Lesen Beschriftung Foto: Enayatullah Azad/NRC

2019 wird ein weiteres Krisenjahr

Richard Skretteberg|Veröffentlicht 11. Mrz 2019|Bearbeitet 26. Feb 2019
Anfang 2018 waren 68,5 Millionen Menschen durch Krieg und gewaltsame Konflikte vertrieben. Es gibt wenig Anlass zu der Annahme, dass diese Zahl im Jahr 2019 sinken könnte.

Es besteht die Hoffnung, dass im Jahr 2019 alte, unerbittliche Konflikte gelöst werden. Aber politische Lösungen erfordern politischen Willen, wie wir ihn im vergangenen Sommer erlebt haben, als die langjährigen Feinde Äthiopien und Eritrea ein Friedensabkommen schlossen. Das ist für alle Länder am Horn von Afrika eine gute Nachricht.

Dennoch stehen wir noch immer vor zahlreichen Problemen: Was wird in Syrien geschehen? Wird das Friedensabkommen im Südsudan Bestand haben? Können wir im Jemen ein Friedensabkommen erreichen? Werden die geflüchteten Rohingya nach Myanmar zurückkehren können?

Geldmangel 

Ein Hauptproblem ist der mangelnde Wille der reichen Länder, sich für die Hilfebedürftigen und Vertriebenen der Welt einzusetzen. Die Lücke zwischen dem humanitären Bedarf und den Mitteln, die von der internationalen Gemeinschaft bereitgestellt werden, wird immer größer.

Anfang Dezember 2018 waren lediglich 57 Prozent der von den Vereinten Nationen und ihren humanitären Partnern veranschlagten Mittel gedeckt. Nach dem Spendenaufruf für 2019 werden im kommenden Jahr 132 Millionen Menschen humanitäre Hilfe benötigen.

Lesen Beschriftung Die bereitgestellten Mittel (orange) können nicht mit dem Bedarf (blau) Schritt halten. Quelle: OCHA/Financial Tracking Service, Dezember 2018

 

Am 17. Dezember verabschiedete die UN-Generalversammlung einen neuen globalen Pakt für Geflüchtete. Es bleibt zu hoffen, dass die Länder nun die Versprechen zu einer besseren internationalen Verantwortungsteilung auch in der Praxis umsetzen werden. Die reichen Länder, die vergleichsweise wenige Geflüchtete aufnehmen, müssen ihre Unterstützung für die Länder aufstocken, die eine hohe Anzahl von Geflüchteten aufnehmen. Es ist auch wichtig, dass mehr Länder ihre Türen für Umsiedlungsflüchtlinge öffnen. Das sind Menschen, die an ihrem derzeitigen Standort nicht geschützt werden können und daher durch die Vereinten Nationen in Drittländer umgesiedelt werden. In den ersten zehn Monaten des Jahres 2018 wurden lediglich 45.874 Geflüchtete in ein Drittland umgesiedelt. Die Vereinten Nationen schätzen, dass im Jahr 2019 1,4 Millionen Menschen durch das Umsiedlungsprogramm geschützt werden müssen.

Derzeit leben 85 Prozent aller Geflüchteten weltweit in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Da die humanitären Krisen länger andauern und der Bedarf steigt, ist die Hilfe nicht ausreichend. Die Opfer der Konflikte, die Zivilbevölkerung, zahlen den höchsten Preis. Das werden sie auch im Jahr 2019, wenn wir unsere Hilfe nicht verstärken. Um das zu erreichen, brauchen wir mutige Menschen in der Politik, die gewillt sind zu handeln.

Ein Meer von humanitären Krisen

Global gesehen geben die Entwicklungen in Afrika südlich der Sahara und im Nahen Osten Anlass zur Sorge und das wird auch im Jahr 2019 so bleiben. Aber auch die Situation der Rohingya, die aus Myanmar geflohen sind, die Gewalt, die Menschen durch Zentralamerika in die Vereinigten Staaten treibt, und die Lage in Venezuela haben Menschen in Südostasien und Lateinamerika zu Geflüchteten gemacht.

Lesen Beschriftung Foto: Christian Jepsen/NRC

 

Afrika

Der vergessene Kontinent

Die Anzahl der Vertriebenen in Afrika steigt seit 2011 an – von 13,3 Millionen im Jahr 2011 auf 22,4 Millionen im Jahr 2017. Viele Länder sind jedes Jahr wieder auf unserer Liste der zehn am meisten vernachlässigten Krisen vertreten, von denen die meisten afrikanische Länder sind.

Dass Millionen von Menschen aus den ärmsten und am meisten gefährdeten Staaten der Welt fliehen müssen, löst nicht nur enorme humanitäre Krisen aus, sondern verhindert auch die Entwicklung, etwa in der Region der Großen Seen, am Horn von Afrika und in der Sahelzone.

Die Sahelzone

Der Migrationsstrom nach Europa im Jahr 2015 hat die Aufmerksamkeit auf die Situation in der Sahelzone gelenkt. Der politische Fokus auf Migration und Terrorismus zog prompt Geld für Anti-Terror-Operationen sowie Küsten- und Grenzschutz an. Die gefährdete Zivilbevölkerung in den Konfliktgebieten der Region wartet hingegen noch auf Stabilität. Sie leiden nach wie vor unter Gewalt und Vertreibung.

In Mali wurden im Jahr 2018 nur 52 Prozent der Mittel bereitgestellt, die zur Unterstützung der Menschen, die von Konflikt und Gewalt betroffen sind, benötigt worden wären. Unterdessen hat sich die Sicherheitslage im Land stark verschlechtert.

Dramatischer Dominoeffekt

Die Konflikte in Mali und im Nordosten Nigerias haben erhebliche Folgen für viele Länder in der Sahelzone und rund um das Tschadbecken. Die Sicherheitslage in Mali hat sich im Jahr 2018 weiter verschlechtert und die Gewalt hat sich vom Norden weiter ins Landesinnere ausgebreitet. Viele Geflüchtete haben Angst davor, nach Hause zurückzukehren. Viele fürchten außerdem, dass der Konflikt sich weiter in die Länge zieht und sich im Jahr 2019 noch verschärfen könnte.

Lesen Beschriftung Zwei Schwestern in einem Lager für Binnenvertriebene in Maiduguri, Nigeria. Foto: Hajer Naili/NRC

 

Der bewaffnete Konflikt im Nordosten Nigerias, von dem nach wie vor alle Länder der Tschadsee-Region betroffen sind, hat eine humanitäre Krise für eine Bevölkerung ausgelöst, die bereits vor zahlreichen anderen Problemen steht: extreme Armut, Klimawandel, chronische Nahrungsmittelknappheit, mehrere bewaffnete Aufständische und organisierte Kriminalität.

Für die Herausforderungen für diesen Teil des Sahelgürtels und in den Gebieten um das Tschadbecken gibt es keine kurzfristigen Lösungen und die Menschen werden im Jahr 2019 auch weiterhin die Last der Gewalt tragen. Die humanitäre Hilfe muss viel stärker in den Vordergrund gestellt werden und langfristige Hilfe muss einen klaren Schwerpunkt haben.

Ohne internationale Hilfe werden viele Länder in der Sahelzone die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen nicht erreichen können und Tausende weitere werden zur Flucht gezwungen sein.

Krise in Kamerun

Kamerun spielt in dieser gefährdeten Region aufgrund der strategischen Lage in der Grenzregion zur Sahelzone eine wichtige Rolle, sowohl politisch als auch im Hinblick auf humanitäre Hilfe. Das Land beherbergt mehr als 350.000 Geflüchtete aus den Nachbarländern Nigeria und der Zentralafrikanischen Republik, während die Gewalt durch die islamistische Rebellengruppe Boko Haram 228.000 Menschen aus Kamerun in die Grenzregionen zu Nigeria getrieben hat. Die Stabilität Kameruns wird derzeit zunehmend durch interne Konflikte gefährdet.

Die Unruhen in den englischsprachigen Regionen im Süd- und Nordwesten Kameruns sind nach dem Scheitern der Gespräche zwischen der Regierung und den Oppositionsgruppen wieder auf dem Vormarsch. Im Herbst 2018 wurden 437.000 Menschen in diesen Regionen vertrieben. 30.000 flohen über die Grenze nach Nigeria und wurden so Geflüchtete. Es besteht große Gefahr, dass die Gewalt im Jahr 2019 zunehmen wird.

Die Zentralafrikanische Republik (ZAR) ist nach dem Jemen und Syrien die drittgrößte humanitäre Krise der Welt, gemessen am Anteil der Bevölkerung, der von humanitärer Hilfe abhängig ist. Ein Viertel aller Menschen war zur Flucht gezwungen. Dennoch fehlten den humanitären Hilfsorganisationen im November 2018 immer noch über die Hälfte der Mittel. die für lebensrettende Unterstützung nötig gewesen wäre, und auch die Friedenstruppe MINUSCA war unterfinanziert.

Ohne neue Finanzmittel wird eine der schlimmsten humanitären Krisen der Welt auch im Jahr 2019 weiterhin verheerenden Schaden anrichten.

Lesen Beschriftung Philomene ist behindert und lebt mit sechs Kindern in einem Lager für Binnenvertriebene in der Zentralafrikanischen Republik. Foto: Hajer Naili/NRC

 

Optimismus am Horn von Afrika

Als Eritrea und Äthiopien im Juli 2018 ein Friedensabkommen unterzeichneten, machte sich am Horn von Afrika, einer der am stärksten von Konflikten betroffenen Regionen Afrikas, Hoffnung breit. Jetzt werden die Sanktionen gegen Eritrea aufgehoben und die Auswirkungen werden deutlich sichtbar: Tausende von Familien, die durch den Konflikt voneinander getrennt waren, sind bereits wieder vereint. Die Aufhebung der Reisebeschränkungen zwischen den beiden Ländern hat jedoch im Herbst 2018 in Äthiopien auch zu einer erhöhten Anzahl an Asylsuchenden geführt. Mehr Stabilität und die Hoffnung auf Reformen in Eritrea geben uns indes Anlass zu der Hoffnung, dass in Zukunft weniger Eritreerinnen und Eritreer die gefährliche Reise über das Mittelmeer antreten werden.

Der sich beschleunigende Demokratisierungsprozess in Äthiopien könnte außerdem langfristig Hoffnung auf Lösungen für die landesinternen Konflikte geben. Es ist dringend. Kein anderes Land der Welt hatte im vergangenen Jahr eine höhere Anzahl an Binnenvertriebenen zu verzeichnen, so der Halbjahresbericht des NRC Displacement Monitoring Centre.

Im Herbst 2018 führten Gewalt und Konflikte zu Hunderttausenden Neuvertriebenen. Es ist jetzt von größter Wichtigkeit, dass die internationale Gemeinschaft ihre Bemühungen um eine ausreichende Unterstützung verstärkt. Wenn die positiven Nebenwirkungen des Friedensabkommens nicht aufrechterhalten werden, könnten die politischen und humanitären Folgen verheerend sein.

Unsicherer Frieden im Südsudan

Über 4 Millionen Menschen im Südsudan, ein Drittel der Bevölkerung, mussten während der letzten fünf Jahre fliehen. Das Friedensabkommen, das von Präsident Salva Kiir, Rebellenführer Riek Machar und anderen bewaffneten Oppositionskräften unterzeichnet wurde, weckte Hoffnung. Viele Vertriebene befürchten jedoch, dass die Gewalt erneut ausbrechen könnte.

Der Südsudan beginnt das Jahr 2019 mit Hoffnung, vor allem aber mit Unsicherheit.

Weniger für diejenigen, die viele aufnehmen

In Ostafrika wurde die Unterstützung der humanitären Hilfe in wichtigen Gastgeberländern wie Uganda, Kenia und Tansania im Jahr 2018 drastisch gekürzt. Wohlhabende Länder mit einer zunehmend restriktiven Flüchtlingspolitik unterstützen die Länder, die nach wie vor eine große Anzahl an Vertriebenen aufnehmen. In den ostafrikanischen Ländern leben 2 Millionen Geflüchtete, während die Anzahl der Menschen, die in Europa ankommen, abnimmt.

Anhaltende Krise in Somalia und in der DR Kongo

Auch in Somalia, einer der langwierigsten humanitären Krisen Afrikas, hat die verringerte Unterstützung für die humanitäre Arbeit zu Kürzungen bei der Grundversorgung wie Nahrung, Wasser und Bildung geführt. Die Unterstützung wurde trotz zunehmender Konflikte und Zehntausenden Neuvertriebenen im Herbst 2018 gekürzt.

Die Demokratische Republik Kongo stand im Jahr 2018 an erster Stelle auf unserer Liste der am meisten vernachlässigten Krisen der Welt. Nie zuvor in der Geschichte des Landes hatte es mehr Vertriebene gegeben. Die Anzahl der Menschen, die nicht genug zu essen haben, hat sich von 7,9 Millionen im Jahr 2017 auf über 15 Millionen im Jahr 2018 verdoppelt.

Es bleibt zu hoffen, dass die Verleihung des Friedensnobelpreises an den kongolesischen Gynäkologen Denis Mukwege zu einer stärkeren Aufmerksamkeit für die Opfer sexueller Gewalt, die unsichtbaren Opfer des Konflikts führen.

With the city's asylum centre full beyond capacity, asylum seekers sleep rough in a Belgrade city centre carpark.
Lesen Beschriftung Foto: Gustavo Vilchis/NRC

 

Europa

Weniger Migrierende und Geflüchtete

Im Jahr 2018 sind im Vergleich zum Vorjahr deutlich weniger Geflüchtete und Migrierende in Europa angekommen. Die Ursache ist vor allem, dass es schwieriger geworden ist, über die Mittelmeerroute von Libyen nach Italien zu gelangen.

Italien finanziert die libysche Küstenwache, die jetzt die meisten Menschen, die nach Italien zu gelangen versuchen, aufnimmt und sie in Gefangenenlager in Libyen zurückbringt, in denen unmenschliche Bedingungen herrschen. Italien hat außerdem Booten mit Geflüchteten und Migrierenden die Erlaubnis zum Anlegen verweigert. In den ersten zehn Monaten des Jahres 2018 kamen nur 22.000 über den Seeweg nach Italien – im Jahr 2017 waren es noch 111.000 gewesen.

Die westliche Mittelmeerroute über Marokko nach Spanien ist derzeit die Hauptroute nach Europa. Bis Oktober 2018 waren hier 50.000 Menschen angekommen, über doppelt so viele wie im Jahr zuvor.

Ukraine

Der Konflikt zwischen Regierungstruppen und Separatisten in der Ostukraine dauert seit 2014 an. 3,5 Millionen Menschen brauchen hier humanitäre Hilfe.

Den Vertriebenen mangelt es an Unterkünften und anderen lebenswichtigen Dingen und der anhaltende Zustand der Vertreibung macht es besonders wichtig, langfristige Lösungen zu finden. Es gab bisher keine Anzeichen für eine baldige Lösung. Im November verschlechterte sich die Situation drastisch, als Russland die Kontrolle über die ukrainischen Marineschiffe in einem strategischen Gebiet am Schwarzen Meer übernahm.

Viele machen sich viele Sorgen, was als Nächstes geschehen wird.

Lesen Beschriftung Foto: Karl Schembri/NRC

 

Der mittlere Osten

Anhaltende politische Unruhen, Krieg und Massenvertreibung

Unsichere Rückkehr nach Syrien

Der Konflikt in Syrien hat die größte Flüchtlingskrise unserer Zeit ausgelöst. Auch wenn die Regierung im Jahr 2018 die Kontrolle über einige Gebiete übernahm, zeugen der Mangel an Sicherheit und massive Zerstörung davon, dass die humanitäre Krise noch lange nicht vorbei ist. Mehr als 6 Millionen Menschen sind nach wie vor Binnenvertriebene. Trotz einer politischen Vereinbarung, die eine Eskalation der Gewalt in Idlib verhinderte, leben die Menschen weiterhin in Unsicherheit.

Manche Geflüchtete sind spontan nach Syrien zurückgekehrt, aber die Sorge wächst, dass die sich verschlechternden Bedingungen in den Nachbarländern mehr Geflüchtete dazu zwingen, frühzeitig in unsichere Gebiete zurückzukehren.

Die Nachbarländer, die Millionen von syrischen Geflüchteten beherbergen, müssen im Jahr 2019 weiterhin unterstützt werden, um zu verhindern, dass die Syrerinnen und Syrer in ihre Heimat zurückkehren, bevor es dort wieder sicher ist.

Irak nach IS in Trümmern 

Am 9. Dezember 2017 erklärte der irakische Premierminister, dass der Krieg gegen den IS vorbei und gewonnen sei. Ein Jahr später sind 1,8 Millionen Menschen im Irak jedoch nach wie vor Binnenvertriebene und 8 Millionen brauchen humanitäre Hilfe.

Über 4 Millionen Irakerinnen und Iraker sind in ihre Heimat zurückgekehrt. Viele von ihnen leben jedoch in den Trümmern, die der IS hinterlassen hat. In Städten wie Mosul und Ramadi besteht dringender Bedarf, Häuser, Schulen und Krankenhäuser wieder aufzubauen, um es den Vertriebenen eine sichere Rückkehr zu ermöglichen. An manchen Orten, wie zum Beispiel in Sinjar, hat der Wiederaufbau gerade erst begonnen. Die Stadt liegt in Trümmern und es gibt keine funktionstüchtigen Schulen und Krankenhäuser. Über 200.000 Jesidinnen und Jesiden sind noch immer vertrieben und haben kein Zuhause mehr, in das sie zurückkehren könnten.

Die Verleihung des Friedensnobelpreises für 2018 an eine jesidische Frau, Nadia Murad, trug dazu bei, dem jesidischen Volk Gehör zu verschaffen. Darüber hinaus ist es ein Beitrag zum Kampf gegen den Gebrauch von sexueller Gewalt als Waffe in Kriegen und Konflikten. Es macht deutlich, dass die Opfer im gesamten Irak Zugang zur Justiz brauchen und dass die Täter für ihre Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden müssen.

Nationale und lokale Versöhnungsbemühungen, die von der internationalen Gemeinschaft unterstützt werden, sind ebenfalls notwendig, um die Spannungen zwischen den Gemeinden, Ethnien und Stämmen zu überwinden, die durch den Konflikt mit dem IS verschärft wurden. Dies sind wesentliche Schritte, die unternommen werden müssen, um im Jahr 2019 den Weg Iraks zu Stabilität und einen Erholungsprozess zu gewährleisten.

2018: Ein katastrophales Jahr für den Jemen

Das vergangene Jahr war für die Menschen im Jemen verheerend. Über 22 Millionen Menschen brauchen humanitäre Hilfe und Tausende von Menschen wurden verletzt oder getötet. Ende 2018 litt die Bevölkerung nach wie vor unter einer der schlimmsten Hungersnöte, die wir je erlebt haben.

Die Gewalt, die Blockade der Häfen, der Zusammenbruch des Arbeitsmarktes und eine Wirtschaft im freien Fall führen dazu, dass Millionen am Rande des Hungers stehen. Das Überleben und die Sicherheit von Millionen von Menschen hängen nun von den Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien ab, die im Dezember in Schweden stattfanden.

Das Mindeste, was hier erreicht werden muss, ist, dass alle Parteien sich verpflichten, das Völkerrecht einzuhalten und auf Kriegstaktiken zu verzichten, die das Leid der Zivilbevölkerung noch weiter verstärken.

Lesen Beschriftung Foto: Nazifullah Nayel/NRC

 

Asien

Myanmar und Afghanistan stechen heraus

Bürgerkrieg, Dürre und Hunger in Afghanistan

Die Sicherheitslage hat sich in weiten Teilen Afghanistans verschlechtert und die Parlamentswahlen im Oktober 2018 wurden zu den blutigsten des Landes. Im Juli waren große Gebiete von Dürrem betroffen und im Zeitraum bis November 2018 zwang die Kombination von Konflikt, Dürre und Hunter 266.000 Menschen zur Flucht.

Hunderttausende Geflüchtete sind gezwungen, aus den Nachbarländern in das vom Krieg erschütterte Land zurückzukehren. Sieben von zehn Rückehrenden werden einem Bericht von NRC zufolge erneut vertrieben.

Die Rohingya haben Angst zurückzukehren

Im Juni 2018 unterzeichneten Myanmar und die Vereinigten Staaten eine Absichtserklärung über die Rückführung von rund 700.000 Rohingya, die ins benachbarte Bangladesch geflohen waren. Das Ziel war eine „freiwillige, sichere, würdevolle und dauerhafte“ Rückkehr für die Geflüchteten. Den Vereinten Nationen zufolge sind die Rohingya eine der am stärksten verfolgten Minderheiten der Welt. Zerstörte Dörfer und eine Rhetorik des Hasses führen dazu, dass viele der muslimische Minderheit zu viel Angst haben, um in ihre Heimat zurückzukehren. Dennoch war dies nicht das erste Mal, dass eine Rückkehrvereinbarung unterzeichnet wurde.

Im November 2017 unterzeichneten Myanmar und Bangladesh eine Vereinbarung zur Rückführung der geflüchteten Rohingya. Im Oktober 2018 erklärten die bangladeschischen Behörden jedoch, dass die Geflüchteten eine freiwillige Rückkehr ablehnten, weil ihre Dörfer zerstört seien, und sie beunruhigt darüber seien, was mit ihnen geschehen würde, wenn sie zurückgingen.

Lesen Beschriftung Marcela Olarte/NRC

 

Zentralamerika

Extreme Gewalt zwingt Tausende zur Flucht

In Lateinamerika gibt es drei Krisen, die sich in Teilen Zentralamerikas, Venezuelas und Kolumbiens abspielen. In Zentralamerika zwingen organisierte Kriminalität, Gewalt und Armut seit mehreren Jahren Menschen zur Flucht aus ihrem Heimatland. Besonders ernst ist die Lage in El Salvador, Guatemala und Honduras, auch genannt das Norddreieck.

Obwohl viele Menschen in Mexiko, Belize, Costa Rica und Panama Asyl suchen, gibt es nach wie vor viele, die nach Norden in die Vereinigten Staaten weiterziehen, ein Land, das seine Asylpolitik stark verschärft hat. Ende November 2018 kam es zu Zusammenstößen zwischen der US-Polizei und Migrierenden, die versuchten, die Grenze zu überqueren. Präsident Trump versucht die Gesetze dahin gehend zu ändern, dass Migrierende und Asylsuchende nicht ins Land einreisen dürfen, bevor sie ihre Asylanträge erhalten haben, während Mexiko die Vereinten Nationen bei der Verhinderung einer humanitären Krise um Hilfe gebeten hat. Bis Dezember 2018 waren über 67.000 honduranische Geflüchtete, die vor Gewalt und Armut geflohen waren, aus den USA und Mexiko zurückgekehrt.

Die Probleme in Zentralamerika sind komplex und es wird Zeit brauchen, sie zu lösen. 42 der 50 gewalttätigsten Städte der Welt befinden sich in Lateinamerika. Schwache staatliche Institutionen, Korruption, organisierte Kriminalität, extreme soziale Ungleichheit und Gewalt sind eine explosive Mischung. Hier gibt es keine schnelle Lösung, und im Jahr 2019 werden die Vereinigten Staaten und Mexiko bei der Bewältigung dieser Probleme eine Schlüsselrolle spielen.

Humanitäre Krise in Venezuela und brüchiger Frieden in Kolumbien

Die humanitäre Krise in Venezuela hat sich im vergangenen Jahr weiter zugespitzt. Täglich flohen Tausende Menschen in die Nachbarländer Kolumbien, Brasilien, Ecuador und Peru. Im November 2018 akzeptierte die Regierung schließlich humanitäre Hilfe von den Vereinten Nationen.

Die meisten Menschen, die Venezuela verlassen, gehen ins benachbarte Kolumbien, ein Land, das derzeit einen schwierigen Friedensprozess durchläuft. Als Iván Duque von der rechten Partein Centro Democratico im Juni 2018 die Präsidentschaftswahlen gewann, wollte er das Friedensabkommen mit FARC ändern, was unter den demobilisierten Guerillakämpfern zu Frustration führte. Das mangelnde Vertrauen zwischen den Konfliktparteien hat zu einem brüchigen Frieden geführt. In den letzten sechs Monaten des Jahres 2018 wurden soziale Führer ermordet und bewaffnete Gruppen vertrieben Zivilisten, während sie versuchten, die ehemals von der FARC kontrollierten Gebiete zu übernehmen.

Ein weiterer Negativtrend ist der starke Anstieg der Kokaproduktion. Die mangelnde Sicherheit bedeutet auch, dass viele Vertriebene Angst haben, wieder nach Hause zu gehen. Ein Friedensabkommen zwischen der ELN-Gruppe und einer Reihe von demobilisierten FARC-Soldaten steht ebenfalls noch aus. Während Letztere die Demobilisierungslager verlassen, greifen ihre Gegner zu den Waffen. Obwohl sich die Führer der FARC an das Friedensabkommen halten, wird es durch zunehmende Unzufriedenheit unter Druck gesetzt.

Es ist wichtig, dass das Friedensabkommen und seine Absichten im Jahr 2019 eingehalten werden. Die Situation im Land erfordert Versöhnung und keine Polarisierung.

Zu Beginn des Jahres 2019 gibt es nach wie vor zahllose Vertreibungskrisen. Nothilfe und politischer Wille zur Lösung der Konflikte sind unerlässlich, um das Leid der Menschen zu lindern, die auf der ganzen Welt zur Flucht gezwungen sind.