Lesen Beschriftung Photo: Becky Bakr Abdulla/NRC,

Pressemitteilung: Jemen ein Jahr nach der Blockade im freien Fall

Veröffentlicht 08. Nov 2018
Ein Jahr ist vergangen, seit die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition eine Blockade über die See-, Land- und Luftwege des Jemen verhängt hat. Millionen Menschen stehen am Rande einer Hungersnot und sind mit tödlichen Krankheiten konfrontiert.

„Die vergangenen zwölf Monate waren für die jemenitische Zivilbevölkerung ein einziger Albtraum. Die Konfliktparteien haben immer wieder die Kriegsgesetze missachtet und Taktiken verfolgt, die das Leid der Zivilbevölkerung verschlimmert haben“, sagt Jan Egeland, Generalsekretär der NRC Flüchtlingshilfe.

Die nun bereits ein Jahr andauernde Teilblockade hat die Einfuhr lebenswichtiger Nahrungsmittel, Treibstoffe und medizinischer Ausstattung verhindert und zu einer Verknappung wichtiger Rohstoffe geführt. Die Folge waren eine massive Inflation und eine Krise, die allgemein als die schlimmste der Welt angesehen wird.

Der Treibstoffimport über Hodeidah, den wichtigsten Hafen des Jemen, ist nach wie vor viel zu gering, um den Bedarf zu decken. In den letzten Tagen kam es außerdem zu heftigen Kämpfen und Luftangriffen in der Nähe Hodeidahs, die es weiter erschweren könnten, der Zivilbevölkerung Sicherheit und Hilfe zu bieten.

Zwölf Millionen Menschen sind dem unmittelbaren Risiko einer Hungersnot ausgesetzt. Über eine Million Verdachtsfälle von Cholera wurden im Jemen registriert. Über 22 Millionen Menschen im ganzen Land brauchen Hilfe oder Schutz.

„Wir appellieren an die Parteien dieses brutalen Konflikts, den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und die einzelnen Mitgliedstaaten, umgehend Maßnahmen zu ergreifen, um einen Waffenstillstand, eine uneingeschränkte Öffnung aller Häfen des Jemen, die Wiederherstellung der öffentlichen Dienste und die Stabilisierung der jemenitischen Wirtschaft zu erreichen, um dieser gänzlich menschengemachten humanitären Katastrophe Einhalt zu gebieten“, sagt Egeland.

Fakten

  • Anfang November letzten Jahres verhängte die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition eine vollständige Blockade über die Flughäfen, Seehäfen und Landesgrenzen des Jemen – angeblich als Maßnahme, um den Waffenimport in den Jemen zu stoppen, nachdem das saudische Militär eine auf Riad abgefeuerte Rakete abgefangen hatte.

  • Die Flug- und Seehäfen unter der Kontrolle der international anerkannten Regierung des Jemen blieben elf Tage lang geschlossen, während wichtige Seehäfen an der Westküste des Jemen für einen Zeitraum von über sieben Wochen geschlossen und auch danach nur teilweise wieder geöffnet wurden.

  • 12 Millionen Menschen befinden sich derzeit am Rande einer Hungersnot.

  • Über 16 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, Sanitäranlagen und Hygiene und sind damit extrem anfällig für ansteckende Krankheiten und Faktoren, die das Risiko zu verhungern, zusätzlich erhöhen.
  • Zum 26. Oktober wurde der Jemen-Rial von der International Bank of Yemen auf 720,18 zu einem US-Dollar festgelegt.

  • Bis Oktober 2018 meldete die Weltgesundheitsorganisation WHO 13.403 Cholerafälle. Das sind sechsmal so viele wie noch Mitte Juni (2.089), was auf die anhaltende Gefahr eines neuen Ausbruchs hindeutet, die durch Vertreibung und die sich verschlechternde Wirtschaft noch verstärkt wurde.
Hinweise für die Redaktion
  • Die NRC Flüchtlingshilfe hat im Jemen Sprecher, die für Interviews zur Verfügung stehen.

  • Fotos können hier kostenlos heruntergeladen werden: https://nrc.smugmug.com/Country- Programmes/Yemen/2018/August-2018/Yemen-photo-story-4-years-of-man-made- catastrophe/n-s2N7VX/
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Die NRC Flüchtlingshilfe Österreich ist ein Teil von NRC Norwegian Refugee Council, einer internationalen Hilfsorganisation mit Sitz in Oslo, die sich seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges dafür einsetzt, dass Menschen auf der Flucht überleben und eine neue Zukunft aufbauen können. Heute liegt die Zahl der Menschen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen, mit weltweit 68,5 Millionen auf einem Rekordniveau – der Bedarf an Hilfe ist daher enorm. NRC hat mehr als 70 Jahre Erfahrung in der Flüchtlingshilfe in Krisenregionen und ist aktuell in 31 Ländern aktiv. 2017 haben 8,7 Millionen Menschen Unterstützung bekommen.