PRESSEMITTEILUNG: Gespräche über den Fortschritt Afghanistans in Genf

Veröffentlicht 03. Dez 2018
Internationale Regierungen sprechen diese Woche in Genf über den Fortschritt und die Entwicklungen in Afghanistan. Tausende von Kindern können derweil aufgrund des anhaltenden Konflikts weiterhin nicht zur Schule gehen.

Internationale Regierungen sprechen diese Woche in Genf über den Fortschritt und die Entwicklungen in Afghanistan. Tausende von Kindern können derweil aufgrund des anhaltenden Konflikts weiterhin nicht zur Schule gehen.

Seit April wurden in der afghanischen Provinz Faryab mindestens zehn Schulen beschädigt und vom Militär besetzt – davon neun von den afghanischen nationalen Sicherheitskräften (ANSF) und eine von bewaffneten Oppositionsgruppen.

Eine der betroffenen Schulen wurde von der NRC Flüchtlingshilfe unterstützt, die im Rahmen eines beschleunigten Lernprogramms Zusatzkurse für Kinder anbietet, die nicht mehr zur Schule gehen. Vor der Besetzung nahmen 1199 Mädchen und Jungen an den Kursen teil, die von 18 Lehrerinnen geleitet wurden.

„All diese Kinder wurden auf brutale Weise ihres Rechts auf Bildung beraubt. Wir laufen Gefahr, eine ganze Generation zu verlieren, wenn die Konfliktparteien, insbesondere die afghanische Regierung als Unterzeichner der Oslo Safe Schools Declaration, nicht sicherstellen, dass Schulen nicht mehr für militärische Zwecke genutzt werden. Alle Parteien müssen die Sicherheit und den Schutz von Bildung sowie die Neutralität und Unabhängigkeit humanitärer Organisationen, die die Bildung in Afghanistan unterstützen, respektieren“, sagt William Carter, NRC-Programmleiter in Afghanistan.

Obwohl die meisten der zehn Schulen seit ihrer Besetzung wieder geöffnet wurden, kommen die Kinder und Jugendlichen aufgrund der instabilen Sicherheitslage nicht zum Unterricht. „Obwohl die ANSF die Schule im Oktober verlassen haben, ist sie seit über einem Monat immer noch geschlossen, da sie schwer beschädigt wurde und die Sicherheitslage in der Region nach wie vor angespannt ist. Die Familien haben zu viel Angst, ihre Kinder wieder zur Schule zu schicken“, sagt Amir Khan, Koordinator des NRC-Landesbüros in Faryab.

Dem jüngsten Bericht der GCPEA (Globale Koalition zum Schutz der Bildung vor Angriffen) ‘Attack on Education in Afghanistan’ zufolge gehen insgesamt 3,7 Millionen schulpflichtige Kinder – darunter 2,2 Millionen Mädchen – in ganz Afghanistan derzeit nicht zur Schule. Nach Angaben der Unterstützungsmission der Vereinten Nationen in Afghanistan wurden dieses Jahr durch den anhaltenden Konflikt bereits 653 Kinder getötet und 1.483 verletzt.

Diese Woche treffen sich die Regierungen in Genf während der Genfer Afghanistan-Konferenz, um über den politischen und entwicklungspolitischen Fortschritt im Land zu sprechen.

„Viele Partner, die an der Konferenz teilnehmen, scheinen die Situation in Afghanistan schönzureden, indem sie die positiven Entwicklungen im Land hervorheben. Für unsere Mitarbeitenden vor Ort geht das jedoch weit an der Realität vorbei, in der afghanische Frauen, Männer und Kinder weiterhin angegriffen und vertrieben werden und keine Rechte haben“, sagt Carter, der an der Konferenz in Genf teilnimmt.

„Die internationale Gemeinschaft muss mit der afghanischen Regierung zusammenarbeiten, um zu gewährleisten, dass die Leitlinien zum Schutz von Schulen und Universitäten vor militärischer Nutzung während bewaffneter Konflikte vollumfänglich verstanden und umgesetzt werden. In der Zwischenzeit sollte die internationale Gemeinschaft ausreichend Mittel für alternative Bildung zur Verfügung stellen, sodass Kinder, die aufgrund der Besetzung durch das Militär und Angst vor dem Konflikt am Schulbesuch gehindert werden, nicht auf der Strecke bleiben.“

Hinweise für die Redaktion:
  • NRC verfügt über Sprecher, die für Interviews von der Konferenz in Genf und in Afghanistan zur Verfügung stehen.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:

  • in Genf: William Carter, Programmleiter, william.carter@nrc.no, +93 795 271 621
  • in Afghanistan: Anthony Neal, Advocacy Manager, neal@nrc.no, + 93 (0) 728 932 775
  • Global: NRC-Medienhotline, info@nrc.no, +47 905 62 329
  • Norwegian Afghan Committee: Terje Magnussonn Watterdal, Country Director, +93 (0) 790 698 231.

 

Medienkontakt für die NRC Flüchtlingshilfe Österreich

Birgit Brandner, klar. Strategie- und Kommunikationsberatung,

birgit.brandner@klar.net, +43 664 922 77 87

https://www.nrc-hilft.at/

Die NRC Flüchtlingshilfe Österreich ist ein Teil von NRC Norwegian Refugee Council, einer internationalen Hilfsorganisation mit Sitz in Oslo, die sich seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges dafür einsetzt, dass Menschen auf der Flucht überleben und eine neue Zukunft aufbauen können. Heute liegt die Zahl der Menschen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen, mit weltweit 68,5 Millionen auf einem Rekordniveau – der Bedarf an Hilfe ist daher enorm. NRC hat mehr als 70 Jahre Erfahrung in der Flüchtlingshilfe in Krisenregionen und ist aktuell in 31 Ländern aktiv. 2017 haben 8,7 Millionen Menschen Unterstützung bekommen.

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