Lesen Beschriftung Ifrah Ahmed arbeitet beim Unterkunftsprojekt von NRC Flüchtlingshilfe in Garowe. Die Region hat eine große Anzahl Binnenvertriebener aufgenommen, die aufgrund der extremen Wetterbedingungen und des Konflikts hierhergekommen sind. Die meisten leben in provisorischen Lagern, aber NRC Flüchtlingshilfe errichtet auch dauerhafte Unterkünfte für gefährdete Gruppen, die nicht nach Hause zurückkehren können. Foto: Ingrid Prestetun/NRC

Leben retten in einem der gefährlichsten Länder der Welt

Eirik Christophersen|Veröffentlicht 28. Nov 2019|Bearbeitet 18. Nov 2019
Millionen Menschen in Somalia brauchen aufgrund der extremen Wetterbedingungen und des Konflikts humanitäre Hilfe. In einem Land, das seit fast 30 Jahren von bewaffneten Konflikten heimgesucht wird, sind Hilfsmaßnahmen jedoch schwierig und gefährlich.

Die Vereinten Nationen warnen, dass 1,2 Millionen Menschen bis Ende des Jahres Hunger leiden werden, wenn die humanitäre Hilfe nicht drastisch aufgestockt wird. Über sechs Millionen Menschen, fast die Hälfte der Bevölkerung Somalias, könnten mit Nahrungsmittelknappheit konfrontiert sein.

60 Prozent der somalischen Bevölkerung leben von Land- und Viehwirtschaft wie Schaf-, Ziegen-, Kamel- und Rinderzucht. Sie sind Hirtennomaden, die ihre Tiere über weite Strecken treiben, um Weideflächen und Wasser zu finden. Diese Gemeinden sind extrem anfällig für die Folgen klimatischer Veränderungen, die die Folgen mehrerer Dürren und Überschwemmungen der letzten Jahre weiter verschärft haben.

Im Jahr 2011 starben über eine viertel Million Menschen infolge einer durch eine Dürre ausgelösten Hungersnot. Der bewaffnete Konflikt hatte eine hohe Anzahl weiterer Todesfälle zur Folge, da die Hilfsorganisationen die Gebiete nicht erreichen konnten, in denen die Menschen an Hunger litten.

Als im Jahr 2017 eine erneute Dürre das Land heimsuchte, gelang es NRC Flüchtlingshilfe zusammen mit weiteren Hilfsorganisationen zu verhindern, dass die Katastrophe so gravierende Folgen hatte wie 2011. Dennoch waren Hunderttausende Menschen gezwungen, ihre traditionellen Lebensgewohnheiten aufzugeben, um in und um die größeren Städte herum Hilfe in Anspruch nehmen zu können. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR und dem von NRC Flüchtlingshilfe geleiteten Protection Returns Monitoring Network (PRMN) wurden allein im Oktober durch Überschwemmungen 273.000 Menschen vertrieben, die meisten davon in der Region Baladweeyne infolge des Hochwassers des Flusses Shabelle. Insgesamt beträgt die Anzahl der durch Dürre, Überschwemmung und Konflikt Vertriebenen in Somalia in diesem Jahr damit 575.000, zusätzlich zu den 2,6 Millionen, die zu Beginn des Jahres 2019 bereits im eigenen Land vertrieben waren.

Lesen Beschriftung Hassan Mohammed Abdi, 45, ist Witwer. Er verdiente seinen Lebensunterhalt als Bauer, bis extreme Wetterbedingungen über mehrere Jahre es ihm unmöglich machten, seine Familie weiterhin zu ernähren. Hassan und seine vier Kinder leben nun in einer kleinen Unterkunft im Flüchtlingslager in Ceel-ilaan. Foto: Ingrid Prestetun/NRC

Sicherheit steht an erster Stelle

Wir von NRC Flüchtlingshilfe tun alles, was in unserer Macht steht, um den Menschen dort zu helfen, wo sie leben, damit sie nicht gezwungen sind, weite Strecken an andere Orte zu fliehen. Die Arbeit in Konfliktgebieten, insbesondere in einem der gefährlichsten Länder der Welt, bringt jedoch große Schwierigkeiten mit sich.

„Es ist eine große Verantwortung dafür zu sorgen, dass alle Mitarbeitenden mit den Herausforderungen im Hinblick auf die Sicherheit umgehen können“, sagt Stephen Akwabi, Sicherheitsberater von NRC Flüchtlingshilfe in Somalia, „um Hilfemaßnahmen in einem Land durchzuführen, wo jeden Tag Angriffe und Explosionen zu erwarten sind und wo sogar humanitäre Hilfskräfte dem Risiko von Entführungen ausgesetzt sind.“

Dank unserer stabilen Sicherheitssysteme sind wir in der Lage, Menschen in einigen der abgelegeneren und konfliktbetroffenen Regionen Somalias zu erreichen.

Brunnen für eine sichere Wasserversorgung

Während durch extreme Regenfälle in der zweiten Oktoberhälfte Hunderttausende Somalierinnen und Somalier durch die Überschwemmungen diversen Gefahren, Verlusten und Vertreibung ausgesetzt waren, sah es bei unserem Besuch nur einen Monat zuvor noch ganz anders aus. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Land mit den Folgen der Dürre zu kämpfen gehabt. Wir stellten fest, dass die starken saisonalen Regenfälle der letzten Jahre immer noch nicht ausreichten, um eine ausreichende Wasserversorgung sicherzustellen.

Wir besuchten ein Dorf in Qardho in Puntland, einige Stunden von der Provinzhauptstadt Garowe entfernt. NRC Flüchtlingshilfe hat hier drei Brunnen gebohrt, um die Wasserversorgung der Hirten und Binnenvertriebenen, die in die Stadt geflohen waren, zu sichern.

Lesen Beschriftung Wasser ist in Somalia ein knappes Gut. Die Brunnen, die NRC Flüchtlingshilfe gebohrt hat, sind sowohl für Ortsansässige als auch für Vertriebene lebenswichtig. Foto: Ingrid Prestetun/NRC

Wasserbohrungen sind wichtig, um die Auswirkungen des Klimawandels und der Dürre aufzufangen. Selbst in trockenen Regionen gibt es Grundwasserreservoirs, die aber häufig Bohrungen von 200 bis 300 Meter Tiefe erfordern. Wo immer es möglich ist, setzt NRC Flüchtlingshilfe Solarenergie ein, um das Wasser an die Oberfläche zu befördern. Das Wasser wird von den Menschen verwendet, die in der Umgebung leben, und in Gebiete transportiert, in denen keine ausreichende Wasserversorgung besteht.

„Bevor wir den Brunnen hatten, mussten wir 15 Kilometer zu Fuß gehen, um Wasser für die Tiere zu holen. Fast alle meine Tiere sind infolge der Dürre gestorben. Wir hatten nicht einmal genug Wasser für uns selbst und liefen oft 24 Stunden lang ohne etwas zu trinken. Wir hatten in den letzten Jahren viele Probleme, aber seit wir den Brunnen haben, ist das Leben viel besser geworden“, sagt Hali Said Jamal.

Lesen Beschriftung Hali Said Jamal, eine 55-jährige Frau, hat ihre Ziegen zu dem Brunnen gebracht, den NRC Flüchtlingshilfe gebohrt hat. Wie viele andere Somalierinnen und Somalier treibt sie ihre Tiere über weite Strecken, um Weideland und Wasser zu finden. Foto: Ingrid Prestetun/NRC