Lesen Beschriftung Abu und Um Ayham lebten nach ihrer Flucht von Syrien nach Jordanien fünf Jahre in einem heruntergekommenen und unzumutbaren Haus. Ihr kleiner Wassertank reichte nicht für die sechsköpfige Familie, daher stellte NRC einen zweiten Tank zur Verfügung. Foto: Pat Rubio Bertran/NRC

Häuser und Hoffnung erneuern

Pat Rubio Bertran|Veröffentlicht 12. Aug 2019|Bearbeitet 29. Jul 2019
Abu und Um Ayham lebten nach ihrer Flucht von Syrien nach Jordanien fünf Jahre lang in einem heruntergekommenen und unzumutbaren Haus. Der Mangel an sauberem Wasser, undichte Abwasserleitungen und Insektenbefall machte das Leben für sie und ihre Kinder unangenehm und unsicher. Nun wurde ihre Unterkunft mit der Hilfe von NRC bewohnbar gemacht und sie blicken mit neuer Zuversicht in die Zukunft.

Bereits vor dem Zustrom syrischer Flüchtender nach Jordanien, der im Jahr 2012 begann, hatte die jordanische Wirtschaft in vielen Bereichen Schwierigkeiten. Besonders stark betroffen war der Wohnungsmarkt. Mietinflation und der wachsende Bedarf an günstigem Wohnraum führte dazu, dass viele Geflüchtete in Garagen, Läden, Kellern und anderen Gebäuden lebten, die nicht als Wohnraum geeignet waren.

Abu Ayham, 42, und Um Ayham, 40, flohen 2014 aus Syrien nach Jordanien. Die erste Nacht verbrachten sie im Zataari-Flüchtlingslager. Dann half ihnen ein Familienmitglied, das bereits in Jordanien war, in der im Norden gelegenen Stadt Ramtha eine Unterkunft zu finden. Zwei Monate später zogen sie dort ein. Es sollte für die kommenden fünf Jahre ihr Zuhause werden.

Die Klärgrube funktionierte nicht richtig und das Abwasser strömte ins Haus. Ihn zu reparieren hätte ein Vermögen gekostet.
Abu Ayham, 42

Fäkalien und Tausendfüßler

Seit fünf Jahren leben Abu und Um Ayham mit ihren Kindern in einem kleinen Backsteinhaus. Sie haben keine Verbindung zum städtischen Strom- und Wasserversorgungsnetz. Die Bedingungen sind alles andere als ideal.

„Die Klärgrube funktionierte nicht richtig“, erklärt Abu Ayham. „Das Abwasser strömte ins Haus. Ihn zu reparieren hätte ein Vermögen gekostet. Wir waren drauf und dran, das Haus deshalb aufgeben.“

„Wir hatten für die ganze Familie nur einen Wassertank mit zwei Kubikmetern“, fährt Abu fort. „Die Haustür hatte eine Öffnung im Boden, durch die Insekten und Schlangen ins Haus kamen.“

„Die Kinder fanden Tausendfüßler und andere Insekten im Haus. Sie hatten wirklich Angst vor ihnen“, fügt Um Ayham hinzu.

Abu Ayham, 42, and Um Ayham, 40, fled Syria to Jordan five years ago. For the past five years, Abu and Um Ayham have been living in a small brick shack turned home with their four children. Since then, they have endured living disconnected from the municipal electricity network and water services. 

“The septic tank was not working properly, and it was flooding into the house. It would have costed a fortune to repair it. We were going to have to let go of the house because of that.” 

In exchange for the renovation provided by NRC, the landlord agreed on giving the family a six months’ period rent-free. Moreover, after the period is over, NRC will continue to support the family with the monthly payment throughout the next year.  

The core of NRC’s shelter program aims to improve the living conditions for vulnerable Jordanians and Syrian refugees living outside of the camps. Rent comprises 50% of household expenses for Syrian refugees and 65% of them do not live in adequate conditions. By upgrading their living conditions and covering housing costs, NRC is creating a win-win situation between landlords and tenants.

Ramtha 
13 June 2019 
Photo by: Pat Rubio Bertran/NRC
Lesen Beschriftung Abu Ayham zeigt auf die neue Klärgrube, der von NRC repariert wurde. Foto: Pat Rubio Bertran/NRC

Das Haus wird bewohnbar gemacht

Die Familie hörte über Freunde von NRC und informierte sich, welche Unterstützung sie bekommen konnten. Kurz danach schickte NRC ein Team, um die Familie zu besuchen und ihre Situation zu begutachten.

„Wir hatten kaum Kontakt mit dem Vermieter“, erklärt Abu Ayham. „Anfangs sagte er uns, wir könnten alles renovieren, allerdings auf eigene Kosten. Leider könnten wir aber nichts davon mitnehmen, wenn wir wieder ausziehen. Jede Investition in das Haus hätte nur dem Vermieter etwas genutzt.“

Nach der Bewertung der Bedingungen und nach Rücksprache mit der Familie und dem Vermieter stimmte das NRC-Team zu, sich um einige Renovierungsarbeiten zu kümmern.

„Seit der Renovierung hat sich die Lage verbessert. Wir haben keine Insekten mehr im Haus“, sagt Um Ayham. Abu Ayham fährt fort: „Das Wichtigste war die Reparatur der Klärgrube. Auch der Wassertank konnte nicht komplett gefüllt werden und wir hatten nicht genug Wasser für die Familie. Jetzt haben wir zwei Tanks. Das ist gut für die Kinder.“

Lesen Beschriftung Die alte Haustür, durch die Insekten und Schlangen ins Haus gelangen konnten. „Die Kinder fanden Tausendfüßler und andere Insekten im Haus. Sie hatten wirklich Angst vor ihnen“, sagt die Mutter Um Ayham. Foto: Pat Rubio Bertran/NRC

Drei Viertel leben unterhalb der Armutsgrenze

Die schwierige Situation, in der Abu und Um Ayham leben, ist in Jordanien eher die Regel als eine Ausnahme. Die bereits strauchelnde jordanische Wirtschaft und die hohen Arbeitslosenzahlen haben sowohl unter der Bevölkerung Jordaniens als auch unter den Geflüchteten zu erhöhter Armut geführt. Derzeit leben 75 Prozent der syrischen Geflüchteten unterhalb der Armutsgrenze und 54 Prozent können es sich nicht leisten, Miete zu bezahlen.

„Wir hatten viele Probleme, die Miete zu bezahlen, und dies war das billigste Haus, das wir finden konnten. Die Leute wollten helfen und verschafften meinem Mann etwas Arbeit. Unsere Nachbarn nahmen uns auf, aber wir hatten immer noch jeden Monat Probleme, die Miete zusammenzubekommen“, erklärt Um Ayham.

Eins der Hauptprobleme war der Mangel an Beschäftigungsmöglichkeiten. „Wir haben keine Arbeit“, sagt Abu Ayham. „Manchmal finde ich ein- zweimal in der Woche etwas. Ich nehme, was ich bekommen kann. Ich habe auf Baustellen und auf dem Feld gearbeitet. Manche Leute wollen helfen und geben mir kleine Aufträge, zum Beispiel ihren Garten in Ordnung bringen. Wenn ich die Möglichkeit habe, mache ich es.“

Lesen Beschriftung Die neue Haustür der Familie, die von NRC zur Verfügung gestellt wurde. „Seit der Renovierung hat sich die Lage verbessert. Wir haben keine Insekten mehr im Haus“, sagt der Vater Abu Ayham. Foto: Pat Rubio Bertran/NRC

Renovierungen gegen Miete

Der Vermieter war damit einverstanden, dass die Familie im Austausch gegen die von NRC unterstützten Renovierungsarbeiten ein halbes Jahr mietfrei im Haus wohnen durfte. Nach Ablauf dieses Zeitraums wird NRC die Familie im nächsten Jahr durch monatliche Zahlungen weiter unterstützen.

„Wir haben uns hier eingelebt, auch wenn es nicht ganz ideal für uns ist. Glücklicherweise haben wir mit den Renovierungen und ohne die Mietlast etwas weniger Sorgen. Psychisch fühlen wir uns wohl. In Zukunft wollen wir wieder in Sicherheit leben“, erklärt Um Ayham.

„Wir verlangen nicht viel von der Welt, nur Sicherheit und Geborgenheit. Wir wollen sichergehen, dass wir haben, was wir brauchen, und dass wir in Sicherheit sind“, schließt Abu Ayham.

Das Unterkunftsprogramm von NRC

Der Kern des Unterkunftsprogramms von NRC in Jordanien zielt darauf ab, die Lebensbedingungen für gefährdete Jordanierinnen und Jordanier und syrische Geflüchtete, die außerhalb der Lager leben, zu verbessern. Die Miete umfasst für syrische Geflüchtete 50 Prozent der Haushaltsausgaben und 65 Prozent von ihnen leben nicht unter angemessenen Bedingungen. Durch die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen und die Deckung der Mietkosten schafft NRC eine Win-win-Situation zwischen Vermietern und Mietern.