliedern und Gebern unterstützt wird“, sagt Ahmed.

Mithilfe dieser Maßnahmen können Bargeldprogramme nun vor Ort effektiver umgesetzt werden.

Lesen Beschriftung CashCap-Expertin Jimena Maria Peroni Galli spricht mit Händlerinnen auf einem Markt in einer Flüchtlingssiedlung in Uganda. Foto: Fernanda Baumhardt/NORCAP

Aufbau von Evidenz für kontextspezifische Hilfe

Diese Ergebnisse sind nicht nur eine Unterstützung für die Gemeinden im Südsudan, sondern tragen auch dazu bei, erfolgreiche Interventionen zu kennzeichnen, um regionale und globale Diskussionen über Bargeldhilfe zu informieren und zu leiten.

„Nach meiner Erfahrung sollte die Annäherung an Initiativen und Prioritäten immer ein wechselseitiges Gespräch sein. Neue Initiativen, die auf nationaler Ebene erprobt werden, können als Lerneffekte aufgegriffen werden und zu regionalen und globalen Gesprächen beitragen, wodurch ihre Ansätze und Strategien flexibler werden“, sagt Ahmed.

Dies wird auch von Cristescu bestätigt, die Erkenntnisse aus der nationalen Ebene nutzt, um ihre Leitlinien für globale Cluster zu ermitteln.

„Ich stehe vor allem mit der nationalen Ebene in Kontakt, weil die Programme in der Praxis oft in verschiedenen Ländern eingesetzt werden, aber das Wissen darüber nicht an andere Organisationen und andere Länder weitergegeben wird, die daran interessiert sind, mehr zu erfahren und diese Art von Programm möglicherweise selbst umzusetzen“, sagt Cristescu.

Ihre Rolle besteht daher darin, diese Ergebnisse auf die globale Ebene zu bringen und sie Entscheidungsträgern und Cluster-Leitenden zu präsentieren, die die Erkenntnisse zur Umsetzung in anderen nationalen Büros weitergeben können.

Laut CashCap-Projektmanagerin Manta Khanal Basnet ist dies genau die Art von Dynamik, die CashCap fördern möchte.

„Für CashCap ist es wichtig, auf allen drei Ebenen zu arbeiten, weil die Cluster sich in sehr unterschiedlichen Stadien befinden, was den Einsatz von Bargeldhilfe angeht. Durch die Unterstützung der globalen Ebene wird die Grundlage für die Verwendung von Bargeld geschaffen, und die Entscheidungen, die auf globaler Ebene geschaffen werden, werden dann von unseren Expertinnen und Experten auf regionaler und nationaler Ebene vorgebracht. Ihre Erfahrungen fließen dann zur Weiterentwicklung auf die globale Ebene zurückgeführt. Das sichert die Qualität auf den verschiedenen Ebenen und hilft, die verschiedenen Initiativen miteinander zu verbinden“, sagt sie.