Lesen Beschriftung Rechtsberaterin Safo Ahmend (29) unterstützt die Geflüchteten im Flüchtlingskomplex Dadaab. Foto: Catriona Loughran/NRC

Safos Weg von der Uni zu NRC

Veröffentlicht 27. Jun 2019|Bearbeitet 18. Jun 2019
Safo Ahmed hätte für eine von Kenias besten Anwaltskanzleien arbeiten können – stattdessen kam sie zu NRC. Hier setzt sie ihr Fachwissen ein, um denen zu helfen, die es am dringendsten brauchen.

„Ich habe an der Uni Jura studiert. Danach wollte ich beruflich durchstarten und für eine private Anwaltskanzlei in Nairobi arbeiten. Viele meiner Freunde von der Uni hatten denselben Wunsch. Ich stamme aus einer ländlichen Gegend in Kenia namens Moyale und ich habe immer davon geträumt, in einer Großstadt zu leben und viele Möglichkeiten zu haben“, sagt sie.

Durch die zufällige Begegnung mit einer Studienfreundin, die ein Praktikum bei NRC machte, änderte sie ihre Pläne.

Safo wollte mehr über NRC erfahren und weshalb ihrer Freundin die Arbeit dort so viel Freude machte.

„Ich weiß noch, wie strahlte, als sie mir erzählte, wie sie den vielen Geflüchteten und Vertriebenen helfen konnte, Zugang zu wichtigen Dienstleistungen und Dokumenten zu bekommen. Sie ermutigte mich, mich für den Job zu bewerben, was ich dann auch tat – und jetzt, zwei Jahre später, bin ich so glücklich wie nie zuvor“, erzählt sie lächelnd.

„Ich dachte nicht, dass ich durchhalten würde“

Safo arbeitet im NRC-Büro im Dadaab Flüchtlingskomplex, in dem über 200.000 somalische Geflüchtete leben.

Das Klima dort ist heiß und unbarmherzig und Unsicherheit ist ein ständiges Problem. Safo gibt zu, dass sie manchmal an ihrer Entscheidung gezweifelt hat.

„Die ersten Wochen waren schwierig. Ich dachte nicht, dass ich durchhalten würde. Die ersten zwei oder drei Monate sehnte ich den Tag herbei, an dem mein Vertrag auslaufen würde, aber als es dann soweit war, beschloss ich zu bleiben und weiterzumachen.“

The ICLA team provides counselling and or  information depending on what the client is seeking.  ICLA project assistant Safo Ahmed provides counselling  for a refugee on legal and civil documentation 

Photo by : NRC/ Jean Ndede
Lesen Beschriftung Safo Ahmed berät eine Geflüchtete zum Thema Ausweisdokumente. Foto: Jean Ndede/NRC

Geburts- und Heiratsurkunden: der Schlüssel zu einem besseren Leben

Die NRC-Teams für Information und Rechtsberatung helfen jedes Jahr Tausenden von Geflüchteten mit Rechtsbeistand, Beratung und Information. Zu den schwierigsten Aspekten dieser Arbeit gehört es, den Geflüchteten Zugang zu persönlichen Dokumenten wie Geburts- oder Heiratsurkunden zu verschaffen.

„Manche haben Glück und bekommen ihre Papiere innerhalb weniger Monate. Andere müssen jahrelang warten. Wenn Flüchtlingskinder in Kenia geboren werden, erhalten sie zwar eine Geburtsurkunde, die Behörden stempeln jedoch ‚Flüchtling’ in ihre Dokumente, was dann zu Problemen führen kann. Diejenigen, die ohne Urkunde in Somalia geboren wurden, können die kenianischen Dienstleistungen nicht in Anspruch nehmen, weil sie nicht hier geboren wurden. Es ist ein ständiges bürokratisches Hin und Her.“

„Es gibt hier viele solcher Kinder und manche können nicht an den Prüfungen in Kenia teilnehmen, weil sie nicht die nötigen Papiere haben. Das ist wirklich traurig, weil es hier so viele begabte Schulkinder gibt, die keinen Abschluss machen können.“

„Wir helfen auch Frauen dabei, Heiratsurkunden zu bekommen“, fährt Safo fort. „Sobald sie ein Dokument haben, das sie den Behörden vorlegen können, gehen die meisten zurück nach Somalia, um dort ihren Anspruch auf Land und Besitz geltend zu machen.

Safo sagt, es gebe nichts Schöneres, als eine somalische Mutter lächeln und ihre Hände zum Himmel heben zu sehen, wenn sie endlich ihre Papiere bekommt.

„Es ist überwältigend, wenn man ihnen ihre Dokumente beschafft. Dieses Papier ist der Schlüssel zu einem besseren Leben. Es kann ihnen Nahrung, Rechte und vor allen Dingen Seelenfrieden verschaffen. Das ist alles, was Geflüchtete wollen.“

Lesen Beschriftung Die NRC-Teams führen Informationsveranstaltungen durch und beraten die Geflüchteten über Ausweisdokumente und Land- und Eigentumsrecht. Foto: Vitalis/NRC

Unterstützung für Frauen, die ein eigenes Unternehmen gründen

NRC informiert Geflüchtete auch über das Arbeitsrecht und ermutigt Frauen, Unterstützungsgruppen zu gründen, damit sie mehr gesellschaftliche Verantwortung übernehmen können.

„Wir unterstützen sie dabei, eigene Unternehmen zu gründen und selbstständiger zu werden. Es ist direkter und lohnender, denn Geflüchtete wollen solche Möglichkeiten. Sie wollen nicht die ganze Zeit für Essen Schlange stehen.“

Safo gibt zu, dass diese Erfahrung ihr die Augen geöffnet hat, und sie sagt, dass man wissen muss, wie man dem endlosen Strudel der Bürokratie entkommen kann.

„Die Geflüchteten haben alles verloren. Diese Dokumente zu haben, gibt ihnen wieder das Gefühl, ein normaler Bürger zu sein“, sagt sie.

Schwierige Umgebung, reicher Lohn

 „Man muss unter schwierigen Bedingungen arbeiten und man braucht viel Geduld und Mitgefühl“, erklärt Safo. „Anfangs werden einem viele Türen vor der Nase zugeschlagen, aber nach und nach sieht man Ergebnisse.“

Auf die Frage, ob sie Dadaab gegen ein klimatisiertes Büro in einem großen Gebäude in Nairobi tauschen würde, sieht sie sich um und sagt lächelnd:

„Dadaab geht einem nahe. Hier sind all diese Menschen, die sich auf dich verlassen, und es ist so lohnenswert, die Früchte deiner Arbeit zu sehen. Ich sehe das Leben meiner Freunde in Nairobi nicht mehr durch die rosarote Brille. Dies hier ist es, was ich tun will, und es hat mich sogar dazu inspiriert, ein Projekt in meiner Heimatstadt Moyale zu starten und meinen eigenen Leuten zu helfen.“

Unsere Arbeit im Flüchtlingskomplex Dadaab:

Freiwillige Rückkehr

NRC versorgt Geflüchtete, die eine Rückkehr nach Somalia in Erwägung ziehen, mit Informationen. Wir haben in jedem der Lager drei Informationsschalter, wo wir Auskunft über die einzelnen Rückführungsgebiete erteilen. Für Kinder zwischen 9 und 17 Jahren bieten wir kinderfreundliche Informationen an, um ihnen zu helfen, eine unabhängige und aufgeklärte Entscheidung zu treffen. Die Kinder erhalten Informationen über die verfügbaren Dienstleistungen in Bezug auf Bildung, Gesundheit, sexuelle und geschlechtsbezogene Gewalt in der Region in Somalia, in die sie mit ihrer Familie zurückkehren wollen.

Darüber hinaus sensibilisieren wir die Familien für die Gefahr durch Minen und machen sie damit vertraut, wie man nicht detonierte Sprengkörper erkennt und richtig reagiert.

Aktivitäten im juristischen Bereich

Wir bieten Rechtsberatung und -hilfe an, um den Menschen zu helfen, Ausweisdokumente zu bekommen – hauptsächlich Geburts-, Sterbe- und Heiratsurkunden. Wir führen in den Lagern Gruppeninformationsveranstaltungen zu rechtlichen und zivilen Dokumenten, Arbeitsrecht und -verfahren sowie zu Wohn- und Eigentumsrecht durch. Unser Ziel ist es, dass die Menschen ihre Rechte kennen und wissen, wie sie diese geltend machen können.

Wir arbeiten auch mit der Bezirks- und Landesregierung zusammen, um Hindernisse für Unternehmen zu beseitigen und Dienstleistungen wie etwa Geschäftsgenehmigungen und Lizenzen für selbstständige Geflüchtete anzubieten.

Unterstützen Sie unsere Entwicklungshilfe in Kenia