PRESSEINFORMATION: Flüge vom Flughafen Sana’a für medizinische Notfälle

Veröffentlicht 04. Feb 2020
Stellungnahme von Mohammed Abdi, Landesdirektor von NRC Flüchtlingshilfe Jemen, zu den Flügen vom Flughafen Sana’a für medizinische Notfälle

„Der heutige Schritt kommt für Tausende Jemenitinnen und Jemeniten, die sterben mussten, während sie darauf warteten, das Land verlassen zu dürfen, um sich um Ausland behandeln zu lassen, zu spät. Als die von Saudi-Arabien geführte Koalition vor über drei Jahren den Norden des Jemen durch die Schließung des Flughafens blockierte, war das ihr Todesurteil. Wir hoffen, dass diese Flüge für medizinische Notfälle anderen Menschen das Leben retten werden. Viele warten nach wie vor darauf, die medizinische Versorgung zu erhalten, die sie brauchen. Es ist in keiner Weise zu rechtfertigen, schwerkranke Zivilistinnen und Zivilisten dadurch zu bestrafen, dass man ihnen den Zugang zu medizinischer Versorgung verwehrt. Wir hoffen, dass die jüngste Zunahme der militärischen Eskalationen im Nordjemen diese Flüge nicht gefährdet, und dass dieser kleine, aber bedeutende Schritt dazu beiträgt, das Vertrauen zwischen den Konfliktparteien zu stärken. Sie müssen ihre politischen Auseinandersetzungen beilegen und den Flughafen Sana’a wieder uneingeschränkt für kommerzielle Flüge öffnen.

Die Schließung des Flughafens Sana’a ist ein Beispiel dafür, wie der Einsatz von Blockaden unzumutbares Leid für die Zivilbevölkerung verursacht. Dazu gehören Beschränkungen für Hilfsgüter, kommerzielle Importe von Lebensmitteln, Treibstoff und Medikamenten. 80 Prozent der Bevölkerung brauchen derzeit zum Überleben humanitäre Hilfe. Die Wirtschaft verschlechtert sich immer weiter und die Menschen erhalten kein Gehalt. Der Jemen braucht dringend Maßnahmen, um die Einfuhr von Lebensmitteln, Treibstoff und Medikamenten vom Hafen Hodeidah über das ganze Land zu verstärken und es müssen wieder Gehälter gezahlt werden. Andernfalls könnte die jemenitische Bevölkerung erneut der Gefahr einer Hungersnot ausgesetzt sein.“

Hinweise an die Redaktion

  • Nach Schätzungen des Gesundheitsministeriums in Sana’a sind mindestens 32.000 Jemenitinnen und Jemeniten gestorben, während sie auf eine spezialisierte Behandlung im Ausland warteten.
  • Die medizinischen Flüge werden 30 Patientinnen und Patienten, die unter chronischen Krankheiten leiden, die im Jemen nicht behandelt werden können, nach Kairo und Amman bringen.
  • Die Verhandlungen über diese Flüge haben zwei Jahre gedauert. Der heutige Flug wird 7 zu behandelnde Personen befördern. Danach werden weitere Flüge erwartet, welche die übrigen Patientinnen und Patienten zur Behandlung transportieren. Es besteht die Hoffnung, dass diese Flüge regelmäßige medizinische „Brückenflüge“ für kranke Personen ermöglichen werden.

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