Neue Klassenräume für Kinder in der DR Kongo

Ephrem Chiruza|Veröffentlicht 04. Jul 2019|Bearbeitet 01. Jul 2019
„Die Schule wurde bei den Angriffen von mehreren Kugeln getroffen. Bewaffnete Männer benutzten die Fensterrahmen und Türen der Schule als Feuerholz, um sich ihr Essen zu kochen“, berichtet Schulleiter Jerome Atembo.

Atembos Schule, die Kananda Grundschule, befindet sich in einem Dorf gleichen Namens in der goldreichen Provinz Süd-Kivu in der Demokratischen Republik Kongo. Die meisten leben hier von der Landwirtschaft oder vom handwerklichen Goldbergbau am Rande des Dorfes. In den letzten Jahren gab es immer wieder Auseinandersetzungen zwischen bewaffneten Gruppen, die entweder Landbesitzer oder Hirten vertraten. Zwischen 2017 und 2018 hat diese Sicherheitslage das Leben und die Bildung der Schulkinder im Dorf stark beeinträchtigt. Im Jahr 2017 mussten sämtliche Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler fliehen, als es wiederholt zu bewaffneten Angriffen kam. Obwohl die Sicherheitslage derzeit immer noch instabil ist, kehren Kinder und Lehrkräfte nach und nach in ihre schwer beschädigten Schulen zurück.

Die Grundschule in Kananda war eine von mehreren Schulen, die infolge des bewaffneten Konflikts in der Demokratische Republik Kongo beschädigt wurden. Während der letzten 20 Jahre ist die Ausbildung Millionen kongolesischer Kinder immer wieder durch interkommunale Konflikte unterbrochen, die auf dieser Seite des Landes toben. Mindestens 7,4 Millionen Kinder zwischen 5 und 17 im ganzen Land gehen nicht mehr zur Schule. Viele Kinder leben in abgelegenen und schwer erreichbaren Gemeinden wie Kananda und viele mussten die Schule abbrechen, da die Familie sich die Schulgebühren nicht leisten konnte.

Um Abhilfe zu schaffen, arbeitet NRC eng mit konfliktbetroffenen Gemeinden zusammen, um die beschädigten und zerstörten Schulen zu sanieren und wiederaufzubauen, Nachholkurse zu organisieren und Lehrkräfte auszubilden, um den Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen.

Thirteen-year-old Francine is just one of the 14,000 children who benefited the NRC’s education programming in South Kivu’s southeastern Fizi territory. Everyday Francine attends Asifiwe Primary School in Kanada village in her crisp white shirt and navy blue skirt. During one of the armed attacks, militiamen killed her father. Since then, no one has been able to afford to pay for her education.  She was expelled from school due to non-payment of school fees and eventually had to drop out for a year. 

“My mother had no money to pay for school,” she says. “I had to stop going to school and help her farm the  field.” 

In early 2019, she attended the NRC’s catch-up class where she developed her French language skills, math and other subjects. She also received notebooks, pens, a ruler and pencils from the program.  Now Francine can read and write in basic French.

To implement the Education Cannot Wait-funded project, NRC has collaborated with Danish Church Aid (DCA) and two national NGOs, Collectif ALPHA UJUVI and Caritas to rebuild destroyed schools, restore proper sanitation and water points in schools. NRC has provided notebooks, pens, pencils and other school materials to children and has trained teachers on psychosocial support. In addition, we paid the final examination fees for students in sixth grade and trained teachers on psychosocial support, Risk Reduction Plans and Training of Parent-Teacher Associations on Good Governance in Schools. 

In total, NRC education support has reached 14,000 of children whom the majority are displaced, returnee and destitute children from the community in South Kivu province.

This assistance, however, is only a drop in the ocean, seen the huge needs which are still uncovered in the province and the country. We need further efforts in term of funding so that we continue rebuilding destroyed schools; organise catch-up classes to help many children out of school to get access to quality education in a safe and protected environment.

April 26, 2019
Photo: Ephrem Chiruza/NRC
Lesen Beschriftung Die 13-jährige Francine ist eins von 14.000 Kindern, die in den Genuss des NRC-Bildungsprogramms im Bezirk Fizi in der Provinz Süd-Kivu kommen. Foto: Ephrem Chiruza/NRC

Zurück zur Schule

In einer weißen Bluse und einem marineblauen Rock geht die 13-jährige Francine stolz in die Asifiwe Grundschule in Kananda. Sie ist eins von 14.000 Kindern, die in den Genuss des NRC-Bildungsprogramms im Bezirk Fizi in der Provinz Süd-Kivu kommen. Im Jahr 2018 wurde Francines Vater bei einem Angriff auf das Dorf von Milizen getötet. Seitdem konnte niemand mehr ihre Schulgebühren bezahlen, sie wurde der Schule verwiesen und musste schließlich für ein Jahr die Schule verlassen.

„Meine Mutter hatte kein Geld für die Schulgebühren“, sagt sie. „Ich konnte nicht mehr zur Schule gehen und musste ihr stattdessen auf dem Feld helfen.“

Seit Anfang 2019 besucht sie jedoch die Nachholkurse von NRC, wo sie Französisch, Mathematik und andere Fächer lernt. Außerdem hat sie durch das Programm Schulmaterial wie Hefte, Lineale und Stifte bekommen. Mittlerweile kann Francine schon etwas Französisch lesen und schreiben.

Kananda Primary School is just one of 32 schools rehabilitated by NRC in South Kivu province. Due to roof damage from bullets, when it rained, students would have to suspend classes, as the inside of their classrooms would begin to flood. In addition, the sanitation infrastructure in the school and throughout the village was dilapidated or non-existent. Students were risking both their safety and health by using the crudely constructed latrines. Being that the latrines were uncovered, students were vulnerable to infections and water-borne diseases.

With Education Cannot Wait donor support, NRC has patched the damaged roof to ensure that classrooms, students and materials remain dry when it rains. Metallic doors and window frames were provided, and the school was repainted. Latrines were rebuilt and covered for conditions that are more sanitary. The learning environment has greatly improved and the number of enrolled students has increased from 240 students in 2018 to 340 students in April 2019.  

This assistance, however, is only a drop in the ocean.  There are huge needs, which are still unaddressed within the province and throughout the country. We need further funding efforts so that we can continue rebuilding destroyed schools, organise catch-up classes to help children out of school so that they can access quality education in a safe and protected environment.

April 26, 2019
Photo: Ephrem Chiruza/NRC
Lesen Beschriftung NRC arbeitet eng mit den konfliktbetroffenen Gemeinden zusammen, um die beschädigten und zerstörten Schulen zu sanieren und wiederaufzubauen, Nachholkurse zu organisieren und Lehrkräfte auszubilden, um den Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Foto: Ephrem Chiruza/NRC

Klassenräume wiederaufbauen, Leben wiederaufbauen

Wegen des zerschossenen Daches musste der Unterricht in der Kananda Grundschule bei Regen unterbrochen werden, da die Klassenräume dann unter Wasser standen. Darüber hinaus waren sanitäre Einrichtungen in der Schule und im ganzen Dorf entweder baufällig oder gar nicht vorhanden. Die Schülerinnen und Schüler setzten bei der Benutzung der grob zusammengezimmerten, offenen Latrinen ihre Sicherheit und ihre Gesundheit aufs Spiel.

Mit Unterstützung des Fonds Education Cannot Wait reparierte NRC das beschädigte Dach, um sicherzustellen, dass die Klassenräume, die Kinder und das Material bei Regen trocken bleiben. Es wurden Metalltüren und Fensterrahmen eingebaut und die Schule bekam einen neuen Anstrich. Die Latrinen wurden wieder aufgebaut und für mehr Hygiene abgedeckt. Die Lernumgebung hat sich stark verbessert und die Anzahl der angemeldeten Kinder ist von 240 im Jahr 2018 auf 340 im April 2019 gestiegen.

Die Grundschule in Kananda ist nur eine von 32 Schulen, die von NRC in Süd-Kivu saniert wurden. Diese Hilfe ist jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Es besteht ein immenser Bedarf in der Provinz und im ganzen Land, der kaum gedeckt werden kann. Wir brauchen mehr Mittel, um weitere zerstörte Schulen wiederaufzubauen und Nachholkurse organisieren zu können, damit die Kinder in einer sicheren und geschützten Umgebung wieder zur Schule gehen können.

Fakten:

NRC hat mit Danish Church Aid (DCA) und zwei nationalen NGOs, Collectif ALPHA UJUVI und Caritas, zusammengearbeitet, um das von Education Cannot Wait finanzierte Projekt umzusetzen. Im Rahmen des Projekts baute NRC zerstörte Schulen wieder auf und sorgte dort auch für angemessene Sanitäranlagen und Wasserspender. NRC stellte den Kindern Hefte, Stifte und andere Schulmaterialien zur Verfügung und bildeten die Lehrkräfte für psychosoziale Unterstützung aus. Darüber hinaus bezahlte NRC die Prüfungsgebühren für einige Schülerinnen und Schüler der sechsten Klasse und organisierte Schulungen für Lehrkräfte zum Thema Risikominimierung sowie eine Schulung von Eltern-Lehrer-Verbänden zum Thema verantwortungsvolle Schulführung.

Lasst uns Kindern wie Francine wieder Bildung ermöglichen