Minette (38) and her family fled from Manyu and sought safety in Buea after their home was burned down. They have received some plastic sheeting and utensils from NRC, and they have built a temporary kitchen at their new place in Buea.

Photo: NRC/Tiril Skarstein
Lesen Beschriftung Minette (38) und ihre Familie flohen aus ihrer Heimat, der englischsprachigen Region, nachdem ihr Haus niedergebrannt worden war. Sie bekamen von NRC Plastikplanen und weiteres Material und haben damit in ihrer neuen Unterkunft in Buea eine provisorische Küche gebaut. Foto: Tiril Skarstein/NRC

5 Fakten über die Krise in Kamerun

Itunu Kuku|Veröffentlicht 12. Jun 2019|Bearbeitet 23. Mai 2019
Seit 2014 richtet der Aufstand von Boko Haram in der Region Far-North in Kamerun verheerenden Schaden an und hat bis Januar 2019 244.347 Menschen vertrieben. Während Kamerun sich mit dieser Herausforderung auseinandersetzt, entwickelt sich gleichzeitig in den Regionen Nordwest und Südwest eine relativ neue, wenig bekannte Krise, die bis März 2019 zur Vertreibung von 530.000 Menschen geführt hat.

Hier sind fünf wissenswerte Fakten über die Krise in den kamerunischen Regionen Nordwest und Südwest:

1. Ein Land – zwei Sprachen

Die Republik Kamerun ist ein zweisprachiges Land: Amtssprachen sind Französisch und Englisch. Zwei der zehn Regionen sind englischsprachig. Es handelt sich um die Regionen Nordwest und Südwest, in denen etwa 20 Prozent der Landesbevölkerung leben.

Die sprachliche Teilung rührt von der kolonialen und post-kolonialen Geschichte Kameruns her. Vor dem Ersten Weltkrieg war Kamerun eine deutsche Kolonie. Nach der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg teilte sich Kamerun in zwei Völkerbundsmandate auf. Das erste Teil fiel unter französisches Mandat, das den größten Teil des ehemaligen deutschen Hoheitsgebiets umfasste, und das zweite unter britisches Mandat mit dem Namen ‚British Cameroons’ (‚Britisch-Kamerun’) bestehend aus den beiden an Grenze zu Nigeria gelegenen Gebieten Nordkamerun und Südkamerun.

Als Kamerun und Nigeria im Jahr 1960 unabhängig wurden, stellte sich die Frage, was aus den Territorien Britisch-Kameruns werden sollte. 1961 fand eine Volksabstimmung statt, bei dem die Bevölkerung Britisch-Kameruns die Wahl hatte, sich entweder Nigeria oder dem französischsprachigen Kamerun anzuschließen. Nach dem Ergebnis der Volksabstimmung schloss sich die nördliche Region des britischen Gebiets Nigeria an, während der Süden sich für Kamerun entschied.

So wurden 1961 die englischsprachigen Südkameruner Teil Kameruns und das früher als Südkamerun bezeichnete Gebiet bildet heute die Regionen Nordwest und Südwest.

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2. Proteste und Unruhen

Obwohl sowohl Französisch als auch Englisch offizielle Amtssprachen sind, fühlen Aktivisten in den beiden englischsprachigen Regionen sich seit langer Zeit ausgegrenzt. Die Probleme erreichten 2016 ihren Höhepunkt, als in den Regionen Nordwest und Südwest große Proteste gegen Entsendung französischsprachiger Richter und Lehrer in die englischsprachigen Regionen ausbrachen. Das Ausmaß der Proteste nahm zu, was zu einem harten Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Demonstrierenden und damit zu viel Gewalt führte.

3. Gewalt und Angst

Im Jahr 2017 erklärten nicht-staatliche bewaffnete Gruppen in den beiden Regionen offiziell ihre symbolische Unabhängigkeit von Kamerun. Die kamerunische Regierung lehnte diese Sezession ab. Die kamerunische Armee geht derzeit hart gegen die nicht-staatlichen bewaffneten Gruppen in beiden Regionen vor. 2018 und 2019 eskalierten die Auseinandersetzungen zwischen den Konfliktparteien und beiden Seiten wurden schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.

"There were killings and be-headings, the violence was so much I couldn't stay in Belo any longer." Alfred, 42 on his decision to leave his village Belo and relocate to Bamenda the capital of North-West Cameroon. He was one of 800 recipients of WASH and shelter kits distributed to displaced people by NRC.

Photo: Itunu Kuku/NRC
Lesen Beschriftung “Es wurden Menschen getötet, Häuser wurden niedergebrannt ... es war nicht sicher“, sagt Alfred, 42, der mit seiner Familie aus ihrem Dorf nach Bamenda, der Hauptstadt der Region Nordwest, geflohen ist. Foto: Itunu Kuku/NRC

 

4. Zivilbevölkerung trägt die Hauptlast

Wie so oft sind es die Zivilisten, die in diesem Konflikt die Leidtragenden sind. Über 530.000 Kamerunerinnen und Kameruner mussten bereits aus ihrer Heimat fliehen, so die UN. Viele Vertriebene flohen aus ihren Dörfern, um in größeren Städten Zuflucht zu suchen. Alfred, 42, der mit seiner Familie aus ihrem Dorf nach Bamenda, Hauptstadt der Region Nordwest, geflohen ist, sagt über seine Entscheidung:

„Der Moment, als ich mich entschied zu gehen, war reiner Reflex, denn die Lage war wirklich schlimm. Menschen wurden getötet, Häuser niedergebrannt – man konnte dort nicht mehr leben. Deswegen entschieden wir uns zu gehen… Es war nicht mehr sicher für uns.“

Diejenigen, die in der Lage sind, sich in den größeren Städten in Sicherheit zu bringen, tun das. Viele Vertriebene können dies aber entweder nicht oder haben Angst davor und verstecken sich stattdessen vor den nicht-staatlichen bewaffneten Gruppen und dem kamerunischen Militär im ‚Busch’, der sowohl die Region Nordwest als auch Südwest umgibt.

Conflict in South-West and North West region of Cameroon has forced half a million people to flee their homes. This photo is from Buea in South-West region. Photo: NRC/Tiril Skarstein
Lesen Beschriftung Viele Menschen verstecken sich vor den bewaffneten Gruppen und dem kamerunischen Militär im ‚Busch’, der die Regionen Nordwest und Südwest umgibt. Foto: Tiril Skarstein/NRC

5. NRC reagiert auf die Krise

NRC hat in beiden Regionen Büros und leistet Krisenhilfe. Wir arbeiten mit Partnern wie zum Beispiel NGOs und Kirchen vor Ort zusammen und ermitteln Vertriebene in beiden Regionen sowie deren Umgebung und unterstützen sie durch die Verteilung von Haushaltsgegenständen sowie Unterkunfts- und Hygienesets. Seit Anfang 2018 hat NRC 3.918 Pakete mit Material und Non-Food-Artikeln verteilt und 23.912 Menschen mit Non-Food-Artikeln versorgt und Hygienekampagnen durchgeführt. Da immer mehr Menschen aus ihrer Heimat fliehen und Tausende weitere dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, geben wir alles, um so viele Menschen wie möglich zu erreichen.

Map over Cameroon