Lesen Beschriftung Foto: Beate Simarud/NRC

Mosab's Geschichte - Teil 3: Auf mich allein gestellt

Kristine Grønhaug|Veröffentlicht 16. Apr 2019|Bearbeitet 01. Apr 2019
„Meine Kindheit war die beste Zeit meines Lebens. Aber natürlich war nicht alles immer nur toll. Kennen Sie das Gefühl, man wäre nichts wert? Ich habe mich sehr oft so gefühlt."

"Ich habe mich sehr oft so gefühlt. Ich denke, das kam, weil ich aus einer armen Familie stammte. Weil wir nicht alles hatten, was wir brauchten, dachten manche Leute, sie wären irgendwie besser als wir. Es ist schwer, wenn die anderen Kinder alles haben und du nicht.“

Er steht von seinem Stuhl auf, geht in die Küche und schneidet etwas Brot. Er kommt zurück und stellt eine Platte mit Brot und drei kleine Schälchen mit verschiedenen Dips auf den kleinen Tisch. Einen der Dips hat er selbst gemacht:

„Ich esse sehr gesund. Als ich nach Norwegen kam, konnte ich noch nicht einmal ein Ei kochen. Ich war der Jüngste am Asyl-Aufnahmezentrum und ich war ständig in der Küche und sah den Frauen beim Kochen zu.“

Haben die Frauen sich um dich gekümmert?

„Wenn ich um Hilfe gebeten habe. Aber ich wollte auch niemandem auf die Nerven gehen. Ich war auf mich allein gestellt.“

Lesen Beschriftung One day IS was in his hometown: “Suddenly, there were men in black walking around in our streets,” Mosab says. Foto: Beate Simarud/NRC

 

Mama

Mosab stammt aus einer arabischen Familie. Sein Vater war Ingenieur und Künstler. Seine Mutter war Hausfrau. Seit ihrer Scheidung lebt sein Vater in den USA.

Mosab hat eine große Familie. Er und sein Zwillingsbruder sind die Ältesten. Er hat noch zwei jüngere Brüder – von denen nur noch einer am Leben ist – und zwei Schwestern.

„Mein Zwillingsbruder und ich gehörten zu den Besten in der Schule. Besonders mochte ich Mathe und Philosophie. Philosophie, weil man da lernt, dass es viele Arten gibt zu denken. Das ist sehr nützlich. Ich studiere die Menschen, mit denen ich spreche“, sagt er, und erzählt, dass ihm auch seine Teilzeitjobs nach der Schule Spaß gemacht hätten. Er verkaufte Brot und Zigaretten oder arbeitete auf Baustellen. Das Geld gab er seiner Mutter.

Mosab hat in Syrien die weiterführende Schule verpasst, aber das holt er jetzt in Norwegen nach. Am Wochenende arbeitet er in einer Schokoladenfabrik in Gjøvik, ein paar Stunden von Oslo entfernt. Die Hälfte seines Gehalts schickt er seiner Mutter Mona.

Wie würdest du sie beschreiben?

„Meine Mutter…“

Er beginnt zu weinen. Nach einer Weile sagt er:

„Sie ist alles.“

Sprichst du oft mit ihr?

„Ungefähr alle drei Tage über WhatsApp, wenn sie eine Internetverbindung haben. Meine Mutter hat wunderschöne braune Augen. Ihr Haar ist schwarz. Sie ist nicht sehr groß, nicht dick und nicht dünn, irgendwas dazwischen. Wenn jemand etwas braucht, gibt sie alles weg, was sie hat. Meine Mutter ist alles für mich.“