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Lesen Beschriftung Photo: Ingrid Prestetun/NRC

Eine fordernde Aufgabe

Veröffentlicht 02. Dez 2019|Bearbeitet 26. Nov 2019
„Wenn ich sehe, wie viel den Menschen unsere Hilfe bedeutet, habe ich keine Zweifel, dass es all das wert ist.“

Mercy Gitau ist ausgebildete Hydrogeologin und für die Wasser-, Sanitär- und Hygieneprojekte (WASH) von NRC Flüchtlingshilfe in Somalia verantwortlich. Sie ist in Garowe stationiert, wo sie im Büro von NRC Flüchtlingshilfe arbeitet und in einer einfachen, von der Organisation bereitgestellten Unterkunft wohnt. Sie besucht regelmäßig die anderen Büros im ganzen Land, um die WASH-Projekte an den verschiedenen Standorten zu betreuen.

Mercy stammt aus Nairobi im benachbarten Kenia, wo ihre Familie lebt. Sie ist jedoch seit 2005 für verschiedene Organisationen in Somalia tätig. Seit einem Jahr arbeitet sie für NRC Flüchtlingshilfe.

Tägliche Angriffe

Als humanitäre Hilfskraft in Somalia muss man jederzeit Sicherheitsvorkehrungen treffen und sich darüber im Klaren sein, dass Pläne sich jederzeit ändern können. Wir haben das am eigenen Leib erfahren, als wir im Juli unseren Besuch in Somalia am Tag vor der Abreise absagen mussten. In einem Hotel in der Stadt hatte ein Anschlag stattgefunden, der 26 Menschenleben gefordert hatte. Unter den Todesopfern waren ein Politiker und eine angesehene Journalistin.

Als wir schließlich zwei Monate später in der somalischen Hauptstadt Mogadischu eintrafen, fand am selben Tag ein Angriff auf das Büro des Präsidenten statt. Ein paar Tage später wurden außerhalb einer anderen Stadt zehn Menschen von einer Autobombe getötet. Uns wurde schnell klar, dass solche Dinge in Somalia zum Alltag gehören. Wir fragten Mercy, ob sie Angst um ihre eigene Sicherheit habe.

„Ich bekomme regelmäßig Sicherheitsupdates von unserem Sicherheitsberater, einschließlich Warnungen vor Angriffen und Explosionen. Mir ist bewusst, dass ich immer zur falschen Zeit am falschen Ort sein kann. Aber ich tue, was ich kann, indem ich mich an die Sicherheitsregeln halte. Ich habe einen Sicherheitskurs von NRC Flüchtlingshilfe besucht und weiß nun viel besser Bescheid, wie ich mit gefährlichen Situationen umgehen muss“, sagt sie.

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Ihre Freundin wurde entführt

Eine Erfahrung hat Mercy besonders geprägt.

„Eine Freundin und Kollegin wurde vor ein paar Jahren hier in Somalia entführt. Sie wurde zwei Jahre lang gefangen gehalten, bevor man sie wieder freiließ. So etwas lässt einen nicht mehr los.“

Die Sicherheitslage erfordert viele Einschränkungen, was die Bewegungsfreiheit betrifft, sowohl während als auch außerhalb der Arbeitszeit. Mercy lebt in einer kleinen Wohnung über dem Büro von NRC Flüchtlingshilfe. Wenn sie nicht arbeitet, hält sie sich überwiegend hier auf.

„Es ist merkwürdig, dass man fast den ganzen Tag drinnen bleiben muss und nicht spazieren gehen, einen Freund besuchen oder in ein Restaurant gehen kann. Gleichzeitig ist mein Zimmer aber der Ort, wo ich mich entspannen und sicher fühlen kann. Ich habe hier auch Kontakt zu meiner Familie in Nairobi. Ich rufe fast jeden Nachmittag meinen Sohn über Skype oder übers Telefon an, wenn er aus der Schule kommt, um zu hören, wie es ihm geht.“

„Es verlangt einem viel ab, in Somalia eine humanitäre Hilfskraft zu sein; sowohl ich als auch meine Familie müssen aufgrund der Entscheidung, die ich getroffen habe, auf viel verzichten. Aber wenn ich sehe, wie viel unsere Hilfe den Menschen bedeutet, habe ich keine Zweifel, dass es all das wert ist.“

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