70.000 Geflüchtete durch starken Schneefall und Überschwemmungen in Gefahr

Amjad Yamin|Veröffentlicht 23. Jan 2019|Bearbeitet 15. Jan 2019
LIBANON: "Im Libanon wurden Dutzende Siedlungen syrischer Geflüchteter evakuiert, nachdem der Wintersturm ‚Norma’ Überschwemmungen, Schnee und Eisregen über das Land gebracht hat“, sagt Giovanni Rizzo, NRC-Gebietsleiter in Bekaa, Libanon.

Der Sturm „Norma“ hat im ganzen Libanon Schäden an Infrastruktur, Straßen und Häusern hinterlassen und damit mindestens 70.000 Geflüchtete in Gefahr gebracht. Nach dem jüngsten humanitären Update sind über die Hälfte von ihnen Kinder.

„Durch den Sturm sind viele Zelte zusammengebrochen und mehrere inoffizielle Siedlungen so stark überschwemmt, dass die Geflüchteten an andere Orte gebracht werden mussten“, sagt Giovanni Rizzo, NRC-Gebietsleiter in Bekaa.

Fakten und Zahlen

Sturm Norma im Libanon:

In Gefahr: 850 Siedlungen und mindestens 70.000 Geflüchtete, darunter 39.900 Kinder.

Stark betroffen: 361 Standorte und 11.300 Menschen

Quelle: The Inter-Agency Coordination Unit – UNHCR

Über 11.000 stark betroffen

Der diesjährige Winter erweist sich für Tausende von Familien, die aus Syrien vertrieben wurden und im Libanon Zuflucht suchen, als einer der härtesten. Allein im Libanon wurden bereits über 11.000 Menschen von einer Welle aus Schnee, starkem Regen und starkem Wind heimgesucht, was viele von ihnen zwang, ihre ohnehin schon ärmlichen Zelte zu verlassen.

„Wir hatten große Angst, dass der starke Wind unser Zelt wegwehen würde. Von oben lief Wasser herein und wir mussten uns immer hin- und herbewegen, während wir zu schlafen versuchten“, sagt Samira*, eine syrische Geflüchtete in der Bekaa-Ebene im Libanon.

„NRC reagiert in Abstimmung mit der humanitären Gemeinschaft und den Behörden vor Ort, die auch mit ihren Bobcats geholfen haben, den Weg für unsere Teams freizumachen, um die am stärksten betroffenen Siedlungen zu erreichen“, sagt Giovanni Rizzo.

Lesen Sie hier mehr über unsere Arbeit im Libanon.

Humanitäre Schätzungen ergaben, dass 850 Siedlungen gefährdet sind, wobei 361 bereits stark vom Sturm betroffen waren.

 

Acht Jahre Vertreibung

„Die Fotos zeigen nicht unsere ganze Geschichte, es gibt soviel mehr, was man nicht sieht: Acht Jahre Vertreibung und Kampf hinterlassen ihre Spuren“, sagt Asia*, 60, eine syrische Geflüchtete, die derzeit in der Region Arsal lebt.

Die Witterungsverhältnisse hatten in diesem Winter größere Auswirkungen auf das Leben von Geflüchteten, da im Jahr 2018 eine beträchtliche Anzahl Familien im ganzen Land gezwungen war, in Zelte und minderwertige Gebäude umzuziehen, wie interinstitutionelle Analysen zeigten.

„Der Einsatz wird noch den ganzen Januar und darüber hinaus andauern. Wir hoffen, dass wir mit vereinten Kräften aller beteiligten Akteure den dringendsten Bedarf decken und so das Leiden der Geflüchteten mildern können“, sagt Rizzo.

 

Leben in inoffiziellen Zeltsiedlungen

Schätzungsweise 17 Prozent der 1,5 Millionen syrischen Geflüchteten im Libanon leben in inoffiziellen Zeltsiedlungen. Etwa 40 Prozent der Zelte in diesen Siedlungen befinden sich in einem kritischen oder inakzeptablen Zustand, so eine kürzlich von UN-Organisationen durchgeführte Schwachstellenanalyse.

NRC verfügt über Teams vor Ort im gesamten Libanon und wird gegebenenfalls auf die Auswirkungen des Sturms reagieren und sich mit anderen Hilfsorganisationen abstimmen, um humanitäre Hilfe zu leisten, falls eine dringende Reaktion erforderlich ist.

 

*Die Namen wurden geändert, um die Identität derjenigen zu schützen, die in dieser Geschichte vorgestellt wurden.