Lesen Beschriftung Foto: Beate Simarud/NRC

Mosab's Geschichte - Teil 4: Als der IS kam

Kristine Grønhaug|Veröffentlicht 19. Apr 2019
Plötzlich waren sie da – innerhalb weniger Stunden.

„Wir wussten vorher nichts. Wir gingen abends ins Bett und am nächsten Tag waren sie da. Plötzlich liefen schwarz gekleidete Männer auf unseren Straßen herum. Zuerst waren es nicht so viele und sie versuchten den Eindruck zu erwecken, sie seien nett. Sie gaben zum Beispiel den Armen Geld. Aber wir waren ja nicht dumm. Wir wussten, dass sie gefährlich waren“, sagt Mosab.

Seine Familie verfolgte die Nachrichten und wusste gut über die Situation im Irak Bescheid. Sie wussten von Al-Quaida und dem IS – dass sie im Grunde gleich waren. Dass beide gefährlich waren.

Hattest du Angst?

„Nein“, erwidert er und fährt fort:

„Eines Tages erwischten sie mich. Ich fuhr auf meinem Motorrad herum und rauchte eine Zigarette. Plötzlich war ein Auto neben mir – ich wusste nicht, dass sie es waren. Das Auto begann mich zu verfolgen und ich sah im Rückspiegel, wer es war. Also warf ich unauffällig meine Zigarette weg und hielt an.

Der IS-Mann sagte: ‚Steig ab. Wo ist deine Zigarette?’ Ich sagte, ich hätte keine Zigaretten. Sie durchsuchten mich, fanden aber nichts. Aber sie rochen den Rauch an mir. Also nahmen sie mich mit in ein improvisiertes Gefängnis, wo schon viele andere Gefangene waren.“

Dort wurde er zu 30 Peitschenhieben verurteilt.

„Ich hatte schon einmal Prügel bekommen und es war mir wirklich egal. Es würde weh tun, aber ich wusste, ich würde nicht sterben“, sagt er.

Glücklicherweise durfte er während des Auspeitschens seine Kleider anbehalten:

„Danach musste ich Hadithe lesen [Geschichten über das Leben und die Lehren des Propheten Mohammed, die als Beispiele dafür dienen, was richtig und eine gute Lebensweise ist, ed.].“

Am folgenden Tag durfte er gehen. Mosab beschloss, sich zurückzuziehen.