Lesen Beschriftung Intisars zehnjähriger Sohn Mahmoud vor einer der Unterkünfte der inoffiziellen Siedlung.

Aus dem Zelt gespült

Racha El Daoi|Veröffentlicht 26. Feb 2020|Bearbeitet 17. Feb 2020
Vor Kurzem hat ein Wintersturm Intisar*, 36, und seine Familie dazu gezwungen, ihr Zelt zu evakuieren. Nun versucht ihr Ehemann, die Unterkunft mithilfe seiner beiden kleinen Söhne im Alter von erst 8 und 10 Jahren zu reparieren.

Durch die rauen Winterbedingungen im Libanon sind nun Tausende syrische Flüchtlinge, die in der Bergstadt Arsal leben, in Gefahr. Die libanesische Regierung lehnt die Einrichtung von offiziellen Flüchtlingslagern ab, weshalb viele Flüchtlingsfamilien in inoffiziellen Zeltsiedlungen leben.

Das ganze Zelt überschwemmt

Intisar und ihre Familie, die 2013 in den Libanon geflohen sind, leben in einer dieser Siedlungen. Ihre Unterkunft hat keine richtigen Wände als Schutz gegen das stürmische Winterwetter, wodurch das ganze Zelt überschwemmt wurde. Die Familie war gezwungen, das Zelt zu verlassen.

„Meine Familie und ich schlafen im Zelt eines Verwandten, bis der Boden wieder trocken ist“, erklärt Intisar. „Alle unsere Matratzen, Decken und Kissen sind klatschnass. Wir versuchen sie im Freien wieder trocken zu bekommen, aber die Sonne scheint kaum.“

„Ich mache mir ständig Sorgen über den Regen und den Wind. Gestern war der Wind so stark, dass das Zelt fast über uns zusammengebrochen wäre. Der Regen strömte von der Decke und durch die Fenster herein und das ganze Zelt wurde überschwemmt.“

"Der Regen strömte von der Decke und dem Fenster herein"
Lesen Beschriftung Intisar repariert den Schaden an ihrem Haus, der durch das stürmische Winterwetter verursacht wurde.

Kinder helfen bei Reparaturen

Die Familie hat Probleme, den Schaden zu reparieren. Die beiden Kinder müssen bei der Reparatur helfen, wenn die Familie schnell wieder einziehen will.

„Mein Mann versucht, unsere Unterkunft mit der Hilfe unserer 8 und 10 Jahre alten Söhne Mahmoud* und Adnan* zu reparieren. Sie entfernen Nägel, ersetzen das Holz und decken das Dach ab, damit kein Wasser mehr hereinkommt. Sie arbeiten wie Erwachsene“, erzählt Intisar traurig.

“My husband is trying to repair our shelter with the help of our 10 and 8-year-old sons, Mahmoud and Adnan. They are removing nails, replacing the timber and covering the roof so the tent doesn’t flood anymore. They work as if they were adults,” says Intisar, a 36-year-old Syrian refugee in Arsal.

As harsh weather conditions sweep across Lebanon, thousands of Syrian refugees have been left vulnerable in the hill town of Arsal. The Lebanese government opposes the creation of formal refugee camps, so many refugee families have resorted to living in informal tented settlements.

Photo: Racha el Daoi/NRC
Lesen Beschriftung Der zehnjährige Mahmoud hilft bei der Reparatur der Schäden innerhalb des Hauses.

Kämpfen, um über die Runden zu kommen

Über ein Viertel der Bevölkerung des Libanon sind Geflüchtete. Infrastruktur und Versorgungsleistungen des Landes sind dadurch stark überlastet. Flüchtlinge dürfen offiziell nicht arbeiten und kämpfen daher ständig darum, ihren Grundbedarf zu decken. 73 Prozent der syrischen Flüchtlingsfamilien leben unterhalb der nationalen Armutsgrenze.

Seit ihrer Flucht aus Syrien ist Intisars Familie von ihrem ältesten Sohn Majd anhängig, um über die Runden zu kommen. Majd ist 18 und arbeitet, seit er 14 Jahre alt ist. Er ist oft lange von seiner Familie getrennt, um Fahrtkosten zu sparen.

„Majd bricht mir das Herz“, sagt Intisar unter Tränen. „Seine Kindheit wurde ihm genommen und er musste die Schule abbrechen, um uns zu versorgen. Kein Kind sollte die Verantwortung für seine Familie tragen müssen.“

Sorgen um die Gesundheit

Das Leben in inoffiziellen Siedlungen, insbesondere im Winter, kann für die Gesundheit von Geflüchteten schwere Folgen haben. Intisars Familie ist leider keine Ausnahme.

„So ein Leben ist sehr anstrengend. Ich mache mir ständig Sorgen um meine Familie und die Gesundheit meiner Kinder. Besonders schwierig wird es, wenn ein Kind krank wird und man es nicht zum Arzt bringen kann. Mein Sohn und meine Tochter brauchen beide Medikamente, die wir uns nicht leisten können“, sagt Intisar.

Lesen Beschriftung Die inoffizielle Siedlung in der Stadt Arsal, in der die Familie derzeit lebt.

Die Flüchtlingsfamilien, die hier in Arsal leben, sind mit den fallenden Temperaturen zunehmend in Gefahr. Das Nothilfeteam von NRC Flüchtlingshilfe ist mit Unterstützung durch die Generaldirektion Humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz der Europäischen Kommission (ECHO) vor Ort, um den Schaden zu begutachten und wichtige Gegenstände wie Holz, Plastikplanen, Matratzen, Decken und Hygieneartikel an Familien in Not zu verteilen.

Lesen Sie mehr über unsere Arbeit im Libanon.

*Namen aus Sicherheitsgründen geändert.