Lesen Beschriftung Nasteho, 30, hatte mit ihrem Mann ein Gasthaus betrieben bevor sie ihr Heim verlassen mussten. Vor einem Jahr flohen sie mit ihren 7 Kindern von Harar ins Koloji Camp in der Nähe von Jijiga. "Wir haben alles hinter uns gelassen", sagt Nasteho. Foto: NRC

PRESSEMITTEILUNG: 700.000 Menschen suchen in Somali Region Äthiopiens Schutz vor Konflikt

Veröffentlicht 24. Nov 2018|Bearbeitet 22. Nov 2018
Regionalregierung bittet Hilfsorganisationen, die Soforthilfe in dieser humanitären Krise aufzustocken – 1,1 Millionen Vertriebene in Somali – Krankheiten und Unterernährung

Über 200.000 Menschen sind seit Juli vor ethnischen Konflikten geflohen und leben nun in Lagern in der äthiopischen Region Somali. Damit steigt die Zahl derjenigen, die in den letzten Jahren vor interkommunaler Gewalt geflohen sind, auf über 700.000, so die neueste Displacement Tracking Matrix für Äthiopien. Die meisten davon stammen aus der Region Oromia. Zählt man andere Ursachen wie Dürren und Überschwemmungen dazu, befinden sich in Somali insgesamt fast 1,1 Millionen Vertriebene.

„Ein ethnischer Konflikt entlang der Grenze zwischen Oromia und Somali zwingt Familien zur Flucht in überfüllte Lager. Es sind nur wenige Hilfsorganisationen vor Ort. Jeden Tag kommen neue Familien an und die Ressourcen sind überlastet. Die Ältesten berichten uns, dass die Menschen aufgrund mangelnder Hilfe sterben. Diese Familien brauchen Hilfe, bevor es zu spät ist“, sagt Evelyn Aero, Regionalberaterin der NRC Flüchtlingshilfe.

„Wir flohen vor der Gewalt mit nichts als unseren Kleidern auf dem Leib“, sagt Abdirahman Moalim, ein Bauer, der letztes Jahr aus Ost-Oromia geflohen ist. Er lebt mit seiner Familie im überfüllten Koloji-Lager in Somali, zusammen mit 65.000 anderen Menschen.

„Wir haben hier ein großes gesundheitliches Problem. Es gab einen Masernausbruch. Kinder sind an Masern und Unterernährung gestorben. Außerdem haben wir mit Tuberkulose zu kämpfen. Jeden Tag sterben drei bis vier Menschen“, fährt Abdirahman fort.

Die neue Somali-Regionalregierung bittet weitere Hilfsorganisationen darum, nach Somali zu kommen, und startet Soforthilfeprogramme zur Bewältigung der Krise. Teil dieser Maßnahmen ist es, dass der Zugang für Hilfsorganisationen erleichtert und verbessert wird. Die bereits in der Region tätigen Organisationen werden angehalten, ihre derzeitigen Hilfsmaßnahmen auszuweiten. Obwohl die Regierung, die NRC Flüchtlingshilfe und andere Organisationen die Familien unterstützen, reichen die Ressourcen nicht aus.

Gemeinsam mit der Regierung wurde der Plan entwickelt, 5.000 vertriebene Familien in neu geschaffene Gemeinden in Somali umzusiedeln. Um dieses Umsiedlungsprojekt realisieren zu können, werden mehr Mittel für Unterkünfte, Wasser und andere Ressourcen gebraucht. Viele der Familien werden aus dem Koloji-Lager kommen. Die Umsiedlung wird dazu beitragen, eine dauerhafte Lösung für die durch die Krise Vertriebenen zu finden. Während die Regierung mit dem Bau dauerhafter Siedlungen beginnt, ist in den Lagern weiterhin dringend Hilfe erforderlich.

„Die Gewalt in Äthiopien in diesem Jahr ist von der internationalen Gemeinschaft unbemerkt geblieben. Auch wenn die Regierung an längerfristigen politischen und humanitären Lösungen für den Konflikt arbeitet, bitten wir die Geberregierungen dringend um mehr Aufmerksamkeit und eine Aufstockung der Mittel. Es muss mehr getan werden, um Leben zu retten“, warnt Evelyn Aero von der NRC Flüchtlingshilfe.

Hinweise für die Redaktion

• Die NRC Flüchtlingshilfe hat in Nairobi Sprecher, die für Interviews zur Verfügung stehen.

• Fotos der vertriebenen Menschen im Koloji-Lager finden Sie hier: https://bit.ly/2PDYK8j

•Statistiken zur Vertreibung in Äthiopien können Sie hier einsehen oder herunterladen: https://bit.ly/2PEmFES

• Die NRC Flüchtlingshilfe ist in den betroffenen Regionen Somali und Oromia vor Ort und plant, Notunterkünfte, Bargeldhilfe, Haushaltsgegenstände, Wasser und Sanitäranlagen bereitzustellen. NRC ist seit 2011 in Äthiopien tätig. Lesen Sie hier mehr: https://bit.ly/2QcdYRv

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte

Geno Teofilo, Regionalleiter Kommunikation der NRC Flüchtlingshilfe

geno.teofilo@nrc.no, +254 702 910 077 Medienhotline: info@nrc.no, +47 905 62 329

Medienkontakt für die NRC Flüchtlingshilfe Österreich

Birgit Brandner, klar. Strategie- und Kommunikationsberatung,

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Die NRC Flüchtlingshilfe Österreich ist ein Teil von NRC Norwegian Refugee Council, einer internationalen Hilfsorganisation mit Sitz in Oslo, die sich seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges dafür einsetzt, dass Menschen auf der Flucht überleben und eine neue Zukunft aufbauen können. Heute liegt die Zahl der Menschen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen, mit weltweit 68,5 Millionen auf einem Rekordniveau – der Bedarf an Hilfe ist daher enorm. NRC hat mehr als 70 Jahre Erfahrung in der Flüchtlingshilfe in Krisenregionen und ist aktuell in 31 Ländern aktiv. 2017 haben 8,7 Millionen Menschen Unterstützung bekommen.

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