Lesen Beschriftung NORCAP-Experte Collison Lore Winga spricht mit einem Maisbauern, der auch Mitglied einer Bienenzüchtergruppe in Bura, Taita Taveta, ist. Sie erörtern die geeignetsten Kanäle für Kommunikation und Feedback sowohl für Einzelpersonen als auch für Gruppen. Foto: Collison Lore Winga/NRC

Wie lokale Radiosender die Anpassung an den Klimawandel fördern

Anna Cahill|Veröffentlicht 07. Nov 2019|Bearbeitet 21. Okt 2019
Am Horn von Afrika liefern die lokalen Radiosender Informationen über Unterhaltung, Sport und Gesundheit – warum also nicht auch Wetter und Klima?

Die Region am Horn von Afrika im östlichsten Winkel des afrikanischen Kontinents umfasst Dschibuti, Eritrea, Äthiopien, Somalia, Kenia, Uganda, den Sudan und den Südsudan. In dieser Region ist eine effektive Kommunikation von Wetter- und Klimainformationen eine Frage von Leben und Tod.

„Der Zugang zu Wetter- und Klimadaten ist am Horn von Afrika lebenswichtig, da es sich um eine Region handelt, die besonders anfällig für klimatische Veränderungen ist. Wenn Familien Zugang zu Klimadaten und Wettervorhersagen haben, hat das direkte Auswirkungen auf ihre Fähigkeit, sich zu ernähren, ein Einkommen zu erzielen und sich vor Naturkatastrophen zu schützen“, sagt Mona Weydahl, NORCAP-Projektmanagerin für Klima und Resilienz.

Damit Klimadaten und Vorhersagen für die Öffentlichkeit nutzbar sind, müssen sie jedoch in verständlicher Weise kommuniziert werden. Genau das ist die Aufgabe von User-Engagement-Spezialist Collison Lore Winga.

Die Probleme mit dem Status Quo

Winga zufolge besteht eine große Diskrepanz zwischen den meteorologischen Instituten und den Gemeinden, wenn es darum geht, Wetter- und Klimadaten zu kommunizieren. Derzeit bewegen sich diese Informationen von oben nach unten, von den meteorologischen Instituten bis zur Öffentlichkeit über Kanäle wie E-Mail und WhatsApp.

Für die Empfänger sind diese Nachrichten jedoch nicht immer von Nutzen: Entweder sind sie zu technisch formuliert oder nicht in der richtigen Sprache verfasst. Da das Horn von Afrika eine multiethnische Region ist, in der viele lokale Sprachen gesprochen werden, ist die Massenkommunikation von Wetter- und Klimadaten schwierig.

Ein weiteres Problem bei dieser Art der Information ist, dass sie nur sehr wenig Raum für Feedback lässt.

Lesen Beschriftung Eine Fokusgruppen-Diskussion in Ghazi, Taita Taveta, darüber, wie Feedback zu den Klimainformationen in der Region umgesetzt werden kann. Foto: Collison Lore Winga/NRC

Eine benutzerfreundliche Plattform

Winga ist im IGAD Climate Prediction and Applications Centre (ICPAC) in Nairobi tätig. Als Mitglied der Kommunikationsabteilung entwirft er Ansätze, die die Nutzerbeteiligung bei der Verbreitung von Wetter- und Klimadaten fördern, häufig in Zusammenarbeit mit Gemeinden, Wetterdiensten, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Regierungen, dem Privatsektor und den Medien.

Um die Probleme mit dem derzeitigen Wetter- und Klima-Kommunikationssystem anzugehen, arbeitete Winga Anfang des Sommers mit einem Team von Fachleuten zusammen, um Wege zu erschließen, wie die bestehende Kommunikation und die Feedback-Kanäle gestärkt werden können, und um neue Strategien vorzuschlagen.

„Unser oberstes Ziel war es, sicherzustellen, dass alle Nutzer in praktischer und nutzerfreundlicher Weise kommunizieren und Feedback geben konnten“, sagt Winga.

Die Studie, eine Bewertung im Rahmen des von ICPAC durchgeführten Projekts Agricultural Climate Resilience Enhancement Initiative (ACREI) konzentrierte sich auf Äthiopien, Kenia und Uganda. Im Rahmen dieses Gutachtens wurden die bestehenden Kommunikations- und Feedback-Mechanismen geprüft und auf Grundlage von Fokusgruppeninterviews mit Interessengruppen bewertet. Die Ergebnisse bestätigten, dass die verlässlichste Quelle für Wetter- und Klimainformationen in allen drei Ländern das Radio ist.

Für Winga war dies keine Überraschung.

„Radios sind am Horn von Afrika weit verbreitet. Die meisten Haushalte haben ein Radio und nutzen es sowohl für Nachrichten als auch zur Unterhaltung. Selbst in Ländern wie dem Südsudan haben UN-Behörden und NGOs solarbetriebene Radios zur Verfügung gestellt, damit die Gemeinden auf dem Laufenden bleiben“, sagt er.

Standortspezifisches Programm

Neben ihrer großen Hörerschaft macht die Lokalisierung der Radiosender sie zu einem idealen Kanal für die Kommunikation von Wetter- und Klimainformationen.

„Das Radio liefert am Horn von Afrika standortspezifische Informationen, wodurch es zweckdienlich und aktuell wird. Die Radiosender verwenden außerdem lokale Dialekte, was ihre Glaubhaftigkeit unterstützt und eine entscheidende Rolle bei der Übermittlung von Wetterprognosen an gefährdete und entlegene Gemeinden spielt, indem sie sie bei wichtigen saisonalen Entscheidungen unterstützen“, sagt Winga.

Diese lokal begrenzten und häufig unterhaltsamen Informationen schaffen darüber hinaus einen Eindruck von Bürgerradio, wovon Wetter- und Klima-Kommunikatoren profitieren können.

„Es wird davon ausgegangen, dass Wetter und Klima wesentliche Bestandteile des Alltags sind, was sich im Radioprogramm widerspiegeln kann. Radiosendungen über Landwirtschaft, Gesundheit, Ernährung und Sport können zum Beispiel mit aktuellen Wetter- und Klimainformationen ergänzt werden“, erklärt Winga.

Die Medien an Bord holen

Wetter- und Klimainformationen ins Radioprogramm zu integrieren ist ein erster Schritt, die Arbeit ist damit aber noch nicht getan.

Laut Winga sah der Ansatz der Wetterdienste am Horn von Afrika bisher so aus, dass die saisonale Prognose per E-Mail an die Medien gesendet wurde – in der Erwartung, dass sie deren Inhalt und Terminologie verstehen und die Informationen in einer Weise weiterverbreiten würden, die von der Öffentlichkeit verstanden wird. Das war bisher nicht der Fall. Ohne neuen Ansatz wird das Radio dasselbe Schicksal erleiden wie die Nachrichten per E-Mail oder WhatsApp, die aufgrund des verwirrenden meteorologischen Fachjargons nicht zugänglich waren.

Um Wetter- und Klimainformationen über das Radio massenkompatibel zu machen, schult Winga die Radiojournalisten und Wetterdienste zusammenzuarbeiten. Im kenianischen County Taita Taveta testet er den Season-Media Action Plan, kurz S-MAP, ein Produkt, das von Medien- und Wetterdiensten im Land mitentwickelt und mitproduziert wurde. Mithilfe von S-MAP planen Medien und Wetterdienste zusammen, welche Klima- und Wetterankündigungen über die kommenden drei Monate ausgestrahlt werden. Die Wetterdienste stellen 5-Tages-, 7-Tages- oder Monatsvorhersagen bereit, während jedes Medienhaus wöchentlich die Art der Wetter- und Klimainformationen angibt, die es verbreiten wird. Die Wetterdienste verpflichten sich außerdem zu einer monatlichen Pressekonferenz, um den Fortschritt der Saison zu erörtern.

Winga hofft, dass S-MAP alle Beteiligten für den Informationsprozess verantwortlich macht. Die Verantwortung wird auch durch regelmäßige Bewertungen während der Pilotphase erlangt.

„Am Ende der Saison werden die Berichtsebenen überprüft und vor der Saison März bis Mai wird es eine Umfrage geben, um festzustellen, ob die Endnutzer von der erhöhten Medienaktivität profitiert haben. Journalisten, die sich hervorgetan haben, werden anerkannt, und Bereiche, die als Schwachstellen identifiziert werden, werden in der kommenden Saison angegangen. Der gesamte Prozess ist zyklisch“, erklärt Winga.

Durch die kontinuierliche Feinabstimmung des Kommunikationsansatzes über das Radio hofft Winga, neue Gruppen von Hirten-, Bauern- und Fischervölkern am Horn von Afrika mit Wetter- und Klimainformationen erreichen zu können.

Lesen Beschriftung Das Studio eines Bürger-Radiosenders im Distrikt Sembabule in Uganda. Foto: Collison Lore Winga/NRC