Sarah, 10, is fixing her veil on the mirror hung on the wall of their new shelter.

Photo: Nadine Malli/NRC
Lesen Beschriftung Sarah, 10, hat innerhalb von 8 Jahren in 30 verschiedenen Häusern gelebt, weil ihre Familie sich keine Miete leisten kann. Jetzt wohnt sie in einer großen Dreizimmerwohnung mit Küche, Bad und Schloss. Hier fühlt sie sich sicher und geborgen.

8 Jahre – 30 Unterkünfte

Text und Fotos: Nadine Malli|Veröffentlicht 10. Jun 2019|Bearbeitet 28. Mai 2019
In einem Haus mit Fenstern und abschließbarer Tür zu leben und Privatsphäre zu haben, ist ein Luxus, der für viele Menschen auf der Welt selbstverständlich ist. Für syrische Geflüchtete im Libanon ist jeden Tag ein Kampf, Zeit und Raum für sich allein zu finden. Während der letzten acht Jahre mussten sich Safaa* und ihre Familie nach ihrer Flucht vor dem Krieg on Syrien sich beständig um eine Unterkunft sorgen.

Da es im Libanon keine offiziellen Flüchtlingslager gibt, müssen syrische Geflüchtete sich selbst um eine Unterkunft kümmern. Über 80 Prozent der geflüchteten Familien im Land leben in Mietwohnungen. 66 Prozent der Geflüchteten aus Syrien haben in Wohn- und Stadtgebieten Zuflucht gesucht, häufig in Unterkünften mit schlechten Sicherheitsbedingungen und unzureichender Wasser- und Stromversorgung und Abwasserbeseitigung.

Safaa, 45, siebenfache Mutter, floh mit ihrer Familie in den Südlibanon, aber sie konnten noch nie länger an einem Ort bleiben.

„Wir haben in 8 Jahren in mehr als 30 verschiedenen Häusern gelebt, weil wir uns die Miete nicht leisten können. Wir sind immer auf der Suche nach mietfreien Häusern, wo wir einziehen können“, sagt Safaa.

Safaas Ehemann, Abed, bekommt wegen seiner Rückenprobleme keinen normalen Arbeitsplatz. Er sucht trotzdem in der Landwirtschaft nach kurzfristigen Jobs, um den Grundbedarf – wie etwa Lebensmittel – zu decken, da die Familie aufgrund der schlechten finanziellen Situation nur schwer über die Runden kommt.

Gezwungen, in einem Zelt zu leben

Vor einem Monat wurde Safaas Familie aus einer Unterkunft vertrieben, in der sie mietfrei gewohnt hatten. Sie mussten ihre Sachen packen und nach einer neuen Bleibe suchen.

Der Vermieter wollte das Haus an eine andere Familie vermieten, die zahlen konnte. Wir wussten nicht, wohin wir gehen sollten, und flehten ihn an, den Winter über noch bleiben zu dürfen, aber er weigerte sich und schloss uns aus.
Safaa, 45, syrische Geflüchtete und siebenfache Mutter

Safaa und ihre Familie stellten daher ein kleines Zelt auf einem in der Nähe liegenden Feld auf und deckten es mit Plastikplanen ab. Bad oder Küche gab es nicht. Safaa hoffte, hier übergangsweise leben zu können. Aber die Kälte war unerträglich, und als Regen, Schnee und Wind dem Zelt immer mehr zusetzten, fürchtete die Familie um ihre Sicherheit. Sie waren schutzlos, konnten das Zelt nicht heizen und fühlten sich unsicher in Bezug auf ihre Zukunft.

Hilfe von NRC 

Safaa und ihre Familie lebten einen Monat in diesem Zelt und wandten sich schließlich an NRC.

„Ich rief die Organisation an und erklärte ihnen unsere schwierigen Lebensumstände. Am nächsten Tag besuchten sie uns und halfen uns sofort, eine bessere Unterkunft zu bekommen“, sagt Safaa.

Lesen Beschriftung Jetzt wohnen Safaa und ihre Familie in einer großen Dreizimmerwohnung mit Küche, Bad und Schloss. Hier fühlen sie sich sicher und geborgen. „Ich muss mir keine Sorgen um die Miete machen oder dass wir plötzlich rausgeworfen werden. Wir sind in Sicherheit“, sagt Safaa.

 

Im Rahmen eines Projekts, bei dem NRC Wohnungen renoviert und der Vermieter im Gegenzug die Familie mietfrei wohnen lässt, konnten sie in die Wohnung eines libanesischen Eigentümers ziehen. Safaa unterschrieb einen Vertrag über ein Jahr und zwei Monate.

Derzeit wohnen wir in einer großen Dreizimmerwohnung mit Küche, Bad und Schloss. Ich muss mir keine Sorgen um die Miete machen oder dass wir plötzlich rausgeworfen werden. Wir sind in Sicherheit.
Safaa, 45, syrische Geflüchtete und siebenfache Mutter

Endlich ein Zuhause in Frieden und Sicherheit

Safaas Familie hat nun ein wohnliches Zuhause mit Fenstern, Türen und Decken für die Nacht. Die neue Wohnung hat Safaa und ihren Kinder das Leben gerettet. Es ist ein großer Unterschied im Vergleich zum Leben in einem Zelt. Safaa hat es zu einem Zuhause gemacht. Sie hat einen Ort geschaffen, an dem die Kinder Spaß haben und spielen, fernsehen und ihre Hausaufgaben machen können. Sie können sich endlich sicher fühlen. In ihrem schwierigen Leben als Geflüchtete haben sie nun ein Gefühl von Frieden und Sicherheit und können optimistisch in die Zukunft blicken.

Ahmad*, helps his mum with everything at home. He looks after his siblings and makes any chore his mum asks of him. “I always check the UNHCR file and remind my mom to renew it before it expires, I keep track on everything is going on here,” says and excited Ahmad.  

Photo: Nadine Malli/NRC
Lesen Beschriftung Safaas Sohn Ahmad hilft im Haushalt mit. Er kümmert sich um seine Geschwister und erledigt alles, worum seine Mutter ihn bittet.

 

Ihr Sohn Ahmad hilft im Haushalt mit. Er kümmert sich um seine Geschwister und erledigt alles, worum seine Mutter ihn bittet.

„Ich behalte die UNHCR-Registrierung im Auge und erinnere meine Mutter daran, sie rechtzeitig zu verlängern. Ich habe den Überblick über alles, was hier vor sich geht“, sagt Ahmad begeistert. Die anderen Kinder verbringen den Tag in ihrem neuen Zuhause und erledigen verschiedene Aufgaben. Safaas anderer Sohn malt gern und freut sich, dass er jetzt so viel Platz dazu hat. Ihre Töchter, die einmal Lehrerinnen werden wollen, haben eine Ecke für sich, wo sie lernen können.

Lesen Beschriftung Safaas Tochter Aya, 9, und Sarah, 10, die später einmal Lehrerinnen werden wollen, haben in der neuen Wohnung eine Ecke für sich, wo sie lernen können.

Im Jahr 2018 wurden für syrische Geflüchtete die Bedingungen, was die Unterbringung betraf, immer schlechter. 34 Prozent der Geflüchteten lebten in Nichtwohngebäuden oder provisorischen Anlagen wie inoffiziellen Zeltlagern. Im Vorjahr waren es im Vergleich dazu noch 26 Prozent. Besonders ausgeprägt war dies bei von Frauen geführten Haushalten, von denen 44 Prozent in Nichtwohngebäuden lebten. Eine angemessene Unterstützung bei der Unterbringung war daher unerlässlich, damit geflüchtete Familien wie Safaas ihre Grundbedürfnisse decken können.

Lesen Sie hier mehr über unsere Arbeit im Libanon.

*Namen wurden geändert, um die Privatsphäre der Familie zu schützen.

Lasst uns diesen Kindern ein Zuhause geben