Lesen Beschriftung Die fünfjährige Zahar musste mit ihrer Familie fliehen, als in ihrem Heimatdorf im West-Jemen Kämpfe ausbrachen. Durch diese Erfahrung leidet sie und hat jedes Mal Angst, wenn sie Luftangriffe und Bomben hört. Foto: Mohammed Awadh/NRC

Warum Bildung für vertriebene Kinder Nothilfe ist

Richard Skretteberg|Veröffentlicht 09. Sep 2019|Bearbeitet 04. Sep 2019
63 Millionen Kinder in Konfliktgebieten können nicht zur Schule gehen. Das ist Verrat, sowohl an den Kindern als auch an der Zukunft ihrer Gemeinden. Wir nennen Gründe, warum Bildung für Kinder in chaotischen Kriegs- und Konfliktgebieten so wichtig ist.

Krieg verletzt die Rechte aller Kinder – ihr Recht auf Leben, ihr Recht, bei ihrer Familie zu sein, ihr Recht auf Gesundheit, ihr Recht auf persönliche Entwicklung und ihr Recht auf Schutz. Vertriebene Kinder sind eine äußerst gefährdete Gruppe, weshalb Bildung in Krisensituationen denselben Stellenwert haben sollte wie Nahrung, Unterkunft und medizinische Versorgung.

Warum ist Bildung der Schlüssel zu einer besseren Zukunft für vertriebene Kinder?

Bildung bringt nach einer anstrengenden und leidvollen Flucht ein Stück Normalität in den Alltag zurück

Wenn sie aus ihrer Heimat fliehen und in einem Flüchtlingslager ankommen, finden Kinder sich in einer chaotischen Situation wieder. Die Sicherheit des normalen Alltags ist dahin. Viele leiden unter Ängsten, Trauer und Schuldgefühlen, und haben vielleicht Schlafprobleme oder psychosomatische Störungen. Solche Störungen können ein Leben lang anhalten, wenn sie nicht behandelt werden und wenn der Alltag nicht wieder in geregelten Bahnen verläuft. Für Flüchtlingskinder kann Bildung diese Funktion erfüllen. Schulen bieten Wissen, aber auch Schutz.

Kinder begegnen Erwachsenen, denen sie vertrauen können

Viele Kinder haben einen oder beide Elternteile verloren. Sie haben erlebt, wie Erwachsene in Untätigkeit erstarren und nicht mehr fähig sind, ihre Familien zu beschützen. Darum brauchen Kinder Bezugspersonen und Lehrkräfte, die über die Bücher hinausschauen und sehen, was sie wirklich brauchen. Auf diese Weise können Vertrauen und Hoffnung wiederhergestellt werden.

Schule ist auch für Erwachsene wichtig. Viele Geflüchtete haben das Gefühl, dass ihr Leben in einer Flüchtlingsgemeinde erst durch das Errichten einer Schule wieder eine gewisse Normalität erreicht.

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Lesen Beschriftung Lamia, 11, und ihr Bruder Mukhtar, 12, mussten mit ihrer Familie aus dem West-Jemen fliehen. Lamia möchte später einmal Ärztin und Mukhtar möchte Lehrer werden. Die beiden vermissen ihre Freunde und wollen wieder zur Schule gehen. Foto: Mohammed Awadh/NRC

Schule kann Kinder davor bewahren, als Soldaten oder von kriminellen Gruppen rekrutiert zu werden

Vielerorts ist es entscheidend, Kinder zur Schule zu schicken, um sie vor der Rekrutierung durch bewaffnete Gruppen, Prostitution, Drogenabhängigkeit und Verbrechen zu schützen. Ohne Schule könnten noch viel mehr Kinder als Soldaten, Boten oder Sexsklaven in bewaffnete Gruppe rekrutiert werden. Kinder, die keine Erdung und keinen Halt im Leben haben, schließen sich solchen Gruppen manchmal an, um sich zugehörig zu fühlen.

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Schulbildung hilft Kindern, fundierte Entscheidungen über ihr Leben zu treffen

Schulbildung kann Kinderarbeit und sexuelle Ausbeutung verhindern. Dies ist vielerorts besonders für Mädchen wichtig – sowohl um ungewollte Schwangerschaften zu verhindern als auch die Anzahl an Kinderbräuten zu reduzieren. Wo Kinder zuvor ein Leben voller Angst, Missbrauch und Erniedrigung hinnehmen mussten, gibt ihnen die Schule Sicherheit und ein Gefühl des Vertrauens, das sie verdienen. Schule weckt in ihnen das Verlangen zu lernen – über sich selbst, die Gesellschaft, in der sie leben, und die Welt um sie herum.

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Schulbildung ist ein entscheidender Schritt beim Wiederaufbau eines von Krieg und Gewalt geschädigten Landes

Wissen ist der Schlüssel zur Einung jeder Gesellschaft. In einem kriegszerrissenen Land, das wiederaufgebaut werden muss, ist es von entscheidender Bedeutung, Fachleute vor Ort zu haben. Die Schule ist zudem ein Ort, an den verschiedene ethnische Gruppen zusammenkommen. Das kann für eine Gemeinde, die nach einem langjährigen Konflikt auf Versöhnung und dauerhaften Frieden hinarbeitet, von großem Wert sein.

NRC war eine der ersten Hilfsorganisationen, die Bildung als zentralen Bestandteil der Nothilfe eingeführt hat. Im Jahr 2018 unterstützten wir durch unsere Bildungsprogramme. Über eine Million Menschen.

Das Recht auf Bildung ist sowohl in der UN-Kinderrechtskonvention als auch in der Flüchtlingskonvention verankert.

Helfen Sie uns Kindern weltweit den Zugang zu Bildung zu erleichtern