Razia (12) was born in Iran, but her family is from Bamyan province in Afghanistan and they have now returned to the country and she is studying at Gabreal girls high school. At the photo she recieves a backpack with school material and hygiene kit from NRC with support from ECHO.  

Quotes: It is better to be in my country. I have a good feeling about it. I’m with my own people and I feel good. 
I like this school here and I study hard here. I’m becoming a person here in my country and I want to serve my country. 
If the insecurity decrease in the country, we can have more girls in school In some families, their fathers say boys can go to school, but girls cannot. And I think that is a bad ideology and should be stopped. 

Why do girls need to study?
Some professions are specifically for girls. We need for example female doctors and engineers. 

What will you ask for, for your country?
Peace.

War brings terror. That is what we are afraid of. 

Some parts of Herat are safe and some are not. In one area there are still some mines and one mine exploded and a boy lost his leg. 
Photo: NRC/Tiril Skarstein
Lesen Beschriftung Razia, 12, wurde als Tochter afghanischer Eltern im Iran geboren. Jetzt ist sie mit ihrer Familie in die Provinz Bamyan in Afghanistan zurückgekehrt. An ihrem ersten Schultag versorgte NRC sie mit einer neuen Schultasche, Büchern und Schreibmaterial. „Viele Kinder haben Angst, zur Schule zu gehen. Manche Väter sagen auch, dass Mädchen lieber zu Hause bleiben sollten. Das ist ungerecht – wir haben genauso das Recht auf Bildung“, sagt sie. Foto: Tiril Skarstein/NRC

“Wir lassen die Mädchen im Stich”

Text: Roald Høvring, Fotos: Enayatullah Azad|Veröffentlicht 07. Okt 2019|Bearbeitet 30. Sep 2019
Über drei Millionen afghanische Kinder werden in diesem Herbst nicht mit der Schule beginnen. Die meisten davon sind Mädchen.

Kinder sind der Schlüssel zur Zukunft Afghanistans, jedoch sind sie zunehmend Opfer des Konflikts. Trotz großer Fortschritte beim Wiederaufbau des öffentlichen Bildungssystems während der letzten 20 Jahre – besonders für Mädchen – steigt die Zahl der Kinder, die die Schule abbrechen, zum ersten Mal seit 2002 wieder an. Schätzungsweise 3,7 Millionen Jungen und Mädchen – fast die Hälfte aller Kinder im schulpflichtigen Alter – gehen nicht mehr zur Schule. 60 Prozent davon sind Mädchen.

Gebrochene Versprechen

Viele Eltern schicken ihre Töchter nicht zur Schule. Die Präsenz von Sicherheitskräften, mögliche Angriffe, der Mangel an weiblichen Lehrkräften sowie nicht vorhandene Toiletten für Mädchen schrecken sie ab.

„Die Bildung der Mädchen wurde als eine der wenigen Erfolgsgeschichten der internationalen Unterstützung für Afghanistan gefeiert, und es wurden auch tatsächlich Fortschritte erzielt. Aber nun steigt die Zahl der Mädchen, die nicht zur Schule gehen, wieder an – nicht aufgrund von Unsicherheit, sondern weil die finanziellen Mittel zur Neige gehen. Dieses Jahr mussten wir mehrere Schulprojekte für vertriebene Kinder aufgeben, weil wir sie nicht weiter finanzieren konnten. Für mich ist das eins der niederschmetterndsten Beispiele dafür, wie die internationale Gemeinschaft ihr Versprechen bricht, das sie den afghanischen Mädchen gegeben hat“, sagt Anthony Neal, Advocacy Manager für NRC in Afghanistan.

Once, hundreds of girls and boys were attending in Onas Sarshakhli Primary School in Trinkot and still there are some around 300 girls and boys gathering in the coordidor of the school to get education. The Sarshakhli village was collapsed to the Taliban and they used this school as their base to fight against the Afghan military forces. Now, they have been pushed back but the school still remain the same. Thousands of girls and boys would have studied here if there was enough funding for rebuilding this school. Photo: NRC/Enayatullah Azad
Lesen Beschriftung IN TRÜMMERN. Die Onas Sarshakhli-Grundschule außerhalb der Provinzhauptstadt Tirin Kot im Süden Afghanistans liegt buchstäblich in Trümmern. Jetzt haben sich die Frontlinien verschoben und die Taliban sind weg, aber die Schule bleibt so, wie sie sie zurückgelassen haben – in Trümmern. Dennoch versammeln sich rund 300 Mädchen und Jungen in den Fluren, um zu lernen.

Alarmierende Lage

„Humanitäre Organisationen wie NRC setzen sich dafür ein, Schulen zu bauen und zu reparieren, Lehrkräfte auszubilden und Material bereitzustellen, damit Kinder eine Schulbildung erhalten. Aber es ist einfach nicht genug Geld da. Nur ein sehr kleiner Anteil der humanitären Hilfe fließt in die Bildung in Krisengebieten“, so Neal.

In diesem Jahr konnte NRC bisher 40 Prozent der Arbeit finanzieren, die nötig ist, um Kindern in Afghanistan eine Ausbildung zu sichern.

„Das ist bei Weitem nicht genug, um alle kritischen schwer erreichbaren Regionen abzudecken. Für den Distrikt Chora in Uruzgan haben wir gar nichts“, sagt Neal.

Er fährt fort: „Die Lage ist verzweifelt. Wenn es um die Finanzierung psychosozialer Unterstützung für vom Konflikt vertriebene Jungen und Mädchen geht, sieht es sogar noch finsterer aus. Wir haben nur 20 Prozent der Mittel, die wir für diese wichtige Arbeit brauchen. In der Provinz Uruzgan ist NRC die einzige internationale Organisation, die Mittel und Unterstützung für die Bildung bereitstellt.“

View of Shamali Sola primary school that was occupied by militans than by the Afghan forces and completely destroyed. This was the school in Nachin village and as the school is closed, hundreds of girls and boys are deprived from education. 

There is too much need for education funding but resources are very much limited in Uruzgan province, there are very few local NGOs who are working in Uruzgan province with very less sources and funding to support building schools. NRC is the only international actor on the ground providing support and assistance protecting education. 

“We are expecting more funds for Uruzgan province to be able support and reopen schools like this. There are tens of this school and a little funding can change the life of thousands of girls and boys forever,” Said Turyalay Saheem, NRC’s education coordinator. Photo: NRC/Enayatullah Azad
Lesen Beschriftung NACHIN. Die Shamali Sola-Grundschule, die zuerst von militanten Gruppen, dann von afghanischen Streitkräften besetzt wurde, ist vollkommen zerstört. Nun ist die Schule geschlossen und Hunderte Mädchen und Jungen werden ihrer Schulbildung beraubt.

Schulen werden von militanten Gruppen übernommen

Wenn die Sicherheit von Kindern in der Schule oder auf dem Schulweg gefährdet ist, sind es die Mädchen, die zuerst darunter leiden. Schulen, Lehrkräfte und Kinder sind zunehmend Ziel von Angriffen und Drohungen. Im Jahr 2018 wurden schätzungsweise 700 Schulen zerstört, beschädigt, von bewaffneten Gruppen oder afghanischen und internationalen Streitkräften besetzt oder aufgrund des Konflikts geschlossen – wodurch über 325.000 Kinder nicht mehr zur Schule gehen konnten.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Schulen als Checkpoints und vorgeschobene Einsatzbasis für bewaffnete Streitkräfte genutzt werden.
Anthony Neal, NRC-Advocacy Manager in Afghanistan

Laut einem 2018 von NRC veröffentlichten Bericht fühlen sich über die Hälfte aller Kinder in der Schule nicht sicher. Zwölf Prozent der Kinder haben Angriffe auf ihre Schule erlebt und viele haben aufgrund von Angriffen oder Drohungen von bewaffneten Gruppen Prüfungen oder die Schule zeitweise versäumt.

Angriffe auf Mädchenschulen

Global gesehen nehmen die Angriffe auf Schülerinnen zu, während die Bildung von Mädchen vielerorts zu einem der wichtigsten politischen Streitthemen geworden ist.

Die internationale Dachorganisation GCPEA (Global Coalition to Protect Education from Attack) dokumentierte in ihrem Bericht Education under attack 2018 („Bildung unter Beschuss 2018“) eine zunehmende Anzahl von Angriffen auf Mädchenschulen, Mädchen und weibliche Lehrkräfte. Auch Entführungen nehmen demnach zu.

Der Bericht zeigt, dass seit 2013 Mädchen und weibliche Lehrkräfte in mindestens 16 Ländern, einschließlich Afghanistan, Ziel von direkten Angriffen waren.

Mädchen und weibliche Lehrkräfte wurden gezielt angegriffen. Extremistische Gruppen haben Mädchenschulen bombardiert oder in Brand gesetzt und Mädchen und Lehrerinnen bedroht, verletzt oder getötet. In Afghanistan beispielsweise richtete sich jeder vierte gemeldete Angriff auf eine Schule gegen eine Mädchenschule.

Once, hundreds of girls and boys were attending in Onas Sarshakhli Primary School in Trinkot and still there are some around 300 girls and boys gathering in the coordidor of the school to get education. The Sarshakhli village was collapsed to the Taliban and they used this school as their base to fight against the Afghan military forces. Now, they have been pushed back but the school still remain the same. Thousands of girls and boys would have studied here if there was enough funding for rebuilding this school. Photo: NRC/Enayatullah Azad
Lesen Beschriftung ZWEI SCHICHTEN. Reparaturarbeiten und Unterricht finden in dieser Schule in Charamgar parallel statt. Derzeit unterrichten etwa 15 Lehrkräfte um die 600 Kinder in zwei Schichten.

Zugang, aber keine finanziellen Mittel

Die Provinz Uruzgan im Süden Afghanistans ist eine der Regionen, die von den Konfliktparteien heftig umkämpft wird.

„Um hier im Distrikt Chora arbeiten zu dürfen, mussten wir mit beiden Parteien verhandeln. Nun trauen und akzeptieren sie uns und es ist uns gelungen, humanitären Zugang zu einem Gebiet zu bekommen, in das humanitäre Hilfskräfte zuvor kaum vordringen konnten. Das macht es umso enttäuschender, wenn keine Bereitschaft oder Kapazität vorhanden ist, um unsere Bemühungen zu finanzieren“, sagt Anthony Neal.

In Charamgar, rund 5 Kilometer nördlich von Tirin Kot, wurde die weiterführende Schule zwischen 2015 und 2016 von den Taliban sechs Monate lang besetzt und als Checkpoint benutzt. Die Schule war ein ganzes Schuljahr lang geschlossen. Als die Taliban schließlich zurückgedrängt waren, waren von der Schule kaum mehr als die Grundmauern übrig. Das gesamte Dach, sämtliche Fenster und Türen waren entweder zerstört oder gestohlen worden.

Students are attending the mid-year exams in Charmgar secondary school in Trin Not, Uruzgan. The school was cleared from the Taliban and NRC is rebuilding it. Photo: NRC/Enayatullah Azad
Lesen Beschriftung SICHERERE SCHULE. Die Reparaturarbeiten an der Schule in Charamgar sind noch nicht abgeschlossen und die Kinder und Lehrkräfte müssen improvisieren, um das Beste aus der schwierigen Situation zu machen.

Schulen werden wieder geöffnet

NRC führte einige Reparaturarbeiten an dieser und drei weiteren Schulen in der Region durch. Wir sorgten unter anderem für ein neues Dach, neue Fenster und Türen sowie Tore und Mauern um die Schule herum. Außerdem hat NRC in jeder Schule einen Schutzausschuss eingerichtet.

Nida Mohammad, Schulleiter der Schule in Charamgar, erklärt, wie wichtig insbesondere die neuen Mauern sind:

„Wir fühlen uns mit den Mauern und Toren sehr viel sicherer. Jetzt haben wir einen größeren Schulhof, auf dem die Kinder spielen und sich sicher fühlen können. Die hohen und stabilen Mauern bieten auch Schutz gegen Angriffe und Geschosse.“

Was wir tun, um Mädchen zu schützen:

Unser Ziel ist es, dass ebenso viele Mädchen wie Jungen eine Schulbildung erhalten. In Afghanistan versuchen wir die Hindernisse für den Schulbesuch von Mädchen abzubauen, indem wir

  • weibliche Lehrkräfte ausbilden
  • Toiletten für Mädchen einrichten
  • die Schule durch Mauern und Tore zu einer sicheren und positiven Umgebung machen
  • uns dafür einsetzen, dass bewaffnete Gruppen ihre Kontrollposten und Militäreinrichtungen in der Nähe von Schulen abziehen
  • eng mit den Eltern, Schulen und Gemeinden vor Ort zusammenarbeiten, um ein sicheres Umfeld sowohl für Jungen als auch für Mädchen zu schaffen, damit mehr Kinder die Chance haben, eine Ausbildung zu erhalten.
So vielen Menschen haben wir 2018 in Afghanistan geholfen:

 

  • 80,541 durch unser Bildungsprogramm

 

  • 131,414 durch unser Ernährungssicherheitsprogramm

 

  • 35,392 durch unser Unterkunftsprogramm

 

  • 99,461 durch unser Camp-Management-Programm

 

  • 110,287 durch unser Informations- und Rechtsberatungsprogramm

 

  • 28,648 durch unser Programm für Wasser und sanitäre Einrichtungen
Mit Ihrer Hilfe können wir mehr Mädchen wie Razia Unterstützung bieten.