Lesen Beschriftung Foto: Ephrem Chiruza/NRC

Zum Lernen ist es nie zu spät

Ephrem Chiruza|Veröffentlicht 25. Aug 2019|Bearbeitet 22. Aug 2019
"Für mich war es schlimm, zu Hause zu bleiben, während andere Kinder in der Schule waren. Manchmal musste ich auf den Feldern von meinem Nachbarn arbeiten, um etwas zu Essen zu bekommen", Antoinette, 12.

Der seit langem andauernde Konflikt im Osten der Demokratischen Republik Kongo hat verheerende Auswirkungen auf die Bildung des Landes. In vielen Gegenden hat die Gewalt dazu geführt, dass Schulen verlassen, geschlossen oder zerstört wurden. Damit kam die schulische Ausbildung vieler Kinder zum Erliegen, so dass sie Ausbeutung und Missbrauch ausgesetzt waren.

Jetzt baut der Norwegian Refugee Council (NRC) Klassenräume wieder auf und organisiert Nachholkurse, was Tausenden von Kindern in dieser vom Krieg zerrütteten Region neue Hoffnung gibt.

100.000 Kinder besuchen keine Schule

Im März 2017 führten NRC und War Child UK eine Studie durch, die ergab, dass fast 100.000 Kinder im Raum Rutshuru keine Schule besuchen. Ruthsuru liegt in der von Ebola betroffenen Provinz Nord-Kivu. Und das ist laut UNICEF nur ein kleiner Teil der insgesamt sieben Millionen kongolesischen Kinder im Alter von 5 bis 17 Jahren, für die der Schulbesuch unmöglich ist.

Antoinette, jetzt 12 Jahre alt, war eines dieser Kinder. Wie viele Kinder in ihrem Heimatdorf Ntamugenga musste auch sie die Schule abbrechen, weil ihr Vater die Schulgebühren nicht aufbringen konnte.

Antoinettes Situation war nicht ungewöhnlich, denn in Rutshuru lebten hauptsächlich Bauern, deren Lebensunterhalt von ihren Ernten abhing. Mit den Einnahmen aus diesen Ernten haben sie normalerweise die Schulgebühren ihrer Kinder bezahlt, aber der Konflikt in der Region sollte alles ändern. Morde und Entführungen mit Lösegeldforderungen häuften sich. Daher gingen die Bauern aus Angst vor Angriffen immer seltener auf ihre Felder. In der Folge konnten sich viele Eltern die Ausbildung ihrer Kinder nicht mehr leisten.

Wir haben auf diese Situation reagiert: Zusammen mit der Europäischen Union (EU) haben wir Klassenräume wiederaufgebaut und kostenlose Nachholkurse in Nord-Kivu für Kinder und Jugendliche organisiert, die nicht zur Schule gingen. Mit diesem Programm können sie die Grundschulzeit durch den beschleunigten Bildungsansatz in nur drei statt sechs Jahren durchlaufen.

Nachholkurse bringen Hoffnungsschimmer

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Wir trafen Antoinette im Juli 2019 bei unserem Besuch der Tarika Primary School, wo sie an Nachholkursen des NRC teilnahm.

Im Idealfall sollte Antoinette in ihrem Alter bereits zum Gymnasium gehen. Leider war sie aber im Rückstand, weil sie die Schule abbrechen musste. Die Aufholkurse von NRC waren daher eine große Hilfe für das junge Mädchen.

"Für mich war es schlimm, zu Hause zu bleiben, während andere Kinder in der Schule waren. Manchmal musste ich auf den Feldern von meinem Nachbarn arbeiten, um etwas zu Essen zu bekommen", sagte sie uns. "Ich bin froh über die Unterstützung von NRC. Durch NRC habe ich jetzt Schreibhefte, Bleistifte, Buntstifte und eine Schultasche. Ich mag meine Schule so sehr. Ich möchte später Lehrerin werden, damit ich auch Kinder unterrichten kann."

Antoinette ist eine von 3.600 Schülern im Raum Rutshuru, die durch NRC Zugang zu hochwertiger Bildung in einer sicheren und geschützten Lernumgebung zu erhalten.

Bau von Klassenräumen und Ausbildung von Lehrkräften

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"Bevor NRC diese Klassenräume errichtet hat, hatten wir Unterricht im Freien, unter Bäumen und bei Regen manchmal in der Kirche. Wir hatten viele Probleme", erklärte uns Carine Ngulumiza, Lehrerin an der Tarika Primary School.

"Heute haben wir angemessene Einrichtungen, die NRC gebaut hat", sagte sie. "Und wir wurden außerdem dafür ausgebildet, auch ältere Kinder und Jugendliche zu unterrichten."

Weitere Fördermittel sind notwendig

Diese Hilfe ist jedoch ein Tropfen auf den heißen Stein angesichts der 100.000 Kinder in Rutshuru, die auch Schulbildung brauchen. Durch die EU-Finanzierung konnten wir nur vier Prozent dieser Kinder unterstützen.

"Wir brauchen eine solide mehrjährige Finanzierung in der Art, wie sie die EU bereitstellt, auch von anderen Stellen. Mit den Mitteln möchten wir Nachholkurse und beschleunigte Bildungsprogramme fördern, damit wir mehr Kindern den Schulbesuch ermöglichen und sie vor Ausbeutung und Missbrauch schützen können", sagte Clémence Sebusanza, NRC Ausbildungskoordinatorin in Nord-Kivu.

Jede Unterstützung für diese Kinder zählt!