Lesen Beschriftung „Perose war ein junges, schönes Mädchen in unserem Dorf. Und ich war ein junger, ehrgeiziger Mann“, sagt Bahekeye, als er sich an die alten Zeiten erinnert. „Ich war mehrmals bei ihr zu Hause und sie fiel mir auf. Jetzt ist sie alt, aber wenn ihr sie gesehen hättet, als sie 17 war, wüsstet ihr, was ich meine.“ Foto: Ingrid Prestetun/NRC

Bis dass der Tod uns scheidet

Nashon Todo|Veröffentlicht 08. Jan 2020|Bearbeitet 16. Dez 2019
"Wir haben einen großen Teil unseres Lebens auf der Flucht verbracht. Es ist sehr ermüdend. Alle unsere Kinder wurden in Flüchtlingslagern geboren“, sagt Bahekeye.

Bahekeye floh vor dem Konflikt in Burundi. Im Alter von 63 Jahren wünscht er sich nichts mehr, als einen Ort finden, an dem er mit seiner Familie den Rest seines Lebens in Frieden verbringen kann.

„Wir waren schon einmal Flüchtlinge. 1993 lebten wir in dem alten Flüchtlingslager in Mtabila in Tansania“, erzählt Bahekeye. Als sie 1995 in ihre Heimat zurückkehrten, war ihr Land wieder in Besitz genommen worden. „Es gab Konflikte im Zusammenhang mit Landbesitz. Aber die Hauptursache für die Unruhen war die politische Instabilität in Bezug auf die Präsidentschaftssituation.“

36.000 Unterkünfte benötigt

Der ruhig und leise sprechende Bahekeye lebt seit April 2016 mit seiner Frau Perose, 61, im Flüchtlingslager Mtendeli in Tansania. Seit ihrer Flucht aus Burundi sind bereits drei Jahre vergangen.

Die vielen Jahre des Zusammenlebens haben ihrer Beziehung Respekt, Vertrauen und Harmonie verliehen. Perose kümmert sich um den Haushalt, während Bahekeye dafür sorgt, dass die Hilfsorganisationen über ihren Bedarf Bescheid wissen. Sie sind fleißig, Bahekeye beklagt jedoch die mangelnde Freiheit, außerhalb des Lagers nach Arbeit suchen zu können.

NRC Flüchtlingshilfe hat mit Unterstützung des Norwegischen Außenministeriums das Haus gebaut, in dem sie in Mtendeli leben. Die Unterkünfte bestehen aus Lehmziegeln, hölzernen Stützen und Eisenblechen als Dach und Tür.

Unterkünfte sind das Hauptproblem der Menschen, die im Lager leben. Rund 36.000 neue Unterkünfte werden benötigt, die humanitäre Gemeinschaft hat jedoch nur die Mittel für 16.000. NRC Flüchtlingshilfe baut hier Unterkünfte und Grundschulen.

Wir können nicht zurück

„Wir brauchen Frieden und Harmonie um uns herum. Wir können nicht nach Burundi zurück, aber wir haben in Tansania kein Land, das wir bewirtschaften können“, sagt Bahekeye.

Ihr ältester Sohn Bucumi hat sich früher in Burundi um sie gekümmert. Leider wurde er das Ziel bewaffneter Gruppen, auch bekannt als „Imbonerakure“, was soviel bedeutet wie „Die, die weit sehen“. Sie beschuldigten ihn, die oppositionelle politische Partei zu unterstützen. Bucumi musste fliehen und sich verstecken und konnte seinen Eltern nicht weiter unter die Arme greifen.

Jahre im Versteck

Das Leben in Burundi war sehr schwierig. „Mein Mann musste sich über fünf Jahre lang vor den Milizen verstecken, die ihn jeden Tag verfolgten“, sagt Perose. Die bewaffneten Gruppen verdächtigten sowohl Bahekeye als auch ihren Sohn, die Oppositionspartei zu unterstützen, da beide nie an den von der Regierungspartei organisierten Treffen teilnahmen.

Eines Tages kam Bucumi zurück und erzählte seinem Vater, sie könnten vielleicht überleben, wenn sie nach Tansania flüchteten. Um nicht von den bewaffneten Gruppen gesehen zu werden, standen sie vor Tagesanbruch auf und gingen drei Stunden zu Fuß. Sie waren in einer elfköpfigen Gruppe unterwegs. Die nächtliche Reise war von Angst und Unsicherheit geprägt.

Irgendwann teilte sich die Gruppe, um weniger Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Die Gruppe, die von Bucumi geführt wurde, schaffte es nicht über die Grenze. Eine Gruppe von Sicherheitskräften stoppte sie und schickte sie nah Burundi zurück. Dies war das letzte Mal, dass Bahekeye und Perose ihren Sohn sahen.

Das Paar erreichte Tansania ohne ihn. Sie sind sich sicher, dass sie alles durchstehen werden, was ihnen bevorsteht.

„Um zu überleben, haben wir viele Opfer bringen müssen. Wir haben uns geschworen, zusammenzubleiben, bis dass der Tod uns scheidet“, sagt Bahekeye.